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"Gegen Vergessen-Für Demokratie" positioniert sich in Augsburg: Programmvorstellung

Logo von "Gegen Vergessen-Für Demokratie"
 
Der neue Bundesvorsitzende von GVFD, Wolfgang Tiefensee
 
Der Kabarettist und Orienthelfer Christian Springer
„Gegen Vergessen-Für Demokratie“ stellt sich in Augsburg neu auf

Infolge einer langwierigen Krankheit des ehemaligen Vorsitzenden Erich Sander war der von Dr. Hans Jochen Vogel ins Leben gerufene Verein „Gegen Vergessen-Für Demokratie“ in Augsburg ein wenig in den Hintergrund getreten.

Nun soll der Verein wieder neu belebt und positioniert werden. Dr. Bernhard Lehmann, Gymnasiallehrer im Vorruhestand, bekannt durch die Gersthofener Zwangsarbeiter-Initiative, seine Internetprojekte mit Schülern wie der Josef Felder- und Mietek Pemper-Homepage, Willi-Ohlendorf-Preisträger der SPD-Fraktion Bobingen, Inhaber der Silberdistel der AZ, des Josef-Felder-Preises der BayernSPD und erst kürzlich des Bebo-Wager-Preises der AWO Augsburg-Schwaben, möchte den Verein mit einer Gruppe von aktiven Mitgliedern ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken.

„Ich finde es sehr bedauerlich, dass die Gedenkveranstaltungen immer vor einem Publikum stattfinden, in dem die Jugend unterrepräsentiert ist. Deshalb haben wir in Kooperation mit zahlreichen anderen in der Erinnerungsarbeit engagierten Gruppen wie dem VVN, dem Bündnis für Menschenwürde, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, dem Forum für Interkulturelles Leben und Lernen und dem Annaforum ein Programm erstellt, das vornehmlich auf junge Menschen abzielt.“ Der ehemalige Pädagoge legt aber Wert darauf zu betonen, dass durch die Kooperation mit anderen Gruppen die Identität des Vereins keineswegs verloren gehen dürfe. „Unser Profil ergibt sich unter anderem daraus, dass wir unseren Fokus nicht nur auf die Erforschung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft legen, sondern auch auf die „Aufarbeitung“ des ehemaligen DDR-Regimes, auf die Bekämpfung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, auf Wertschätzung der unveräußerlichen Menschenrechte und Toleranz in der Demokratie.“

Da trifft es sich gut, dass der neue Vorsitzende, der ehemalige Leipziger OB und Bundesminister a.D., Wolfgang Tiefensee, der regionalen Arbeitsgruppe einen Besuch abstatten wird. Am Donnerstag den 24. Januar um 19.30 Uhr wird Wolfgang Tiefensee zum Thema „Opposition im Alltag der DDR“ im Musiksaal des Zeughauses sprechen. „Wir hoffen natürlich auf viele Gäste und Interessenten“, meint der Sprecher.

Das Programm für das erste Halbjahr 2013 ist eindrucksvoll. Lesungen mit dem Kabarettisten Christian Springer (4.2.13) und dem Sohn des Generalgouverneurs in Polen, Niklas Frank (26.-28.2.) gehören ebenso dazu wie Filmvorführungen mit der Marion Samuel Preisträgerin Beate Lehr-Metzger über das Massensterben der russischen Kriegssoldaten (5. und 6. März) sowie mit Dr. Michael Verhoeven über die Arisierung jüdischen Besitzes im Nationalsozialismus und über die Hinrichtungspraktiken und das Justizsystem in den USA (20.3.). In der in Kooperation mit dem Filmbüro Augsburg und dem Bündnis für Menschenwürde organisierten Filmreihe werden zudem Filme über die Augsburger Widerstandskämpferin Anna Pröll und das Gersthofener Zwangsarbeiterprojekt präsentiert. Nach allen Filmen besteht die Möglichkeit zur Diskussion mit den Regisseuren.

Das Programm bietet darüber hinaus Gespräche mit Zeitzeugen über die Massaker der SS in Marzabotto (14.-16. Mai) und eine Ausstellung über überlebende Roma des NS-Terrors in der Ukraine (18.6. bis 5.7.). Besonders Schulen in Augsburg-Stadt und Land sollen neben anderen interessierten Besuchern durch das Programm angesprochen werden.

Das Programm der regionalen Arbeitsgruppe Augsburg-Schwaben von Gegen Vergessen – Für Demokratie“



1. Vortrag des Bundesvorsitzenden Wolfgang Tiefensee über den Widerstand im Alltag der DDR, Donnerstag, 24.1.13, 19.30 Uhr Konzertsaal des Zeughauses, III. Stock, Eintritt frei.

