So macht Blasmusik Spaß

  Der Musikverein Binswangen lud kürzlich zum traditionellen Jahreskonzert, erstmals an einem Sonntagnachmittag. Dass diese Entscheidung goldrichtig war, zeigten die vollbesetzten Reihen der Mehrzweckhalle und die begeisterten Gesichter der Zuhörer.
Erster Vorstand Roland Wagner eröffnete die Veranstaltung mit einer kurzen Ansprache. Er begrüßte Bürgermeister, Gemeinderäte, Vereinsvorstände, Würdenträger des Musikvereins und Vertreter des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes. Besonders erfreut zeigte sich Wagner über die vielen Besucher aus umliegenden Musikvereinen. Im Verlauf seiner Begrüßungsworte wies er auf die neuangeschafften Trachten hin. Viele junge Musiker hatten noch keine Tracht, bei anderen war die bisherige Kleidung abgetragen oder passte nicht mehr richtig und so konnten sich die Musikerinnen und Musiker voller Stolz neu eingekleidet auf der Bühne präsentieren, bevor Anton Kapfer – in gewohnt informativer Manier - die Moderation des Konzertes übernahm.
Der erste Konzertteil stand ganz im Zeichen von Modest Mussorgskys ‚Bilder einer Ausstellung‘: In seiner Suite gestaltet Mussorgsky musikalisch zehn Bilder Hartmanns, gegliedert durch die viermal wiederkehrende "Promenade", die den Betrachter beim Gang durch die Ausstellung zeigt. Inspiriert hatte ihn dazu, die 1874 zum Gedenken an seinen Freund Viktor Hartmann stattfindende Ausstellung mit Buchillustrationen, Aquarellen, Reiseskizzen, Architektur- und Kostümentwürfe. Mussorgsky wollte dem verstorbenen Freund ein musikalisches Denkmal setzen und komponierte eine Klaviersuite‚ die Christoph Günzel für das Große Blasorchester Binswangen arrangierte: Zuerst begegnet man dem knorrigen, linkischen "Gnomus", weiter geht es wehmütig zum" Alten Schloss", spielenden und streitenden Kinder in den "Tuilerien" bis zu "Bydlo", einen schwerfälligen, polnischen Ochsenkarren, der am Betrachter vorbei rattert und langsam wieder verschwindet. Das quicklebendige "Ballett der ungeschlüpften Küken in ihren Eierschalen" vertonte Mussorgsky ebenso wie "Samuel Goldenberg und Schmuyle" - zwei Juden, der eine reich und behäbig, der andere arm und unzufrieden. Lebhaft, laut und hektisch ist es auf dem "Marktplatz von Limoges", wo Marktweiber schreien und zanken. Dann geht es mystisch düster in die "Katakomben" und "Con mortuis in lingua mortua" (= mit den Toten in der Sprache der Toten), bevor die Betrachter zu einem wilden Hexenritt zu "Baba Jaga" – der Hütte auf Hühnerfüßen, aufbrechen. Majestätisch erklingt zum Schluss das "Große Tor von Kiew".

Binswanger Grundschüler gestalten ‚Bilder einer Ausstellung‘

Dem Publikum wurden über Leinwand und an Stellwänden die einzelnen Ausstellungsstücke – aus Kinderhänden – präsentiert. So hatten die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Binswangen zusammen mit ihren Lehrern Martina Bobinger und Johann Urban wahre Kunstwerke geschaffen, die von den begeisterten Konzertbesuchern bewertet wurden. Am Ende wurden Leni Bernhard, Sarah Kapeller und Aileen Scheck als strahlende Siegerinnen gekürt und die anderen Künstler mit kleinen Preisen belohnt.

Der zweite Konzertteil begann mit einem musikalischen Vorgeschmack auf das große Sommerprojekt des Orchesters. Anfang August werden – im zweijährigen Rhythmus – auf dem Binswanger Dorfplatz open-air Opern und Operetten aufgeführt. Diesmal steht Johann Strauß „Die Fledermaus“ auf dem Programm. Die Ouvertüre entführte mit den musikalischen Höhepunkten der Operette die Gäste auf einen Maskenball. Kostümiert fröhnen so manche Edelmänner und vornehmen Damen dem Alkohol mehr als für sie gut ist und so kommt es zu mancherlei Wirrungen und Eskapaden – sogar der geschätzte Herr Notar irrt am frühen Morgen betrunken als „Dr. Fledermaus“ durch die Gassen … Karten für das Ereignis gibt es schon bald im Vorverkauf. Mehr dazu unter www.musikverein-binswangen.de
Die Konzertreise führte nun ins spanische Andalusien. Ferrer Ferran schrieb der berühmten Politikerin Consuela Ciscar zu Ehren den gleichnamigen, feuerigen Paso Doble „ Consuelo Ciscar“.
„Walled City“ (= die ummauerte Stadt) war ursprünglich ein Militärstützpunkt Chinas, bevor es von den Japanern besetzt wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg fanden dort die vielen Chinesischen Flüchtlinge günstige Wohnungen und so entstanden auf geringstem Raum unzählige Hochhäuser. Spielfreudig umschreibt das Große Blasorchester zusammen mit Solistin Kerstin Schrödl an der Querflöte die Stimmung in diesem überbevölkerten Stadtteil von Hong Kong.
Die wenigen Polkas, die der Walzerkönig Johann Strauss Sohn geschrieben hat, tragen alle einen Namen – so auch die Schnellpolka „Unter Donner und Blitz“. Ursprünglich sollte sie ‚Sternschnuppe‘ heißen, doch das Große Blasorchester bewies mit unmissverständlichem Grummeln in den Bässen und den Donner- und Blitzeinschläge von Trommel und Becken eindrucksvoll, warum sich der endgültige Titel aufdrängte.
Den treuen Tanzgala-Besuchern waren sie sicher schon bekannt – die „Gentlemen of music“ : Tom Jones und Neil Diamond werden zu recht so genannt, denn ihre Hits waren in den 1960er und 70er Jahren ganz oben in den Charts zu finden. Eric Morena arrangierte ein Medley mit den drei fetzigen Hits , ‚Song Sung Blue‘ und ‚Delilah‘.
Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker endet traditionsgemäß mit dem „Radetzky Marsch“ von Johann Strauss. Mit diesem berühmten Werk schlossen auch die Binswanger Musiker unter Leitung von Christoph Günzel. Doch das Publikum war begeistert und wollte noch nicht gehen. So erklatschten sie sich mit Alexander Pflugers „Abel Tasman“ einen wunderbaren Konzertmarsch als Zugabe. Die große Entdeckungsreise mit dem niederländischen Seefahrer Abel Tasman, angefangen vom quirligen Treiben im holländischen Hafen, von dem das Schiff dann ausläuft, die Fahrt auf hoher See, durch einen Sturm, um schließlich Tasmanien - südlich von Australien - zu entdecken, rundete ein gelungenes Konzertereignis ab.
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