Ein etwas anderer Jahresrückblick der Anna-Pröll-Mittelschule

Schülerinnen und Schüler der 7M mit Marvin Neumann
 
Ausrüstung der Schulsanitäter
 
Graffiti-Projekt der APMSG mit die Bunten e.V.
 
Lichtinstallation "Kunst am Bau"
 
U-18-Wahl
 
Stolpersteinverlegung für Anna und Josef Pröll
Ein Schuljahr an der Anna-Pröll-Mittelschule, in dem nicht Projekte, Ausflüge, Praktika und Erkundungen im Mittelpunkt standen – sondern ein Schuljahr, in dem sich alles um Hygienepläne, Masken- und Testpflicht, Distanz- und Wechselunterricht drehte. Unterricht per Video-Konferenz, Zusendung von Arbeitsblättern per Post, Kommunikation über teams, am Telefon oder auf dem Parkplatz. Keine leichte Aufgabe für Eltern, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und die gesamte Schulfamilie.

Mit Hilfe des Systembetreuers Simon Drüssler und seinem Team konnten über 200 Leihgeräte (Ipads und Laptops) an Schülerinnen und Schüler verteilt werden, die nicht so gut ausgestattet waren. Die Schüler-Lehrer- und Elternschaft arbeitete sich in teams ein und meisterte online-Konferenzen, Sprechstunden, Elternabende oder Infoveranstaltungen, z.B. zur Berufswahl.

Sigrid Puschner blickt zurück: „Ein Schuljahr, das ganz anders verlief als alle anderen vorher, ein Schuljahr, in dem das Schulleben in den Hintergrund treten musste, ein Schuljahr, in dem es keine Abschlussfahrt und kein Schullandheim gab. Trotzdem sollten wir zuversichtlich in die Zukunft schauen, das, was uns stark macht mitnehmen und uns auf einen Neuanfang freuen.“

Dennoch versuchte die Schulfamilie der Anna-Pröll-Mittelschule das Beste aus diesen nicht ganz einfachen Schuljahren zu machen:

Stimmen unserer Schülerinnen und Schüler über ihr Corona-Jahr
Eine Schülerin der 6. Klasse berichtet aus ihrem Corona-Jahr: „Ich verbrachte sehr viel Zeit Zuhause. Für die Schule habe ich mehr gelernt als in einem „normalen“ Schuljahr. In meinen Pausen habe ich Musik gehört und dazu getanzt und gesungen. Besonders war, dass ich das ABC auf Gebärdensprache gelernt habe.“
Ein anderer Schüler schreibt: „Ich will unbedingt meine Familie und Freunde wieder sehen. Sie sind mir sehr wichtig und ich vermisse sie.“
Die 7. Klassen der Anna-Pröll-Mittelschule äußerten sich zu den schönen Seiten des Distanzunterrichts – denn von den Schwierigkeiten und Herausforderungen war überall genug zu lesen! Ein Schüler stellte fest: „Ich fand gut, dass ich meine Arbeitszeit und Pausen selbst einteilen konnte“, ein anderer: „Man konnte nichts Zuhause vergessen, weil man eh Zuhause ist.“. Mit einem Schmunzeln blicken zwei Schülerinnen und Schüler zurück: „Was ich auf jeden Fall vermissen werde ist: gemütlich im Schlafanzug am Unterricht teilzunehmen. Und ich fand gut, dass es die Möglichkeit gab, sich in Ruhe mit seinen Aufgaben auseinanderzusetzen“.

