Der zweite Teil meiner Kindheitserinnerungen an Alzey von 1954 - 1961.

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Auf diesem Nachbargrundstück hatte ich immer mit dem Nachbarjungen gespielt. Damals standen noch Schuppen darauf. Alles weg!

Der Mittelpunkt der Stadt war und ist der Rossmarkt mit dem anschließenden Fischmarkt und darauf das Rathaus. Hinter dem rechten Fenster neben dem Brunnen befand sich ein kleiner Stoffladen, wo ich für meinen Opa immer Twill kaufen musste.

In der Judengasse auch immer noch das gleiche Straßenpflaster und im Eck am Tor des Bauernhofes der Stein, auf dem ich immer auf- und abgelaufen bin gibt es auch noch.

In die Nibelungenschule ging ich von 1953 bis 1961. Mir hat es sehr gut in der Schule gefallen. Lernen ist heute noch mein Hobby. Natürlich gab es auch Fächer die mir absolut nicht lagen. Dazu gehörten Handarbeit und Politische Gemeinschaftskunde und Raumlehre.

Die Volkerstraße sieht noch genau so aus wie zu meinen Kindertagen und das Schloss natürlich auch. Hier hat sich absolut nichts geändert. Auf der einen Seite die schönen Häuser und auf der anderen Seite der Volkerstraße das Schloss.

Noch befinde ich mich im Schlossbezirk aber das Tor zur Hellgasse liegt schon vor mir. Alles noch wie früher. Hinter den vergitterten Fenstern des Schlossturmes schauten früher die Insassen des Gefängnisses heraus. Uns Kinder war das schon etwas gruselig. Hier sind wir immer einen Schritt schneller gegangen, besonders am Eingang zum Schloss und zum ehemaligen Gefängnis. Das war ja eigentlich ganz praktisch, das Gefängnis im Schlossturm. Heute wie damals befindet sich das Amtsgericht im Schloss und so hatte man direkt die Haftanstalt dabei. Soviel wie ich noch weiß, war es aber nur ein Untersuchungsgefängnis.

Die Hellgasse. Genau so ein Schild befand sich zu meiner Kinderzeit auch am Tor am gleichen Platz. Immer noch in der Hellgasse grüßt uns der Kirchturm der Nicolaikirche.

Ich muss ja doch mal schauen, ob mein Zauberhaus noch steht. Immer an der Stadtmauer entlang muss ich ja hinkommen. Ach, hier lugt es schon hinter den Bäumen hervor. Da wo jetzt der Parkplatz ist, war damals alles parkähnlicher Garten. Leider steht das Haus leer und ist dem Verfall preisgegeben. Ich hatte eine Freundin die in diesem Haus wohnte. Ihre Mutter war Musiklehrerin und gab Privatstunden zu Hause. Das Haus, der Park und die gepflegte Einrichtung des Hauses passten zu der Tätigkeit der Hausherrin. Ich hatte mich dort sehr gerne aufgehalten. Was man jetzt sieht tut weh.

Man kann sich einfach nicht mehr vorstellen, dass wir mit unseren 10 oder 12 cm hohen Stöckel über solches Kopfsteinpflaster geschwebt sind. Wir sind aber geschwebt, allerdings heimlich. Wir durften ja solange wir in der Schule waren keine Nylons und keine hohen Absätze anziehen. Das war von der Schule aus verboten. Sonntags konnte man leicht von den Lehrern erwischt werden, wenn wir durch die Stadt stöckelten. Ich glaube im letzten Jahr unseres Schulbesuches hatten fast alle Mädchen sonntags Stöckel an den Füßen.

Und natürlich der ehemalige Gerberjockel wo immer amerikanische Soldaten verkehrten. Die Tochter ging zu mir in eine Klasse. Ich half ihr manchmal bei den Hausaufgaben. Meine Eltern waren mit ihren Eltern befreundet. Die Amis sahen ja eigentlich in zivil recht interessant aus mit ihren zu kurzen langen schwarzen Hosen, den weißen Socken und den schwarzen Schuhen. Unsere Männer waren zu den damaligen Zeiten noch total konservativ angezogen.

Hier am Eck stand eine Eisdiele und ich hatte dort oft für meinen Cousin 20 Bällchen Eis in einer Schüssel geholt. Die hat er alle alleine verputzt. Heute steht eine Bank dort zum Gedenken an ein jüdisches Mädchen das im KZ umkam. Mein Cousin wohnte genau in dem Haus gegenüber der Eisdiele.

In dem Haus auf der linken Seite ging ich immer zur Bibelstunde mit einer Freundin. Allerdings gab es damals noch nicht den Durchbruch zu der Straße, die es damals auch noch nicht in dieser Breite gab. Für diese Straße mussten ganze Reihen von Häusern weichen.

Und die kleinste aller Gassen ist auch noch da und unverändert.

Irgendwann in den 50er Jahren kauften meine Eltern das Nachbarhaus in der Ochslergasse 13. Da bekam ich ein eigenes Zimmer mit grün gelackten Holzmöbeln. In diesen Jahren keinesfalls normal. Ich war eins der wenigen Kinder in Alzey, die ein eigenes Zimmer hatte. Mein neuer Nachbar war ein weißer Spitz. Den hatte ich stundenlang gestreichelt. Das blieb so bis zum Januar 1960. Da bekam ich einen kleinen Bruder. Jetzt war der arme Spitz abgemeldet. Dafür ging ich mit meinem Bruder ganz stolz spazieren. Er hatte aber auch einen luxuriösen Kinderwagen. Den hatten meine Eltern im Möbelhaus Sauer, dem jetzigen Museum, gekauft.

In der Kleinen Kirche hatten wir die Vorstellung. Wir mussten ja den ganzen Katheschismus auswendig lernen, da wir nicht wussten, bei welcher Passage wir abgefragt wurden. Wir Mädchen waren vielleicht aufgeregt.

Nun geht es weiter Richtung zum Obermarkt und wir kommen der Nikolaikirche immer näher. Sie ist schon mächtig, die Nikolaikirche. Ihre Erbauer sind die berühmte Eseler-Familie aus Alzey. In dieser Kirche wurde ich konfirmiert.

1961 verkauften wir das Haus und verzogen nach Bendorf -Sayn. Mittlerweile wurde unser Haus abgerissen und ein Neubau entstand.

Bürgerreporter:in:

Gisela Görgens aus Quedlinburg

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