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ABSI 2019: „Klimawandel stoppen – es ist höchste Zeit, legen wir los!“

Fridays for Rosenheim
   
Die Entwicklung der deutschen Energiepolitik-von 1,5 Grad-Ziel keine Spur!
 
Vertreter der Bürgerinitiativen Donau-Lech mit Prof. Quaschning
 
...auch darüber sollten wir ehrlicherweise einmal nachdenken
Unter diesem Motto war der ABSI-Kongreß -der bayerischen und österreichischen Solarinitiativen 2019 in Rosenheim gestartet.
An 2 Vortragstagen waren weit mehr Zuhörer gekommen als erwartet. Über 500 Menschen hatten sich aus den versch. Regionen aufgemacht, um sich zu informieren, zu motivieren und Gleichgesinnte zu treffen. 
Auch wir als Bürgerinitiativen Lech-Donau, gegen den Bau von unnötigen HGÜ-Monstertrassen und für eine möglichst dezentrale Bürgerenergiewende mit 100% Erneuerbaren Energien, waren mit 5 Vertretern angereist. Eigentlich wollten wir zusammen mit der Bahn fahren, doch durch einen Oberleitungsschaden mußten wir kurzfristig leider umdisponieren.
Wie auch schon das letzte ABSI-Treffen, war auch das diesjährige mit hochkarätigen Referenten besetzt. 

Das für mich Wichtigste kurz und knapp zusammengefaßt:

1. Prof. Dr. Kaser (Uni Innsbruck): Sein Tenor lautete: Es ist 20 Sekunden vor 12. Sein Vortragstitel bezog sich auf die Klimakonferenz:Der SR1,5-ein kleines aber das wohl wichtigste IPCC-Produkt. Dies bedeutet, dass eine Begrenzung auf 1,5 Grad erforderlich ist, um unumkehrbare Klimaveränderungen mit bereits verheerenden Folgen zu vermeiden. Wenn wir so weitermachen wie bisher, prognostiziert er eine Temperaturerhöhung um 5-6 Grad bis 2100!

2. Prof. Dr. Wolfgang Seiler (ehem. Direktor des Fraunhofer Instituts für atm. Umweltforschung Garmisch): Ein weiterer Klimawandel für die nächsten 30-50 Jahre ist nicht mehr vermeidbar. Als wesentliche Gründe nannte er die zeitliche Verzögerung des Temperaturanstiegs (mehr als 30 Jahre) und der atmosphärischen CO2 Konzentration (mehrere hundert Jahre) gegenüber den CO2 Emissionen. Ein weiterer Beschleuniger des Klimawandels sind sog. Rückkopplungen:Auftauen von Permafrostböden, Versauerung des Ozeanwassers, abnehmende Photosyntheseraten, höhere Mineralisierungsraten in Böden aufgrund steigender Bodentemperaturen, Rückgang des Regenwalds und borealer Waldflächen, steigende Methanemissionen durch thermischen Zerfall im Sediment der Ozeane, Änderung des Seeeis/Albedo Effekts und Verstärkung des El Nino. Die gesamte Wirkung dieser untersuchten biologischen Rückkopplungsmechanismen wird bei einer Begrenzung des Klimawandels auf +2 Grad bis 2100 auf größer 0,5 Grad geschätzt. Der Anstieg des Meerespiegels um "nur" einen Meter hätte katastrophale Folgen: Global leben derzeit 300 Millionen Menschen auf einer Fläche mit weniger als 1 Meter über dem Meeresspiegel. Auch der Verlust von fruchtbarem Boden, bei gleichzeitig wachsender Bevölkerung gab zum Nachdenken. Beim 1,5 Grad Ziel hätte Deutschland noch ein CO2 Budget von ca. max. 8 Milliarden Tonnen. Dies wäre in weniger als 11 Jahren (2029) verbraucht. Das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung entspricht bei Weitem nicht den gestellten Anforderungen. Die Energiewende ist nur zu schaffen, wenn wir umfassend und sofort handeln! Für seinen grandiosen Vortrag, den er im Sitzen hielt, weil er erst kürzlich einen Schlaganfall erlitten hatte, erhielt er schallenden Applaus und Standing ovation!