Kreatives Schreiben zur Corona-Zeit
Eine Schülerin der 8. Jahrgangsstufe machte sich Gedanken über die Auswirkungen und Folgen der noch nie dagewesenen Situation für Kinder und Jugendliche: „Die Corona-Zeit hat mir gezeigt, dass gesund zu sein, eine gesunde Familie zu haben und in einem sicheren Gesundheitssystem zu leben ein Privileg ist, wofür ich dankbar sein kann. In dieser Zeit habe ich gemerkt, wie sehr ein Virus den Alltag aller Menschen verändern kann und das leider meist im negativen Sinn. Wenn ich an das letzte Jahr und die sowohl wirtschaftlichen als auch sozialen Folgen zurückdenke, bin ich sehr dankbar, dass meine Familie weitestgehend verschont geblieben ist. Allen Ärzten, Pflegern und jedem, der in dieser Situation geholfen hat, sollte man viel mehr Dankbarkeit und Respekt entgegenbringen. Ich bin außerdem dankbar dafür, hier in Deutschland zu leben und nicht wie die meisten meiner Verwandten im Iran, denn dieses Land war auf eine solch große Pandemie nicht eingestellt. Ich glaube, die Denkweise von vielen Menschen hat sich in dieser Zeit sehr verändert. Viele haben mehr Dankbarkeit und Wertschätzung gelernt und erhalten, ich finde das ist ein positiver Aspekt der Coronasituation.“

Zusammenschnitt der Leserbriefe zum Thema „Seid ihr fit für die Prüfungen trotz Corona?"
Ein Schüler der 10. Klasse antwortete in seinem Leserbrief: „Ich finde, dass ich durch das Distanzlernen nicht schlechter lerne als in der Schule. Ich bin der Meinung, dass ich mich Zuhause besser konzentrieren kann und den Stoff besser verstehe. Zum Beispiel kann ich mir ergänzend zu einem Thema Zuhause einen oder mehrere Youtube-Videos ansehen (…) Allerdings finde ich auch, dass jeder Schüler viel Selbstdisziplin braucht, um sich seine Aufgaben gut einzuteilen und wenn man etwas nicht versteht, selbstständig daran zu üben. Wer das nicht macht, wird sich auch nicht gut vorbereitet fühlen. Ich finde die Unterstützung der Schulen sehr gut. Ich habe einen Leihlaptop zum Lernen bekommen. In den Weihnachtsferien habe ich festgestellt, dass es mit den vorhandenen Laptops eng wird, da mein Bruder auch von Zuhause aus lernen muss und meine Mutter ihren PC selbst benötigt. Daraufhin habe ich gefragt, ob ich mir einen Laptop leihen könnte. Nach zwei Tagen konnte ich mir dann einen von der Schule abholen. Ich finde das Distanzlernen angenehm und finde es schade, wieder in den Wechselunterricht zu gehen. Ich wäre gerne noch etwas länger im Homeschooling geblieben“.
Ein weiterer Schüler der 10. Klasse berichtete ebenfalls über seine Einschätzung: „Meiner Meinung nach sind wir Schüler gut für die anstehenden Prüfungen vorbereitet. Das liegt zum einen daran, dass sich die Lehrer viel Mühe geben, uns alles, so gut wie momentan möglich, über das Internet zu erklären. Das funktioniert ziemlich gut, da beispielsweise die Videochats flüssig laufen und die Lehrer gegebenenfalls ihren Bildschirm zeigen können, um uns Lernstoff zu veranschaulichen. Zum anderen bekommen wir genügend Aufgaben von unseren Lehrern. Wir können auch mit verschiedenen Prüfungsformen, Quiz bei teams oder ähnlichem unser Wissen testen. Persönlich fühle ich mich sehr gut auf die Prüfungen vorbereitet.“

Gedanken, Gefühle und Ängste unserer Schülerinnen und Schüler
Gedanken…Wie geht es Oma? – Wird es ein Leben nach Corona oder mit Corona geben? – Warum gibt es Menschen, die dieses Virus leugnen? – Wie war es vor Corona? – Können wir das Homeschooling nach Corona trotzdem einführen? – Was denken die anderen über Corona?
Gefühle…Stress – Motivation – Wut – Erleichterung – selbstbewusst – verärgert – glücklich – müde – hellwach (meistens morgens oder abends) – depressiv
Angst…Existenzängste – vor allem Tod (nicht mein Tod) – um meine Mitmenschen – das Virus zu bekommen – um Musiker und Künstler – um Geld und Arbeit – Schulden
Veränderungen…das Klima erholt sich – man hat mehr Zeit für sich – Wertschätzung für Ärzte – weniger Egoismus – gesellschaftlicher Zusammenhalt – mehr Gelegenheit zum Nachdenken

Obwohl sich die gesamte Schulfamilie mit ihrer Lehrerschaft, Schülerschaft und allen Beteiligten im Lock-Down oder herausfordernden Wechselunterricht befand, gelang es unseren engagierten Lehrkräften gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern einige großartige und erfolgreiche Projekte zu verwirklichen. Diese können und wollen wir hier natürlich nicht vorenthalten!

