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„Zukunft braucht Herkunft“

Zu einem Vortragsabend „20 Jahre Deutsche Einheit und die Bedeutung für Deutschland und Europa“ hatte die Hanns-Seidel-Stiftung e.V. in Kooperation mit dem Peterswörther Sprachrohr e.V. nach Peterswörth eingeladen.
Der Vorsitzende des Sprachrohrs Walter Kaminski begrüßte als Referenten Peter Bauch, ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag, im Bürgersaal. „Leider spielt das Thema keine große Rolle, weder in der Schule noch in der Familie“, stellte Bauch gleich zu Beginn seiner Ausführungen bedauernd fest. Dabei könnte die Beschäftigung mit der jüngsten Geschichte einen wichtigen Beitrag zu einer Erinnerungskultur leisten, unterstrich er vor den zahlreichen Zuhörern die Wichtigkeit des Themas. Plakativ brachte Bauch mit der Aussage „Zukunft braucht Herkunft“ den Zusammenhang zwischen dem Gestern, Heute und Morgen auf den Punkt. Kritisch bewertete er die Zurückhaltung der Parteien, insbesondere der Union, beim Thema Bedeutung der Deutschen Einheit, die für ihn keine randständige Entwicklung war. Mit ihr wurde der Ost-West Konflikt beendet und hob eine 4-fache Teilung auf – Berlins, Deutschlands, Europas und der Welt. Bauch erinnerte an wesentliche Entscheidungen und Ereignisse, die den Weg zur Einheit ebneten. Mit dem Abstand von 20 Jahren werde deutlich, wie eng die Zeitschiene zur Umsetzung der Einheit und damit der Druck bei den 2+4 Gesprächen (2 deutsche Staaten + 4 Siegermächte) war. Peter Bauch sparte die Vorbehalte, die es in Europa gegenüber einer Deutschen Einheit gab, nicht aus. England und Frankreich, aber auch Italien und Polen betrachteten die Entwicklung mit großer Skepsis. Es wurde eine Auflösung der bisherigen Bindungen Deutschlands befürchtet, wie geäußert wurde, dass Deutschland Unsicherheit nach Europa bringen werde.
Doch die europäischen Verträge – und da werde die vorausschauende Politik der deutschen Nachkriegsregierung unter Konrad Adenauer erkennbar – beinhalteten die Perspektive für eine Deutsche Einheit, wie Bauch erläuterte, und somit war der Weg für die Einheit frei.
Den Vorbehalten und Forderungen nach einer stärkeren Einbindung Deutschlands in Europa trug man durch die Zustimmung zu einer europäischen Währung und anderen Maßnahmen Rechnung. Auf die Zusammenhänge 1990 Deutsche Einheit – 1992 Vertrag von Maastricht wies Peter Bauch in diesem Zusammenhang nachdrücklich hin. Die Deutsche Einheit bildete darüber hinaus einen Grundstein und die Initialzündung für die Osterweiterung der EU, ein Gesichtspunkt, der oft vernachlässigt werde. Und gerade die neuen Bundesländer, als erste von der Osterweiterung betroffen, profitieren von Europa. Sie erhalten pro Kopf mehr aus dem europäischen Haushalt als sie in ihn einzahlen. Mit der Beendigung des Ost- West Konflikts steht Europa nicht mehr geostrategisch im Brennpunkt der USA. Die Folge, Europa muss sich stärker auf sich selbst besinnen, dass bedeutet Veränderung - auch für Deutschland.
Deutschland ist heute in einer völlig neuen Lage und wir sollten dankbar dafür sein. Wir sind umgeben von 9 Nachbarn, davon sind 8 Mitglieder der EU. „Deutschland ist von Partnern und Freunden friedlich umzingelt“, beschreibt Bauch das positive Umfeld, das durch die Einheit erreicht wurde. Frieden und Freiheit haben ihren Preis für Deutschland und Europa, machte Bauch jedoch unmissverständlich deutlich. Die Einheit wird weiterhin Geld kosten und Steuermittel erfordern. Es müssen jedoch auch die finanziellen Entlastungswirkungen durch die Einheit gesehen und in die Gesamtrechnung einbezogen werden. Sie eröffnen, so Bauch abschließend, zusätzlich neue Chancen und tragen zu der erhöhten Bedeutung, mit einem Zuwachs an globaler Gestaltungsmöglichkeit verbunden mit einer sicherheitsrelevanten Verantwortungsbereitschaft, Deutschlands bei.
Hans Joas, Regionalbeauftragter der Hanns-Seidel-Stiftung, leitet die abschließende, rege Diskussion der seit Jahren immer um den Europatag (9. Mai) mit dem Peterswörther Sprachrohr e.V. durchgeführten Informationsveranstaltungen im Bürgersaal.
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