3. Prof. Dr. Bruno Burger (Fraunhofer ISE, Freiburg): Diesen Namen sollte man sich merken. Er stellte in seinem Vortrag die Energy Charts live am Computer vor. Mit dieser kostenlosen Webseite kann man wichtige Statistiken bezüglich des Energiemarktes generieren. So konnte man genau erkennen, ab wann der "Altmaier-Knick" die Solarwirtschaft abgewürgt hat und wieviel exportierter Strom in welche Länder geflossen ist. Zudem gibt es Kraftwerkskarten, Börsenstrompreise, Stromproduktion, Stromerzeugung und installierte Leistung. Födergelder für diese hochprofessionelle Seite gab es von Regierungsseite leider nie. Umso ehrenwerter ist es, dass all diese aktuellen Daten in ehrenamtlicher Arbeit von den Wissenschaftlern eingepflegt werden. Da kann man nur den Hut ziehen und ein herzliches "Dankeschön" sagen!

4. Prof. Dr. Volker Quaschning (HWT Berlin): Er schafft es wie kein Anderer die Massen zu motivieren. Auch er zeigte in seinen Statistiken, dass die "Bemühungen" der Bundesrepublik in keinster Weise mit den Klimazielen von Paris zu vereinbaren sind. Eine Gegenüberstellung der Kohlendioxidemissionen von Amerika, bescherte sogar der Trumpregierung einen besseren Platz als Deutschland. Was müssen wir also tun? Abschied von der Öl-und Gasheizung bis 2020, 100% EE-Strom bis spätestens 2040, Abschied von Benzin und Dieselmotor bis 2025, Ausbau einer Ladeinfrastruktur, weg mit der 10H Regelung in Bayern, 16 GW Zubau pro Jahr an PV-jeder muß seine Hausaufgaben machen. Das gerne angeführte Argument: "Die Erneuerbaren Energien dürfen nicht zu teuer werden", lies der Professor nicht gelten. Denn im Gegenzug stände: "Der Klimawandel darf nicht zu teuer werden". Dass der Klimawandel auch in Deutschland angekommen ist, zeigten Nachrichtenmeldungen wie: 2018: Dürreschäden im Wald werden auf 5,4 Milliarden Euro geschätzt oder Wassermangel am Rhein: BASF muss Milliardenanlage still legen. Auch hatte Berlin letztes Jahr Probleme seine Trinkwasserversorgung sicher zu stellen. Wußten Sie, dass jeder 2. Flüchtling ein Klimaflüchtling ist? Eine Schlüsselrolle für den Klimaschutz ist die Photovoltaik. Mehr als 50 GW PV gefährden die Braunkohle. Es geht um das Überleben von RWE und den Großen, es geht aber langfristig vor allem auch um unsere Arbeitsplätze. Dies ist ein Aufruf an ALLE-baut PV was geht. Wir haben einen Planeten zu retten!

5. Prof. Dr. Michael Sterner: Er nahm kein Blatt vor den Mund und kritisierte z.B. Bertram Brossardt von der bayerischen Industrie, der wohl immer noch zu den Klimaleugnern gehört. Daher plädierte er dafür, den Klimaschutz in die bayerische Verfassung aufzunehmen. Er sagte Energiewende braucht Energiewender! Das Potential in Bayern ist da-allein auf deren Dächern gibt es ein technisches Potential von 200 TWh. Dabei sind Wind und Sonne am ökologischsten-sie haben den geringsten Flächenverbrauch und kosten nur halb soviel wie fossile Energien. Er schlug vor die Bauordnungen zugunsten der EE zu Ändern, den 52 GW Deckel bei Solar aufzuheben, die Industrie zu verpflichten ihren Beitrag zu leisten und Vorschläge zur Energiewende an Minister Aiwanger zu schicken. Zum Schluß sagte er: Bayern hat genügend Potential, sich selbst zu versorgen!

6. Prof. Dr. Harald Lesch (LMU München): Mit seinem provozierenden Thema: "Laß mich doch in Ruh mit deinem Klimawandel", füllte der Physik- und Philosophieprofessor 2 große Hörsäle. Was sind wir nur für ein erbärmliches Land, dass es ein Volksbegehren für Artenschutz geben muß und dass unsere Kinder für ihre Zukunft demonstrieren müssen. Das gibt zu denken.....Es gibt viel Gutes, aber viel zu wenig.Pregnante, klare Sätze mit einer niederschmetternden Botschaft. Prof. Lesch führte seinen Zuhörern vor Augen, wie unsere Welt schon in wenigen Jahren aussehen könnte-kein schöner Anblick. Seit 1990 hat sich der Treibhauseffekt fast verdoppelt -droht schon bald ein Dominoeffekt? Das Shelfeis am Südpol schmilzt -die Eismoleküle haben keine politischen Ziele! Auf die Plublikumsfrage "Wie können wir es schaffen, wieder verantwortungsvolle Menschen in verantwortungsvolle Positionen zu bringen", wußte auch er keine Antwort. Seine Botschaft lautete: Tut Euch zusammen, nur so könnt ihr etwas erreichen!