„Politik – aber geil!“

Noch vor dem ersten Schul-Lockdown haben die Schülerinnen und Schüler der damaligen M8 der Anna-Pröll-Mittelschule (APMSG) mit Unterstützung ihrer beiden Klassleiter Stefan Kauer und Simon Drüssler am Finanztuber-Wettbewerb teilgenommen. „Das war selbstverständlich! Wir mussten unseren Doppelsieg aus dem Vorjahr verteidigen.“ so Drüssler schmunzelnd. Am Projekttag selbst schrieben die Jugendlichen Drehbücher zum Thema Geld und Finanzen, arbeiteten sich in Videoprogramme ein, erweiterten ihre fachlichen Horizonte und schauspielerischen Leistungen vor dem Green Screen und lernten zudem im Team zusammenzuarbeiten. „Dies sind wichtige Kompetenzen, die die Kinder an solch einem Tag lernen“ merkte Stefan Kauer an. Ihr Eifer und ihr Engagement wurden belohnt. Sie konnten sich gegen ein Teilnehmerfeld, das aus knapp 200 Kindern und Jugendlichen aus dem gesamten Bundesgebiet bestand, durchsetzen und sicherten sich einen hervorragenden dritten Platz. Dies beinhaltete ein Preisgeld für die Klassenkasse sowie den Besuch des YouTube Creators Marvin Neumann.
Marvin Neumann berichtet auf seinem YouTube-Kanal „Marvin Neumann – Politik – Aber Geil“ Woche für Woche über brisante politische Themen und interviewt hochrangige Politiker wie beispielsweise Olaf Scholz, Christian Lindner oder Sahra Wagenknecht. Somit präsentiert er vermeintlich fade, politische Themen unterhaltsam und kompakt.

Anna-Pröll-Mittelschule stellt Landkreisschülersprecher

Max Ammer wurde mit großer Mehrheit zum Landkreisschülersprecher gewählt. Damit vertrat er nun nicht mehr nur die Belange der Schüler und Schülerinnen der Anna-Pröll-Mittelschule Gersthofen, sondern aller Mittelschulen des Landkreises Augsburg. Gemeinsam mit den anderen Stadt- und Landkreisschülersprechern wird er an der Bezirksaussprachetagung mit Wahl der Bezirksschülersprecherinnen und -sprecher teilnehmen.

Fair-Trade trotz Corona
Voller Stolz können wir trotz Lockdown, Schulschließung und Wechselunterricht sagen: Wir sind Fair-Trade-Schule! Unsere Anna-Pröll-Mittelschule Gersthofen beteiligt sich an der Kampagne „Fairtrade-Schools“ des gemeinnützigen Vereins TransFair und besitzt seit 2020 den offiziellen Status „Fairtrade-School“.
Mit der Auszeichnung zur „Fairtrade-School“ bestätigen wir unser Engagement für den fairen Handel und leisten einen Beitrag zur Nachhaltigkeit in unserer Lebenswelt.
Durch das Fairhandelsengagement möchte unsere Schule sich im Rahmen der Fairtrade Kampagne aktiv beteiligen. Im Unterricht und über den Unterricht hinaus arbeitet die Lehrer- und Schülerschaft an einem realen Bild von fairen Produkten und den dazugehörigen Aspekten. So sind wir beispielsweise aktives Mitglied der Steuerungsgruppe Fairtrade Town Gersthofen und gestalten so auch den Alltag in unserer Stadt aktiv mit.

