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Schnepfen- und Schnapsplatz, ein toter Luchs und eine Barockkirche

Am Luchsstein
 
Aufstieg im Nebel

Eine Wanderung im Oberharz mit der Wochenendgruppe vom Kneipp-Verein Barsinghausen.

Das Wetter an den Tagen vor dem 02.Juni 2018 war geprägt von Hitze, Schwüle und kräftigen Gewitter mit Starkregen. So war der Wanderführer beruhigt, dass für den Wandertag ein bedeckter Himmel mit niedrigeren Temperaturen und sehr wenig Gewitterneigung vorhergesagt worden war.

So zeigte sich das Wetter auf der Busfahrt auch mit bedecktem Himmel, noch trocken  und einer Temperatur bei 16°C auch noch wanderfreundlich. Doch beim Ausstieg am Parkplatz auf dem Sternplatz in 495 m Höhe sah die Wanderwelt nicht mehr so freundlich aus, denn herrschte hier nun ein sehr nässender Nebel und die Temperatur zwang die Wanderer in die leichten Outdoorjacken.

Man kann eben nicht alles haben.

Der Bus fuhr weiter zum Parkplatz nach Lautenthal und die Gruppe marschierte nun einem breitem Forstweg durch hohen Fichtenbestand leicht bergan. Schon bald wurden der Schnepfenplatz, dessen Bezeichnung von dem Schnepfenvogel kommen soll, und der Luchsstein erreicht. Hier erinnert ein Gedenkstein und ein hölzerner Luchs an den letzten Luchs im Harz, der unweit dieser Stelle im Jahr 1818, von dem Förster Spellenberg nach einer 17-tägigen Treibjagd , mit gut 200 Jägern und Treibern, erlegt wurde. Der ausgestopfte Luchs steht heute im Naturhistorischen Museum in Braunschweig.
Nach aufwendigen Wiederansiedlungsprojekten soll es jetzt wieder bis zu neunzig wildlebende Luchse im Harz geben. Auch in diesem Gebiet soll es Beobachtungen von Luchsen gegeben haben. Vermutlich wurde deshalb eine Fotofalle an diesem Platz installiert. Wer wollte konnte sich an der Stempelstelle 103 auch noch einen Stempel für die Harzerwandernadel holen.

Nach ca. 3,5 km wurde der Abzweig zur Tränkebachhütte mit dem sehr steil talwärts-führende Forstweg erreicht. Diese sollte bei der ursprünglich geplanten Tour, ausgehend vom Forsthaus Neckelnberg, als Mittagsrast mit herrlicher Aussicht dienen. Doch Tage vorher wurde aufgrund der sehr hohen Temperaturen und andere Vorkommnisse die Wanderung durch Änderung des Startplatzes zum Sternplatz abgemildert, da so mehr als 200 Höhenmeter auf zwei Kilometer der Gruppe erspart blieben. Da sich jetzt aber der nässende Nebel noch nicht verzogen hatte und dieser die sonst sehr schöne Fernsicht von der Tränkebachhütte verhinderte, wurde von hier nun auf den Abstieg zur Hütte verzichtet.

Über den Schnapsplatz mit den vier sich kreuzenden Wegen, gelang die Gruppe zum Öhrenbrunnen. Der nässende Nebel hatte sich zwischenzeitlich aufgelöst, der Himmel zeigte schon lichte Wolkenstellen und so wurde hier die Mittagspause eingelegt. Der Name Öhrenbrunnen hat seinen Namen vom Ahornbaum, der in früheren Zeiten im Harz sehr verbreitet war.

Der Weg mit der Kennzeichnung 1W führte die Gruppe nun zu einem Aussichtspunkt, von dem auch die Innerstetalsperre erspäht wurde und dann zurück zum Sternplatz. Auf dem Weg mit der Kennzeichnung 1M, erst noch bis auf 540 m leicht ansteigend, später mit 1N und 1B bezeichnet nur noch abwärts, erreichte die Gruppe dann die ersten Häuser von Lautenthal. An dieser Stelle sei noch der Harzklub erwähnt, der für die guten Wanderwege mit bester Kennzeichnung verantwortlich zeichnet.

Lautenthal liegt im Tal der Innerste und gehört zu den sieben Bergstädten im Oberharz, in deren Bergwerksgruben Silber abgebaut wurden. Zu den anderen Bergstädten zählten (Bad-) Grund, Wildemann, St. Andreasberg, Altenau, Clausthal und Zellerfeld. Der Bergbau ist heute längst eingestellt, die letzte Grube schloss in Bad Grund 1992.
Lautenthal liegt an der Mündung des Flüsschen Laute in die Innerste, und der Bergbau begann um 1225 mit dem Abbau von Silber, Blei und Kupfer. Leider verlor die Stadt mit Schließung der letzten Silberhütte im Jahr 1967 sehr schnell an Bedeutung und später die Bezeichnung Bergstadt. Erst ab 2003 darf sich Lautenthal wieder mit dem Zusatz historische Bergstadt nennen.

Ein kleiner Stadtrundgang durch schmale Gassen und Straßen führte zuerst zum schmalsten Haus und dann zu der einzigen Barockkirche im Harz, die Paul-Gerhard-Kirche, mit dem weithin sichtbarem dreigeteilten Turm aus den übereinander gebauten glockenförmigen Haube und einem laternenartigen Zwischenstück mit aufgesetzter Zwiebelhaube. Der Turm enthält keine Glocken; diese sind in einem separatem hölzernen Glockenturm untergebracht. Die Kirche wurde nach 10-jähriger Bauzeit 1659 fertiggestellt und geweiht. Sehenswert sind in der Kirche die reichhaltige Bemalung, das aus dem Jahr 1652 stammende Taufbecken, die über 400 Jahre alte Orgel und der Altar von 1719.

Auf dem Marktplatz wurden noch die schönen Bemalungen an einigen Häusern bewundert und dann war auch schon der Bus erreicht, der die Gruppe auf recht abenteuerlicher Straße zum Maaßner Gaipel brachte. Das Haus wurde in den 1920-ziger Jahren vom Harzklub als Gasthaus ausgebaut, diente aber schon viel früher für den Bergbau als Förderhaus (Gaipelhaus), dessen Name aus den Göpelrädern, die zur Förderung der Erze aus den Gruben dienten, hergeleitet wird.

Trotz der nicht so klaren Sicht war der Ausblick von hier oben doch sehenswert. Nach einer ausgiebigen Rast mit Pizza und anderen Speisen, brachte der Bus die Gruppe wieder zu Tal und dann sicher zurück nach Egestorf.
Karl-Heinz Pfennig
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