7. Hans-Josef Fell (Präsident EnergyWatchGroup): Er plädierte dafür, nicht die Jugendlichen zu bestrafen, sondern die passenden Maßnahmen zu ergreifen, damit die Jugend nicht mehr demonstrieren muß. Es reicht nicht aus, unsere Emissionen zu verringern, sondern wir müssen sie bis zum Jahr 2030 stoppen. Auch auf das Thema "Herausholen des Kohlenstoffs aus der Atmosphäre" ging Herr Fell ein. Dabei war es ihm sehr wichtig nicht auf CCS zu setzen, sondern auf natürliche Methoden wie Humusaufbau aus Pflanzenkohle, Grünlandbeweidung, Aufforstung, ökologische Landwirtschaft und Urban Gardening. Auch das wichtige Thema Erdgas brachte er Sprache. Es macht ökologisch keinen Sinn Kohle mit Erdgas zu ersetzen, denn wenn man die Vorkettenemissionen mit einrechnet, ist Erdgas mind. genauso klimaschädlich wie Kohle. Vielmehr solle man aber nicht gegen die Gaswirtschaft als Solches sein (z.B. Power to X), sondern gegen Erdgas. Als ein positives Energiewendebeispiel führte er Australien an. Die Regierung dort, ist in etwa mit der unserigen zu vergleichen. Trotzdem tut sich dort enorm viel beim Zubau von EE-Energien, denn die Menschen dort investieren selber sehr viel in ihre Zukunft. Davon sollten wir lernen.
Man braucht also nicht unbedingt den Segen unserer Regierung, um PV-Anlagen und Windmühlen zu Bauen!

8. Patrick Friedl (MdL): Er gab Auskunft zum Stand des Volksbegehrens Klimaschutz in die Verfassung. In der aktuellen politischen Debatte taucht diese Notwendigkeit des Klimaschutzes jedoch nur mehr als Randnotiz auf. Politisches Handeln und die Gesetzesentwürfe von Landes- wie Bundesregierung geben dem Klimaschutz nicht den erforderlichen Vorrang. Das krachende Verfehlen der eigenen Klimaziele für 2020 wurde bereits verkündet, wird hingenommen und bleibt ohne echte politische Konsequenzen. Klimaschutz und Klimaschutzmaßnahmen müssen endlich wieder ins Zentrum des politischen Handelns. Nur so kann Bayern seinen Anteil an der globalen Verantwortung für den Klimaschutz übernehmen. Nähere Info´s gibt es unter:
www.klimaschutz-in-die-verfassung.de

9. Arno Zengerle (Bgm. Gemeinde Wilpodsried): Er zeigte auf, wie es in der Praxis funktionieren kann. Die Gemeinde Wilpoldsried erzeugt allein mit seinen Bürgerenergiewindanlagen, 6x soviel Energie wie es selber braucht und verringern mehr CO2, als sie verursachen. 100% EE ist also möglich. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

10. Detlev Seidler (SOLID,Graz): Sein Vortrag bezog sich auf die Wärmewende mit Solarthermie-Best Practice und Chancen für Deutschland. Ein Kollektorfeld mit Erdwärmespeicher und Wärmepumpe brachten eine jederzeit abrufbare Wärme bei 85 Grad. Die Effizienz der Solarthermie ist etwa 4xhöher als die von PV-Modulen, die Flächeneffizienz im Vergleich zur Biomasse beträgt etwa Faktor 50

11. Franz Pötter (Solar Cluster Baden-Württemberg): Mit regionalen Netzwerken neuen Schwung für Photovoltaik in Baden-Württemberg entfachen:
"Dein Dach kann mehr" Werbeaktion und "Das Geld liegt auf dem Dach"; Kooperationen mit versch. Verbänden und Organisationen erreichten oft mehr Menschen, um wieder Schwung in den PV-Zubau zu bringen