Schulsanitäter
Seit dem Schuljahr 2017/18 gibt es an der Anna-Pröll-Mittelschule Gersthofen einen Schulsanitätsdienst in Form einer Arbeitsgemeinschaft. In Kooperation mit dem Malteser Hilfsdienst wurden interessierte Schülerinnen und Schüler in einem Erste-Hilfe-Kurs ausgebildet und übernehmen seither am Schulvormittag den Bereitschaftsdienst. Zusätzlich sind die Schulsanitäter während Schulveranstaltungen, wie z. B. an Fußballturnieren, am Sportfest oder den Bundesjungendspielen im Einsatz.
In regelmäßigen Abständen treffen sich die Schulsanitäter, um Einsätze im Nachhinein zu besprechen und die Erste Hilfe Inhalte zu trainieren, zu üben und zu wiederholen. Durch die Arbeitsgemeinschaft werden bei den Schülerinnen und Schülern das Verantwortungsbewusstsein und die Hilfsbereitschaft gefördert. Des Weiteren werden Werte wie Mitmenschlichkeit, Empathie, Teamfähigkeit und soziales Engagement vermittelt.

Der einzige Schutz vor der Sucht: Das „Nicht Anfangen“
„Die jungen Konsumenten von heute sind die Süchtigen von morgen“. Manchem Tabakkonzern haben Marketingkonzepte wie dieses schon Gerichtsverfahren und Geldstrafen beschert, riskieren sie doch die Gesundheit und das Leben der Raucher weltweit. Im Falle öffentlicher, legaler Firmen hat die staatliche Gesundheitsfürsorge noch Möglichkeiten, schützend einzugreifen. Doch im Verborgenen brodeln die Drogenküchen illegaler Produzenten weitaus gefährlicherer Suchtmittel. Deren Konsumenten sind keine fröhlichen, gut gelaunten Menschen aus bunten Werbejingles. Meist im Verborgenen gleiten Drogensüchtige in die oft tödliche Abhängigkeit und in den Ruin. Der Fall zweier Jugendlicher aus dem Augsburger Landkreis bestätigte im Sommer diese traurige Realität.
Um junge Menschen auf die Gefahren der Drogensucht aufmerksam zu machen, hatte die Anna-Pröll-Mittelschule zu einer Vortragsreihe geladen. Zu Gast ein ehemaliger Drogenkonsument, der Nürnberger Dominik Forster. Schon einige Jahre berichtet dieser in Videoclips in den sozialen Netzwerken von seinem Weg in die Sucht und wieder heraus. Mit ehrlichen Worten und der ungeschönten Wahrheit ließ er vor den Schülerinnen und Schülern seinen Lebensweg Revue passieren. Ein Weg vom ganz normalen Jungen, der eigentlich nur Fußballspielen wollte, über die Sucht, verübte Straftaten, Gefängnisstrafen und die Stunden des Entzugs. „Ich hätte auch sterben können“, so Forster „aber ich habe überlebt. Ich denke, ich habe es darum geschafft, damit ich nun hier stehen und versuchen kann, euch von den Drogen fernzuhalten“. Der Weg in die Sucht geschehe, so der Nürnberger, nicht von heute auf morgen. Man stehe nicht morgens auf und sagt, ab heute bin ich süchtig. Ein sehr schwerer Unfall in seiner Kindheit sei bei ihm der Auslöser gewesen. Gepaart mit den Problemen seiner Eltern, die nach außen gut gelaunt und „cool“ gewesen seien, ihre Sorgen und Nöte aber auch mit Suchtmitteln zu verbergen versuchten. „Wenn man das erste Mal Drogen nimmt, ist man ganz oben, alles fühlt sich toll an, man vergisst seine Realität. Wenn die Wirkung nachlässt, ist man am Boden, fix und fertig, wie tot“, beschrieb Forster seine Erfahrung. „Man versucht, durch erneuten Konsum wieder den Höhenflug vom Anfang zu erreichten, das gelingt aber nie wieder, auch nicht, wenn man immer mehr und immer stärkeren Stoff nimmt“. Am Ende liege man tot am Boden, total zerstört und fertig, so der Referent. Nachdenklich nahmen die Schülerinnen und Schüler den Inhalt des Vortrags auf, interessierte und differenzierte Fragen schlossen sich an den Vortrag an. Wie nun lasse sich das Abgleiten in die Drogensucht verhindern? Hätten die Versuche von Freunden, ihm zu helfen, irgendetwas genutzt, so eine Frage? Nein, er habe in dieser Zeit auf niemanden gehört, so Forsters ehrliche Antwort. Der einzige Schutz vor der Sucht: Das „Nicht Anfangen“.

