Ohne Gift und ohne Strom - Holznasslager konservieren auf natürliche Weise

Forstleute aus ganz Bayern konnte die Nasslagerbeauftragte der bayerischen Staatsforsten Sandra Fischer und der Leiter des Forstbetriebs Waldsassen Gerhard Schneider (beide im Bildervordergrund) zu einer Fortbildungsveranstaltung im Steinwald begrüßen.
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  • Forstleute aus ganz Bayern konnte die Nasslagerbeauftragte der bayerischen Staatsforsten Sandra Fischer und der Leiter des Forstbetriebs Waldsassen Gerhard Schneider (beide im Bildervordergrund) zu einer Fortbildungsveranstaltung im Steinwald begrüßen.
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Erbendorf. Extrem-Unwetter wie das Orkantief „Kyrill“ sorgen in den bayerischen Wäldern immer wieder für Windwurf. Doch wohin in einem solchen Katastrophenfall mit dem vielen Holz. Die Märkte können die riesigen Mengen gar nicht auf einmal aufnehmen. Im Bereich des Forstbetriebs Waldsassen, zu dem auch der Steinwald gehört, setzt man schon lange auf die sogenannte Naßholzlagerung. Die Stämme werden zu großen Poltern zusammengefasst die künstlich beregnet werden. So soll das Holz solange konserviert werden, bis es verkauft werden kann. Die Erfahrungen die die Forstleute aus dem Steinwald mit dieser innovativen und gleichzeitig sehr naturnahen Holzlagerung machten, gaben sie nun bei einer Fortbildung an Kolleginnen und Kollegen aus ganz Bayern weiter.

Dazu konnte die Teilbereichsleiterin Holz, Sabine Bichlmaier sowie die Nasslagerbeauftragte der bayerischen Staatsforsten Sandra Fischer und der Leiter des Forstbetriebs Waldsassen Gerhard Schneider, Forstleute aus ganz Bayern im Steinwald begrüßen.

Unser Holz ist ein sehr wertvoller Rohstoff, der aber auch leider sehr schnell Qualitätsverluste erfahren kann, so Forstbetriebsleiter Gerhard Schneider. Diese Qualitätsverluste sind insbesondere dann besonders schmerzlich, wenn größere Holzmengen in kürzester Zeit von den Sägewerken verarbeitet werden sollen. Daher haben sich die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) entschlossen entsprechende Nasslagerkapazitäten für den Katastrophenfall vorzuhalten und aufzubauen. So sind seit Kyrill in ganz Bayern Rundholz-Lagerkapazitäten für rund 1 Million Festmeter geschaffen worden. Im Steinwald sind bereits vor mehreren Jahren zwei Lagerplätze in Zusammenarbeit mit der Firma Ziegler, Holzindustrie, mit jeweils 10.000 Festmeter Kapazität angelegt worden. Mit diesen Nasslagerplätzen ist der Forstbetrieb in der Lage wertvolles Rundholz ohne Qualitätsverluste einzulagern. Das dafür benötige Wasser ist in genügender Menge vorhanden und gewährleistet eine Komplettberegnung vom Frühjahr bis in den Herbst, so Forstwirtschaftsmeister Siegfried Schwarzbauer. Das Wasser für die Beregnungsanlage wird aus einem natürlichen Bachlauf in ein Staubecken abgeleitet, über ein ausgeklügeltes Rohrleitungssystem der Beregnungsanlage zugeführt und dann anschließend über natürliches Ablaufen und Versickern wiederum dem Bach zugeleitet.

Das Besondere an den Steinwaldlagerplätzen liegt darin, dass hier eine reine Schwerkraftanlage (ohne elektrischen Strom betrieben) den gesamten Beregnungsplatz versorgt. Selbstverständlich sind auch keine chemischen Zusatzstoffe in diesen Kreislauf eingebaut. Diese Beregnungsanlagen sind die einfachste und natürlichste Form von Holzschutz und Qualitätserhaltung.

Bei der Fortbildung ging es in erster Linie darum, die praktischen Erfahrungen bei Bau und Betrieb einer solchen Beregnungsanlage mit den zuständigen Kolleginnen und Kollegen der anderen Forstbetriebe zu diskutieren und weiter zu geben. Ein fachkundiger Fahrer der Firma Wurm demonstrierte anschließend eindrucksvoll wie ein sachgerechtes Lagern der Langhölzer vom Lkw aus gemacht wird. Forstwirt Alois Besold erläuterte sehr anschaulich die wichtigsten Unterhaltsmaßnahmen an der Beregnungsanlage. Gleichzeitig wurden hier auch Aspekte der Gefährdung beim Besteigen dieser glitschigen Nasslagerpolter eingehend besprochen.

Die Bayerischen Staatsforsten erwarten sich von dieser Fortbildung einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung eines qualitativ hochwertigen Lagerbetriebes, so Sabine Bichlmaier, Teilbereichsleiterin Holz von der Bayerischen Staatsforsten. Mit Einbeziehung eines gut organisierten Nasslagerbetriebes wird es in Zukunft besser möglich sein, -nach Katastrophensituationen- einen rasanten Wertverlust unseres Rundholzes zu vermeiden.

Hintergrund:
Der Forstbetrieb Waldsassen bewirtschaftet mit seinen 61 Beschäftigten rund 23000 Hektar Wald in 10 Forstrevieren der nördlichen Oberpfalz und des südöstlichen Oberfrankens. Jährlich werden rund 165.000 Kubikmeter Holz geerntet. Neben dem Hauptprodukt Bauholz und Industrieholz werden ca. 10 Prozent als Brenn- und Rechtholz genutzt. Der Waldumbau, vor dem Hintergrund des Klimawandels, stellt einen Aufgabenschwerpunkt am Forstbetrieb dar. Jährlich pflanzt der Forstbetrieb ca. 100 Hektar Mischbaumarten wie Buche, Ahorn, Esche, Douglasie und Tanne. Alle forstbetrieblichen Arbeiten basieren auf der Idee der Nachhaltigen und Naturnahen Forstwirtschaft. Sie ermöglicht das Miteinander von Holznutzung, Naturschutz und Erholung. Neben ca. 700 Kilometern Forstwegen, die auch als Rad- und Wanderwege sehr gut geeignet sind, findet man in den Wäldern zahlreiche Erholungs- und Naturschutzschwerpunkte. Das Bundesnaturschutzgroßprojekt Waldnaabaue und der Naturpark Steinwald im Westen des Forstbetriebes laden zu interessanten und abwechslungsreichen Besuchen ein.

Bürgerreporter:in:

OberpfalzBild.de - Die Online-Bildagentur aus Erbendorf

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