2. Lesung von Christian Springer, Kabarettist aus seinem kürzlich erschienenen Buch: Nazi, komm raus! Wie ich dem Massenmörder Alois Brunner in Syrien auf der Spur war. Montag, 4. Februar 2013 im Augustana-Saal, Evangelisches Forum Annahof, Erwachsene € 10, Schüler/Studenten €8

3. Lesung von Niklas Frank aus seinen Büchern „Mein Vater“ und „Meine deutsche Mutter“ und „Mein Bruder Norman“. 26. bis 28. Februar 2013. Niklas Franks Vater war als Hitlers Stellvertreter im Generalgouvernement politisch verantwortlich für die Ausrottung von Juden, Polen und Ukrainern. In seinem Machtbereich lagen die Vernichtungslager Treblinka, Sobibor, Belzec und Majdanek, in denen das europäische Judentum ermordet wurde. Seine Bücher sind eine schonungslose „Abrechnung“ mit seiner Familie. Im Anschluss Diskussion mit dem ehemaligen Kulturressortleiter des Magazins Stern. Termine an den Schulen nach Vereinbarung (8.00 Uhr und 10.45 Uhr), Abendveranstaltung am 26.2.13 im Evangelischen Forum Annahof (Eintritt €3).

4. „Keine Kameraden“. Dokumentarfilm der Marion Samuel Preisträgerin Beate Lehr Metzger über das Massensterben sowjetischer Kriegsgefangener im Winter 1941/42. Dienstag, 5. März 2013 und Mittwoch 6. März, jeweils um 10 Uhr und um 19.30 Uhr im Mephisto-Filmkino. Anschließend Diskussion mit der Regisseurin.

5. „Menschliches Versagen“. Dokumentarfilm von Dr. Michael Verhoeven über die Arisierung jüdischen Besitzes im Nationalsozialismus. Mephisto Augsburg, Mittwoch, 20.3.2013, 10 Uhr vormittags; Film mit anschließender Diskussion mit dem Regisseur.

6. Die zweite Hinrichtung. Die USA und die Todesstrafe. Dokumentarfilm von Dr. Michael Verhoeven mit anschließender Diskussion mit dem Autor. In Ohio soll am 16. September 2009 der Afro-Amerikaner Romell Broom hingerichtet werden. Er war 1985 wegen Entführung, Vergewaltigung und Ermordung eines 14-jährigen Mädchens zum Tode verurteilt worden. Die Hinrichtung mit der Giftspritze muss nach zwei Stunden und 18 vergeblichen Versuchen erfolglos abgebrochen werden. Sehr bald wird klar, dass Romell Broom schon in seinem Prozess keinerlei Chance auf Gerechtigkeit hatte. Broom hätte gar nicht zum Tode verurteilt werden dürfen.. Mittwoch 20.3.2013, 19.30 Uhr im Mephisto, Eintritt €5.

7. „Anna, ich habe Angst um Dich“. Filmvorführung über die Augsburger Widerstands-kämpferin und spätere Ehrenbürgerin Anna Pröll an den Schulen. Im Anschluss Diskussion mit dem Regisseur Josef Pröll. Termine nach Vereinbarung.

8. Lesung von Anna Maria Nannetti, Matilde Grünhage-Monetti und Gianluca Luccarini über die Massaker der SS- und Wehrmachtsverbände in Marzabotto 1944. 14.-16.5. 2013. Termine an den Schulen nach Vereinbarung (jeweils 8.00 Uhr und 10.45 Uhr). Abendveranstaltung im Annaforum am 15. Mai, 19.30 Uhr. Die deutsche Öffentlichkeit weiß so gut wie nichts von den Brutalitäten der SS-Verbände in Italien. Aber noch viel bedauerlicher ist es, dass die deutsche Justiz keine Anstrengungen unternimmt, die Täter einer gerechten Strafe zuzuführen und den Opfern juristische und finanzielle Genugtuung anzubieten.

9. Film „8744“ des italienischen Regisseurs Alessandro di Gregorio über das Zwangsarbeiter-Projekt des Paul-Klee-Gymnasiums Gersthofen. Der in Italien 2008 und 2009 mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm thematisiert das Schicksal von Zwangsarbeitern, die 1943 nach Gersthofen bei Augsburg deportiert wurden und berichtet von der hartnäckigen Recherchearbeit von Schülern und ihres Geschichtslehrers.

10. Ausstellung: „Bedrängte Existenz: Überlebende Roma des NS-Terrors in der Ukraine“. Neue Stadtbibliothek, Ernst-Reuter-Platz 1, 86150 Augsburg, Dienstag 18.6 bis Freitag 5.7.13 Eintritt frei. Sechzehn Roma, die die deutsche Gewaltherrschaft in der Ukraine während des Zweiten Weltkrieges überlebten, berichten von ihrem wechselvollen Lebensweg im Krieg, der Nachkriegszeit und über ihren Alltag heute. Die Fotografin Birgit Meixner porträtierte im Mai 2012 Roma in der Ukraine, die an Projekten der Stiftung EVZ teilhaben. Meixners Porträts sind Momentaufnahmen aus dem Leben einer auch heute noch bedrängten ethnischen Minderheit.
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