Sprayen mit den Bunten e.V.

Ein besonderes Projekt wartete auf die Schülerinnen und Schüler nach der anstrengenden und eintönigen Lockdown-Zeit: Graffitis sprayen mit den Bunten e.V.! Kunstobjekt war die Fußgängerunterführung der Autobahnbrücke. „Nun sind die Wände wieder schön anzusehen!“ resümieren die Künstlerinnen und Künstler, „es macht wieder Spaß durch die Unterführung zu gehen und man bleibt gerne stehen.“.
Die Bildsprache der Graffitis kennt keine Grenzen. Die Mottos sind Freizeit, Weltall, die 80er und 90er Jahre, Hip-Hop, Mode, die Anime-Welt, Essen und Games. Aber auch Themen aus Gersthofen kamen zur Geltung, wie z.B. der beliebte Skatepark und Sport. Ein Schüler der 7. Klasse war begeistert: "So ein cooles Projekt. Mal ganz was anderes." Die beteiligten Klassen waren sich einig: "So macht Kunstunterricht richtig Spaß."

Kunst am Bau – ein strahlender Lichtblick
"Dem Guten, Wahren und Schönen" - diese Worte aus der Bayerischen Verfassung schmücken schon aus der Ferne sichtbar die Anna-Pröll-Mittelschule, leuchten in der Dämmerung stolz in roter Farbe. In der Handschrift von Anna Pröll, der Augsburger Widerstandskämpferin in der Zeit des Nationalsozialismus und Namensgeberin der Schule. Das letzte Wort befindet sich direkt über dem Eingang, die Idee: Die Schülerinnen und Schüler sollen, wenn sie morgens zum Unterricht erscheinen, erst das Schöne sehen. Der Text „Dem Guten, Wahren und Schönen", entnommen aus der Bayerischen Verfassung, hat das Ziel, die Diskussion und Auseinandersetzung zu fördern, die besonders an der Schule mit der Erziehung der jungen Menschen zu selbstständigen, kritischen Erwachsenen stattfinden.

U-18-Wahl an der Anna-Pröll-Mittelschule
Dieses Jahr fand die U18-Bundestagswahl neun Tage vor der regulären Wahl statt. Dabei konnten alle Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren aus Gersthofen und den Nachbargemeinden ihre Stimme wie bei der regulären Bundestagswahl im Jugge, im JUZE oder an der Anna-Pröll-Mittelschule abgeben.
Die selbstbestimmte Meinungsbildung, eine kritische Auseinandersetzung mit dem politischen System und den verschiedenen Parteien gilt als Herzstück der Initiative. Die U18-Wahl animiert Kinder und Jugendliche sich mit der Wahl im Allgemeinen auseinanderzusetzen, demokratische Grundprinzipien kennenzulernen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Dabei werden im privaten und schulischen Kontext Parteiprogramme hinterfragt, verglichen und bewertet, damit eine selbstständige und selbstbestimmte Wahlentscheidung von den Kindern und Jugendlichen getroffen werden kann. In den jeweiligen Wahllokalen konnten die Kinder und Jugendlichen die Wahlzettel in selbstgestaltete Wahlurnen einwerfen. Diese wurden von den Schülerinnen und Schülern der VOR1 der Anna-Pröll-Mittelschule unter der Leitung von Maximilian Lang und Simon Drüssler (Initiatoren und Organisatoren der U-18-Wahl an der APMSG) selbstständig entworfen.

