Deutschlands rätselhaftester Mordfall stammt aus unserer Region

Ein Marterl ist das Einzige, was nahe Schrobenhausen heute noch an dieses unheimliche Verbrechen erinnert, denn das Anwesen wurde bereits ein Jahr nach der Tat abgerissen, da niemand mehr in diesen Mauern leben wollte.

Vor über 80 Jahren wurden auf dem Einödhof Hinterkaifeck sechs Menschen brutal ermordet. Da wohl im Stall eine Kuh brüllte, rannte einer nach dem anderen hinaus, um nach dem Tier zu sehen. Doch der Stall war die Endstation für die Bauersleute, die Tochter und ein Enkelkind. Hier lauerte ihr Mörder. Die Magd fand man tot in der Kammer, das Kleinkind erschlagen im Stubenwagen. Erst vier Tage nach dem Mord wurden die Leichen, die von den Tätern sorgsam zugedeckt worden waren, entdeckt.

Bei der damaligen Obduktion werden, auf einem provisorischen Seziertisch auf dem Hof, sogar allen sechs Leichen die Köpfe abgetrennt .Die Münchener Polizeiführung neigt in jenen Jahren okkulten Kreisen zu, im Zusammenhang mit der Aufklärung von Fememorden im rechtsextremistischen Milieu werden Hellseherinnen eingeschaltet. Auch im Fall Hinterkaifeck organisiert die desorientierte Polizei eine Séance. In Nürnberg befassen sich zwei weibliche Medien mit den Köpfen der Leichen. Die sechs Köpfe verlieren sich später irgendwo in den Wirren der Weimarer Republik und den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs.

Die Polizei stellt 1922 für die Ergreifung der Täter die damals geradezu atemberaubende Summe von 100 000 Mark in Aussicht. Die unterschiedlichsten Spuren werden dabei verfolgt. Wahrscheinlich haben die Täter sogar tagelang auf einem Dachboden des großen Einödhofs gehaust, um ihre Opfer zu beobachten. Dafür gibt es mehrere Spuren. Sicher ist hingegen, daß der oder die Täter nach den Morden noch auf dem Hof gegessen und das Vieh versorgt haben. Ziemlich sicher ist, daß der Fall Hinterkaifeck kein Raubmord war, wie die Polizei lange angenommen hat. Die Grubers waren für ihre Zeit ausgesprochen reiche Leute. Die Täter ließen aber große Geldsummen unangetastet.

Was aber war nun das Motiv für diese schreckliche Tat oder gab es Vorzeichen die man hätte erkennen können?

Einen Tag vor der Tat machte der Bauer noch selbst eine seltsame Entdeckung. Im Schnee führten Fußspuren vom Wald zu seinem einsamen Hof hin - eine vom Haus wegführende Spur konnte er aber nicht entdecken. Der Bauer erzählte zwar zwei Nachbarn von seiner Beobachtung, die Gendarmerie schaltete er aber nicht ein. Auch gab es immer wieder Einbruchspuren auf dem Hof. Es tauchten Zeitungen auf, die in dieser Gegend gar nicht zu kaufen waren und schließlich fehlte sogar der einzige Hausschlüssel. Ein halbes Jahr vor der Tat kündigte die damalige Magd, weil ihr die Situation unerträglich geworden war. Sie erzählte, dass es auf dem Hof spuke.

Heute ist der ehemalige Tatort ein blanker Acker, in dessen Nähe nur noch ein Marterl ("Gottloser Mörderhand fielen zum Opfer") an das Verbrechen erinnert. Die sechs kopflosen Opfer sind auf dem Friedhof in Waidhofen beigesetzt. Auf dem Grabstein stehen nur zwei knappe Sätze aus dem neunten Psalm: "Der Herr gedenket als Bluträcher ihrer. Vergisst nicht das Geschrei der Armen."

Interessierten sei an an dieser Stelle das Buch "Hinterkaifeck - Der Mordfall" von Peter Leuschner empfohlen.

Bürgerreporter:in:

Alexander Hagl aus Augsburg

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