12. Dr. Thomas Lüers (Stadtwerke München): Thema: Strategie zu einer CO2-freien Versorgung von München bis 20XX. An sich ist dieses Ansinnen natürlich lobenswert. Doch statt sich als Stadtwerke vor allem auf die regionale und dezentrale Energiewende zu konzentrieren, denkt man bei den Stadtwerken München in größeren Dimensionen, die in Beteiligungen an großen Windparks deutschland- und europaweit ausgerichtet sind. Auch die Zielsetzung eine Wärmewende für München bis 2040 verfehlt das Einhalten eines 1,5 Grad Ziels nach dem Pariser Klimaabkommen bei Weitem. Hier ist also noch viel Luft nach oben und eine bürgerfreundliche, dezentrale Ausrichtung in der Zukunft wünschenswert.

13. Dr. Sebastian Schunk (Siemens AG München): Thema:Best Practice Industrie: CO2-freie Siemenswerke bis 2030. Das hörte sich anfangs, im Gegensatz zum Vorredner schon einmal viel ambitionierter an, aber ehrlich gesagt, hatte ich nach dem Vortrag genauso viel Ahnung wie vorher. Denn in welche konkreten Projekte die Gelder für die CO2-frei Siemens AG laufen sollten, wurden leider nicht genannt. Auch auf die Frage einer Teilnehmerin, warum auf so vielen Siemensgebäuden immer noch keine PV-Anlagen installiert sind, kam nur die Antwort, dass es wegen der Statik ja nicht bei allen gehen würde. Das ist sicher richtig, aber was ist mit den Anderen? Auch die Nachfrage nach PV-überdachten Mitarbeiterparkplätzen mit Ladesäule, führte zu keiner befriedigenden Antwort. Als eine Frage nach Bioessen in allen Siemens Kantinen, als Beitrag zur CO2 Reduzierung gestellt wurde, war die Antwort nur, dass dies zu teuer wäre. Ab da habe ich mich gefragt, wie ehrlich es Siemens wirklich meint, oder ob hier nur Greenwashing betrieben wird, um auf der grünen Welle mit zuschwimmen.Mich hat Siemens jeden Fall nicht überzeugen können -ich lasse mich in der Zukunft aber gerne eines Besseren belehren!

14. Alexander Huber (Huberbuam-Berchtesgadener Land): Thema: Am Limit. Er erzählte von einem kürzlichen Fernsehstammtisch, indem er sich für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen ausgesprochen hatte. Kurz danach bekam er über 800 Mails, mit zum Teil sehr bösen Bemerkungen. Ist freie Meinungsäußerung nicht mehr erwünscht? Wäre dieses Limit denn wirklich so schlimm? Alexander Huber hatte seine persönliche CO2 Bilanz ausgerechnet, hatte sich Gedanken gemacht, was er ändern kann und welchen Flug er halt nicht so einfach mit der Bahn oder Ähnlichem vermeiden kann. Dabei sprach er sich auch für eine Kerosinbesteuerung aus, denn nicht die Leute seien schuld, wenn sie zu Billigpreisen fliegen könnten und sich dadurch der Flugverkehr stark erhöht hat, sondern die Rahmenbedingungen in der Politik. Er versprach den Bau einer PV-Anlage auf seinem Dach nachzuholen und verabschiedete sich mit den Worten: Kopf hoch!

Großer Dank gilt nicht nur den hervorragenden Referenten, sondern auch dem ABSI-Sprecherteam, dem Rosenheimer Organisationsteam, der Hochschule Rosenheim, den Ausstellern und den vielen fleißigen Händen, die diese besondere Veranstaltung wieder für Jedermann möglich gemacht haben.
Besonders gefreut habe ich mich über einen Infostand der Schüler von "Fridays for Rosenheim". Sie lauschten auch gespannt den Vorträgen und haben sicher auch wie wir die Botschaft des Wochenendes verstanden:

Wir allein können nicht die ganze Welt retten, aber wir zusammen können damit anfangen es zu tun. Geht hinaus, redet mit den Leuten, baut PV-Anlagen und seid kritisch. Kritik ist der Anstoß zur Veränderung!
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1 Kommentar
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Hans-Joachim bartz aus Hattingen | 11.03.2019 | 07:29  
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