Zahngesundheit 2016: Fakten gegen Mythen

(Foto: Initiative proDente e.V. Köln)
 
(Foto: Iniative proDente e.V.)
 
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Nach dem Essen Zähneputzen nicht vergessen. Feste Schrubben bringt´s. Oder: Ein Apfel ersetzt das Zähneputzen. Wer hat diese Sätze nicht schon einmal gehört? Aber stimmen sie auch?

proDente nimmt die einzelnen vermeintlichen Weisheiten unter die Lupe. Denn das richtige Wissen hilft, Zähne und Mund gesund zu halten.

1. Mythos: Jeder sollte zwei bis drei Minuten lang die Zähne putzen.

Fakt ist, dass das Zähneputzen Speisereste, aber vor allem die bakteriellen Beläge auf den Zähnen entfernen soll. Je nach individueller Situation – z.B. die Anzahl oder die Stellung der Zähne, vorhandener Zahnersatz und die persönliche Geschicklichkeit – müssen manche Menschen dafür länger putzen. Andere benötigen für das gleiche Ergebnis eine kürzere Putzzeit.
Nicht vergessen: Mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen die Flächen zwischen den Zähnen reinigen, wo die Zahnbürste nicht hinkommt.

2. Mythos: Karies ist ansteckend.

Fakt ist: Karies entsteht aus mehreren Gründen. Kariesauslösende Bakterien vermehren sich durch Nahrung (vor allen Dingen Zucker) und produzieren Säuren. Die Säuren entkalken den Zahnschmelz.
Die Mundhöhle von Babys ist zu Beginn keimfrei. Küsst eine Mutter ihr Baby oder leckt den Schnuller ab, überträgt sie Keime auf das Kind. Dennoch betrachten Fachleute Karies als Krankheit, die durch Verhalten, wie Ernährung, entsteht. Denn Karies ist durch gutes Zähneputzen und zuckerarme Ernährung beeinflussbar.

3. Mythos: Karies ist bei Milchzähnen nicht so schlimm.

Fakt ist: Gesunde Milchzähne sind wichtig zum Essen, damit Kinder richtig Sprechen lernen, sich der Kiefer entwickeln kann und Platz für die bleibenden Zähne freigehalten wird. Auch Selbstbewusstein und Freundschaften werden durch die Mundgesundheit beeinflusst. Hat sich im Milchgebiss bereits Karies ausgebreitet, ist das Kariesrisiko auch im bleibenden Gebiss deutlich erhöht. Zudem können zerstörte Milchzähne die Entwicklung negativ beeinflussen. Milchzähne sollten daher bis zum zweiten Lebensjahr einmal täglich und ab dem zweiten Geburtstag zweimal täglich mit altersentsprechender fluoridhaltiger Zahnpasta gepflegt werden.

4. Mythos: Jedes Kind kostet einen Zahn.

Fakt ist, dass die Schwangerschaftshormone das Bindegewebe lockern. So auch im Mund. Daher haben Schwangere ein erhöhtes Risiko für Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und in deren Folge möglicherweise für eine Parodontitis, also einer Entzündung des Zahnhalteapparats. Unbehandelt kann sie zu Zahnverlust führen. Auch veränderte Ernährung in der Schwangerschaft beeinflusst die Mundgesundheit. Entscheidend ist eine gute Mundhygiene und ein Kontrolltermin beim Zahnarzt möglichst zu Beginn der Schwangerschaft, um möglichen Problemen zu begegnen.

5. Mythos: Schlechte Zähne sind erblich.

Fakt ist: Erkrankungen haben häufig mehr als eine Ursache. Zahnform und Zahnstellung können vererbt sein. Fehlbildungen der Zahnhartsubstanz haben oft erbliche Ursachen. Auch eine Parodontitis wird genetisch beeinflusst. Da jedoch die genetische Ursache nicht allein verantwortlich ist, ist das Risiko durch eigenes Verhalten beeinflussbar. Eine gute Mundhygiene und eine mundgesunde Ernährung sind dabei von besonderer Bedeutung. Schlechte Zähne sind kein unvermeidliches Schicksal.

6. Mythos: Ein Apfel ersetzt das Zähneputzen.

Fakt ist, dass Äpfel Vitamine und Mineralstoffe enthalten und daher gesund sind. Auch das Kauen von fester Nahrung fördert die Mundgesundheit. Apfelkauen beseitigt zwar in einem geringen Maß oberflächliche Beläge. Die Zahnbürste ersetzt ein Apfel jedoch keinesfalls. Zu beachten ist außerdem, dass Fruchtsäure und Fruchtzucker den Zahnschmelz angreifen können. Deswegen sollte man sich ausgewogen ernähren und Pausen bei Säurezufuhr durch rohes Obst und Gemüse berücksichtigen. Ansonsten können sogenannte Erosionen entstehen.

