Wie die Fantasie Einzug in unsere Wohnungen hält

Steampunk kommt besonders gut bei DIY-Anhängern an. (Foto: Photo by ActionVance on Unsplash)

Film und Fernsehen greifen immer mehr auf Romane und Buchserien zurück, um Zuschauer und Publikum gleichermaßen in fantastische Welten zu entführen. Und dank Internet, Expresslieferungen und Heimwerkervideos auf YouTube greifen immer mehr Menschen zu Pinsel, Fuchsschwanz und Schleifpapier, um die eigenen vier Wände individuell zu gestalten. 

Was bei Filmen wie „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ vor mehr als 15 Jahren ihren Anfang nahm und später nahtlos in mehrfacher Ausführung bei der x-ten Neuauflage klassischer Romane beinahe im Jahresrhythmus Kritiker zum vermehrten Alkoholkonsum verleitet, findet in einem Portmanteau – also einem Mischbegriff oder einem Mischwort – eine klangvolle Bezeichnung: Steampunk heißt eine Stilrichtung, die für immer mehr Menschen zum kreativen Fluchtvehikel aus dem schnöden Alltag wird.

Ursprünglich – zumindest literarisch betrachtet – findet man die Wurzeln dieser Erscheinung in den Romanen von Jules Verne und H. G. Wells. Zu ihrer Zeit war das industrielle Zeitalter sozusagen noch in den Kinderschuhen – die Dampfmaschine war High Tech, Zahnräder und Kraftübertragung für viele noch Mysterien und Elektrizität unverständliche Magie. Eine Zeit, in der Schokoladenhersteller wie Hildebrand sogar von der Zukunft träumten und damit schon versuchten, ihre Süßwaren unters Volk zu bringen. Dementsprechend auch die Ästhetik ihrer Geschichten, die irgendwo zwischen viktorianischem England und Fin-de-Siècle Romantik aus moderner Sicht mit hochpolierten Messingrohren, prunkvollen Kleidern und geschmackvollen Anzügen zu glänzen weiß. Und irgendwo zwischen Lederstiefeln, feinem Zwirn und schweren Reisetruhen beginnt der Steampunk, für mehr als bloß heißer Luft zu stehen.

Dabei scheint diese Kombination geradezu perfekt, denn Steampunk hatte seit jeher einen gewissen Do-it-Yourself-Charakter. Betrachtet man nun auch den immer größer werdenden Teil der heimwerkenden Deutschen, die sich durchaus das ein oder andere Projekt zutrauen, dann wird schnell klar, warum Steampunk von beim Heimverschönen aufgegriffen wird. Wer hat schließlich nicht Lust, bei der nächsten Party den Gästen mit echten Unikaten auf die Nerven zu gehen?

Hier setzen moderne Anbieter ganz auf die Verschönerungswut und Bastelfreude des modernen DIY-Anhängers. Schwere Ledersofas und übergemütliche Ohrensessel passen nicht nur perfekt zur Stilrichtung Steampunk, sondern sind mit Schleifpaper und der einer stimmungsvollen Kupferfarbe schnell nicht nur einzigartig sondern quasi auch „Einstiegsdroge“ in die Welt der kompletten Umgestaltungen – und des damit verbundenen Stressabbaus.

Selbst wenn es die eigenen Umstände nicht zulassen, wird Steampunk immer allgegenwärtiger. Ein neuer Klub wartet mit Wänden in Gold- oder Rostoptik auf? Offen verlegte Rohre die scheinbar keine Funktion erfüllen verzieren Wände eines Geschäftslokals? Barometer, Ventile und Hebelpulte schmücken eine Kasse oder eine Bar? All das sind Ausläufer und Elemente des Steampunks – und heute eben absoluter Alltag in Geschäften, Restaurants und Bars und immer mehr Eigenheimen in Deutschland.
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