Europa-Urkunde für die Anna-Pröll-Mittelschule
„Wir arbeiten schon mehr als zehn Jahre europäisch - und haben seit der Anfangszeit mit einigen Schulen immer noch Kontakt, zum Beispiel mit Island. Für Schüler ist das sehr interessant, weil es unter anderem Austauschfahrten gibt." zeigte sich unsere Schulleitung Frau Puschner stolz. Damit der Gedanke an Europa nicht nur abstrakt bleibt, pflegt das Team auch Kontakte zur Politik. „Die Schüler brauchen das. So sind wir beispielsweise immer wieder mit dem Europaabgeordneten Markus Ferber in Berlin in Kontakt", so Puschner weiter. Einen Rückschlag haben die Europaprojekte erlitten, weil coronabedingt nahezu zwei Jahre keine Reisen, zum Beispiel zur isländischen Partnerschule in Saudarkrokur, mehr möglich waren. „Der europäische Gedanke sagt aus, dass wir vielfältig sind", so unser Gast Melanie Huml. Sie verwies dabei auf die zahlreichen Comenius- und später Erasmus-Projekte mit Schulen im europäischen Ausland, welche die Anna-Pröll-Mittelschule bereits durchgeführt hat. „Für dieses Engagement bekommt ihr die Auszeichnung", so die Ministerin. Sie motivierte die Schülerinnen und Schüler, sich weiter für ein vereintes Europa einzusetzen. „Es hat Jahrzehnte und sehr viel Kraftanstrengung gekostet, um dieses Europa als Friedensgarant und Wertegemeinschaft zu schaffen. Wir können stolz sein auf diese Erfolgsgeschichte."

Stolpersteinverlegung für Anna und Josef Pröll
Ein weitere Besonderheit ließ im neuen Schuljahr 2021/2022 nicht lange auf sich warten. Gunter Demnig kündigte sich für Oktober zu Stolpersteinverlegung in Gedenken an Anna und Josef Pröll an. Er reiste nach Gersthofen, um die gravierten Steine mit eigenen Händen auf dem Schulgelände zu verlegen. Er setzt dadurch seit 1996 ein Zeichen zur Erinnerung an Opfer aus der Zeit des Nationalsozialismus.
Die Auswirkungen des nationalsozialistischen Terrors, die bis heute Bestandteil der Familien von Verfolgten aller Opfergruppen sind, werden am Beispiel der Familie Pröll deutlich.
Frau Sigrid Puschner, Rektorin der Anna-Pröll-Mittelschule in Gersthofen, über die Namenspatronin: „Anna Pröll hat einen besonderen Bezug, zu Schule und Bildung im Allgemeinen, und zu unserer Schule und Gersthofen im Besonderen:
Bis ins hohe Alter war sie unterwegs in Schulen und Bildungseinrichtungen, um die Jugend, die Schülerinnen und Schüler als Zeitzeugin für Frieden, Toleranz und Demokratie zu sensibilisieren, mit ihnen in Dialog zu gehen, nie mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Empathie und warmherziger Bescheidenheit.“
In seiner Rede zur feierlichen Namensgebung sprach Josef Pröll, Sohn von Anna und Josef Pröll: „Wir wissen heute alle: die Grundlagen zu Meinungsbildern, zum Rechtsextremismus, der grundlegende Umgang zwischen uns Menschen, zwischen den Geschlechtern, der Gleichberechtigung und einer menschlichen oder unmenschlichen Sprache - diese Grundlagen werden zuerst in der Familie geschaffen. Hier ist der Ansatz, hier entscheidet sich das Verhalten für das weitere Leben. Die Schule kann einen ergänzenden Beitrag dazu leisten. Die Schulfamilie ist also die nächste Stufe die Verantwortung trägt. Aber wir, als Gesellschaft insgesamt entscheiden letztendlich, mit unseren Kindern gemeinsam, wie die Zukunft unseres Landes gestaltet wird und aussehen soll.“
Diese Gedenksteine erinnern an das Schicksal von Anna und Josef Pröll, die in der Zeit des Nationalsozialismus schlimme Erfahrungen machen mussten. Ein Schwerpunkt dieser Verlegung dabei ist die Einbindung der Schülerinnen und Schüler der Anna-Pröll-Mittelschule in das Projekt, um die Kultur der Erinnerung anschaulich zu machen und konkret umzusetzen.

Im Jahresbericht 2020/2021 schreibt Frau Puschner in ihrem Schlusswort: „Gemäß dem Spruch von Albert Einstein: „Denken müssen wir ja sowieso. Warum dann nicht gleich positiv?“ – wollen wir also zuversichtlich in das neue Schuljahr gehen!
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