Mit Stolz und Pomp den Toten mit den Ahnen zusammen bringen. (Pompa funebris bei den Römern) 

Männer sollten aufrecht, scheinbar noch aktiv auf dem Schaubett zur Schau gestellt werden, Frauen durften liegen.
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  • Männer sollten aufrecht, scheinbar noch aktiv auf dem Schaubett zur Schau gestellt werden, Frauen durften liegen.
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Traurig klangen die beiden Knochenflöten, die alten Muskinstrumente, die schon seit der Steinzeit die Menschen bei ihren religiösen Unternehmungen begleiteten. Traurig, weil ja auch die eingeschränkte Lochanzahl nur Melodien im Fünftonsystem des Moll erlaubten. Ähnliches galt für die aus Schilfrohr gereihten Panflöten der Hirten.
Kythara und Lyra, die alten griechischen Instrumente, untermalten die Melodien mit beruhigenden Akkorden.
Mehr als Startgeber und aufrüttelnde Elemente machten lange gerade Fanfaren und in großem bogen gerollte Hörner aus genietetem Kupferblech auf sich aufmerksam.

Eine lange Reihe an Teilnehmern des Totenzuges hatte sich eingefunden.
Freunde hatte der Senator sicher nicht viele gehabt. Hatte er denn nicht auch täglich versucht , mit seinen Reden im Senat öffentlichkeitswirksam sich eher mit einer größeren Anzahl von Missgünstigen zu profilieren, die im Gegensatz zu den Wohlwollenden weit öfter den Mund aufmachten und damit für Furore sorgten.
Feinde waren diese Wortkontrahenten sicher auch nicht unbedingt zu nennen , lautstarke Mitstreiter eher um die Gunst des auf die „Fama“ (die Bekanntheit) hungrigen Adels und damit auch der mitgeschleppten Masse des Plebs.
Man wollte sich zeigen.
Wollte zeigen, dass man in der Reihe der würdevollen Teilnehmer des Totenzuges mindestens genauso prädestiniert war, in die „Hall of Fame“, das Jenseits bedeutender Personen, für die Res publica des Staates genauso verdienter Persönlichkeiten ein zu gehen.
Und deshalb war man bemüht, möglichst gleich nach dem Totenbett des verdienten Senators, der nicht etwa horizontal, schlafend, sondern aufgerichtet und unternehmungslustig vorangetragen wurde, sich ein zu reihen.
Doch Stop! Nicht der Tote war die Hauptfigur dieses Umzuges.
Vor ihm, so wollten es die Sitten im alten Rom, mussten zunächst all die edlen Vorfahren, die sich um den Staat verdient gemacht hatten , den Zug gemäß ihrer chronologischen Stammbaumstellung anführen. All die verehrten Toten, deren Wachsbildnisse im öffentlichen Innenhof der Gebäude hinter Glas jedem Besucher der Adelsgeschlechter stolz gezeigt wurden, die genealogische Rechtfertigung aller Adelshäuser, sie waren die eigentlichen Hauptpersonen dieser Umzüge. Der Tote selbst nur ein sicher sich so folgerichtig ergebender dreizehnter oder gar nur zwanzigster Nachfolger vererbter Wichtigkeit.
Um diesen Pomp, dieses Aufzugsgebot gemäß immer gleichen Brauches zu ermöglichen, hatte man alle Sklaven, Bediensteten der näheren Bekanntschaft auf Ähnlichkeiten in Hinsicht auf Körperbau, Motorik und Haarfarbe genau unter die Lupe genommen und als Maskenträger der Wachsbildnisse bestimmt.
Zwanzig Schauspieler niederster Klassen in Wachsmasken, ehrfürchtig versucht ihren dargestellten Heroen nahe zu kommen, sie hatten die Rolle zu übernehmen, den höchsten Adel des römischen Reiches zu verkörpern. Alles nur Show!
Bedächtigen Schrittes setzte sich der lange Zug in Bewegung, aber nicht wie vermutet, um den Toten zu seiner letzten Ruhestätte außerhalb der Stadtmauern zu bringen. Der Zug nahm die entgegengesetzte Richtung ein, mitten in die Stadt hinein. Dort erwarteten ihn immer größere Mengen an bewundernden Zuschauern, deren Edelste sich dem Zug auch noch anschlossen.
„Auf zum Forum“, gab man den Neuzukömmlingen zu verstehen, die noch nicht mit solchen Umzügen bekannt waren.
Dort nahmen in vorderster Reihe Sklaven und niedere Bedienstete Platz…., soweit sie bedeckt mit adeliger Maske die Persona (Rolle) eines bedeutenden Toten zu übernehmen hatten, erst dahinter gemäß ihrer Bedeutsamkeit der Tote und die adeligen Mitläufer.
Stundenlange Lobesreden auf sämtliche in erster Reihe vertretenen wachsgesichtigen Ahnen und letztlich in richtiger Reihenfolge auch den kürzlich Verstorbenen, der beim nächsten Ereignis als zwanzigster Ahne dann auch in vorderster Reihe sitzen würde.
Während die Ahnen, beziehungsweise Ihre unter Wachsmasken schwitzenden Träger, am Forum warteten, um dann glücklich für den verdienten Schauspielerlohn eines Obulos mit den Masken in der Hand zurück zu den Glasschreinen des Hauses eilten, machten sich alle Lebenden zusammen mit dem letztlich Verstorbenen auf in Richtung letzter Ruhestätte außerhalb der Stadt.

Bürgerreporter:in:

Haus der Kulturen michael stöhr aus Diedorf

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