7. Mythos: Nach dem Essen Zähneputzen nicht vergessen.

Eine optimale Mundhygiene zweimal täglich und einmal dabei die Zahnzwischenraumreinigung mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen ist für die Erhaltung der Mundgesundheit von zentraler Bedeutung. Ein Zeitpunkt sollte möglichst immer vor dem Schlafengehen gewählt werden. Das zweite Putzen sollte dann stattfinden, wenn ausreichend Zeit zur Verfügung steht. Gründlichkeit geht vor Häufigkeit. Natürlich ist Mundhygiene nach jedem Essen sinnvoll, aber bei den heutigen Lebensumständen nicht realistisch. Empfohlen wird daher ein zuckerfreies Kaugummi, um die Speichelproduktion zur Selbstreinigung anzuregen.

8. Mythos: Feste Schrubben bringt´s.

Fakt ist, dass Putzen mit zu viel Druck Zähne und Zahnfleisch schädigen kann. Empfohlen wird ein leichter Druck von maximal 150 Gramm. Tipp: Den Druck mit einer Zahnbürste auf der Küchenwaage testen. Wichtig: Mit System putzen. Die Zahnbürste vom Zahnfleisch (rot) zum Zahn (weiß) mit fegenden Bewegungen führen. Beim Zähneputzen mit der Kaufläche beginnen, dann die Außen- und letztlich die Innenseiten der Zähne reinigen – die sogenannte KAI-Systematik. Auf der Kaufläche, aber nur da, darf geschrubbt werden.

9. Mythos: Kaugummikauen ersetzt das Zähneputzen.

Fakt ist, dass das Kauen eines zuckerfreien Kaugummis den Speichelfluss anregt. Speichel ist wichtig bei der Verdauung, und der Abwehr gegen Krankheitserreger und kann beginnende Zahnschäden reparieren. Dafür stellt er Mineralien zur Verfügung, und der Speichelfilm schützt die Schleimhäute. Werden zuckerfreie Kaugummis regelmäßig beispielsweise nach dem Essen verwendet, fördern sie die Zahngesundheit. Das Zähneputzen ersetzen sie aber nicht. Denn nur Zahnbürste und Zahnseide bzw. Zahnzwischenraumbürstchen entfernen die bakterielle Beläge auf und zwischen den Zähnen.

10. Mythos: Zahnbürste wechseln, wenn die Borsten abstehen.

Richtig ist, die Zahnbürste rechtzeitig zu wechseln. Bei verbogenen Borsten lässt die Reinigungswirkung deutlich nach. In der Regel sollte die Zahnbürste nach drei Monaten gewechselt werden. Manchmal kann auch ein früherer Wechsel sinnvoll sein.

11. Mythos: Kleinkinder brauchen noch keine Zahnbürste.

Fakt ist, dass Kinder erst ab dem Grundschulalter, wenn sie flüssig schreiben können, die Zahnbürste im Mund genau steuern und selbstständig putzen können. Bis dahin sollten die Kinder selber putzen - aber die Eltern müssen anleiten und nachputzen. Auch für Kinder eignet sich die KAI-Systematik: Erst die Kauflächen, dann die Außenflächen und zum Schluss die Innenflächen der Zähne putzen. Jedoch muss altersgerecht vorgegangen werden. Wichtig ist es, bereits mit Durchbruch des ersten Zahnes mit dem Zähneputzen zu beginnen. Das fördert nicht nur die Mundgesundheit, sondern schafft ein sehr wichtiges tägliches Ritual. Lassen Sie sich in der Zahnarztpraxis zeigen, wie man bei den Kleinkindern mit dem Putzen beginnt.

12. Mythos: Fluorid ist giftig.

Fluoride sind Salze und somit eine Fluor-Verbindung. Reines Fluor dagegen ist höchst giftig. Allerdings reagiert das Fluor schnell mit anderen Elementen zu Fluoriden. Fluoride sind ein natürlicher Bestandteil von Zähnen und Knochen. Um Karies vorzubeugen, befinden sie sich als Natriummonofluorphosphat, Aminfluorid oder Zinnfluorid in den meisten Zahnpasten. Fluoride schützen und härten den Zahnschmelz.

13. Mythos: Zuckerfrei bedeutet, dass kein Zucker drin ist.

Fakt ist, dass Getränke oder Lebensmittel, auf deren Etikett „zuckerfrei“ steht, zwar keinen Haushaltszucker enthalten dürfen. Andere Zuckerarten wie Glukose (Traubenzucker), Fruktose (Fruchtzucker), Laktose (Milchzucker) oder Maltose (Malzzucker) können aber dennoch enthalten sein. Also Vorsicht – genau hinschauen lohnt: Denn diese Zucker fördern ebenfalls die Kariesentstehung und sollten daher nur in Maßen genossen werden. Auch andere Speisen und Getränke enthalten oftmals sehr viel Zucker – Inhaltsangaben prüfen.

14. Mythos: Zahnfleischbluten ist nicht schlimm.

Fakt ist, dass Zahnfleischbluten ein Krankheitssymptom ist und als Warnsignal ernst genommen werden sollte. Tritt dieses häufiger auf, muss der Zahnarzt unbedingt mögliche Ursachen abklären. Zahnfleischbluten kann Symptom einer Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis) oder sogar des gesamten Zahnhalteapparats (Parodontitis) sein. Parodontitis kann unbehandelt zum Zahnverlust führen und besitzt Einfluss auf die Gesundheit des gesamten Körpers. Beidem sollte und kann entgegen gewirkt werden.

Quelle dieses Beitrages:

proDente e.V.
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