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Ausbildung in moderner Bergungstechnik

Einsatz mit der Betonkettensäge

Günzburg. Im Katastrophen- oder Unglücksfall erwartet der Bürger stets eine unverzügliche und kompetente Hilfe. Dies garantieren die unterschiedlichsten Hilfs- und Rettungsorganisationen wie unter anderem auch das Technische Hilfswerk. Wenige wissen aber ,welch ein hohes Maß an Ausbildung und Übungsaufwand dazu erforderlich ist um diese 24-stündige, zumeist ehrenamtliche Einsatzbereitschaft garantieren zu können.

Am vergangenen Wochenende nahm der Ortsverband Günzburg des Technischen Hilfswerk die Gelegenheit wahr, in einer nicht mehr genutzten Halle der Firma Riegg & Spiess, einen Teil des Spektrums der Einsatzmöglichkeiten bei Gebäudeschäden realistisch zu erlernen und zu üben. Das Eindringen in beschädigte und zerstörte Gebäude ist eine wichtige Aufgabe der Bergungsgruppen des THW. Der einzige Weg zu Verschütteten führt dabei oft durch Decken und Wände, die mit Aufbrechhammer oder Betonkettensäge durchbrochen werden müssen. Dabei kommt es besonders darauf an, Aufbau, Zustand und Statik von Wänden und Decken zu berücksichtigen. Leider ergibt sich nur selten die Gelegenheit, solche Arbeiten in realistischen Übungen durchzuführen. Zugführer Markus Mayer bezeichnete dies als eine gute Chance, eine möglichst reelle Ausbildung vor zu nehmen. An solchen Objekten kann wesentlich praxisnäher ausgebildet werden, als dies bei künstlichen Übungsobjekten möglich ist. Die natürlichen Gegebenheiten stellen andere Herausforderungen als ein fiktives Übungsobjekt, so Mayer.
In dieser praxisorientierten Ausbildung können die Vor- und Nachteile der verschiedenen Geräte vermittelt werden. Die sichere und richtige Handhabung der Geräte (z.B. Aufbau der Betonkettensäge) müssen immer wieder trainiert werden, damit im Einsatzfalle das Gerät auf die jeweilige Situation angepasst werden kann. Auch die eigene Leistungsfähigkeit des Helfers/ in spielt eine große Bedeutung, die somit getestet werden konnte, um sie im Einsatzfalle besser einschätzen zu können.

Die Betonkettensäge wird als Rettungswerkzeug eingesetzt, um Zugänge zu verletzten und verschütteten Personen zu schaffen. Mit ihr lassen sich Wand- und Deckendurchbrüche erschütterungsfrei herstellen. Sie kann ferner zur Schaffung von Verständigungs- und Belüftungsöffnungen benutzt werden. Mit der Betonkettensäge sind Einschnitte bis 38 cm Tiefe in Stahlbeton möglich. Ebenso sind Bodenschnitte, Kerbschnitte, waagerechte Schnitte und Eckschnitte bei beengten Platzverhältnissen möglich. Die tragbare, hydraulisch angetriebene Säge ist geeignet Materialien wie Stahlbeton, Mauerwerk, Naturstein und Steinzeug zu schneiden. Einstechschnitte zum Einbringen von Löchern in Betonwände oder Rohre sind ohne weiteres möglich.
Auch das eindringen in ICE-Waggons ist möglich. Mit der Betonkettensäge kann man die Scheiben der ICE-Waggons schnell und ohne gefährliche Kanten heraustrennen. Es entstehen bei dem Schneiden kaum Splitter und was sehr wichtig ist kein Glasstaub.
Nach einer Einweisung über den Aufbau und die Funktionsweise des Gerätes, mussten die Betonkettensäge und der Bohr- und Aufbrechhammer in Betrieb genommen werden. Die Helfer bekamen durch den Einsatz der Geräte an den verschiedenen Baustoffen (Beton, Armierung usw.) eine Vorstellung über die Dauer, die zum Schaffen einer Rettungsöffnung notwendig ist. Dabei sind unter anderem die Stärke, Zusammensetzung und die Beschaffenheit der Baustoffe wichtige Faktoren.
Die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk verfügt über modernste und schwerste Bergungstechnik. Trotzdem sind die Helfer ehrenamtlich tätig und haben in ihrem Zivilleben die unterschiedlichsten Berufe erlernt. Viele Helfer haben nicht einmal einen technischen oder handwerklichen Beruf ergriffen. Dennoch kann das THW sicherstellen, dass seine Technik effektiv zum Schutz der Bevölkerung eingesetzt wird. Dies ist auf den hervorragenden Ausbildungsstand der THW-Helfer zurückzuführen. Die Helfer treffen sich mehrmals im Monat zu Ausbildungsveranstaltungen. Dort werden die Grundausbildung und die Fachausbildung durchgeführt. Außerdem stehen den Helfern die verschiedensten Lehrgänge auf der Ebene des Geschäftsführerbereichs und auf Bundesebene offen.
Gerade die beim THW erworbene Ausbildung bietet - neben der gelebten Kameradschaft - Erlebnisse, welche die Mitarbeit für die Helfer einzigartig macht. Wo sonst kann der Informatikstudent sich mit einem Presslufthammer durch eine Hauswand schlagen oder der Jurist mit zehn 10-jährigen Kinder über einen See paddeln.

Weitere Informationen finden sie auf der Homepage www.thw-gz.de.

Bericht/Fotos:
Thomas Sigmund
Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
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