Hessische Heilberufskörperschaften unterstützen Mitglieder bei der Behandlung von Flüchtlingen: „Wir müssen und wollen helfen“

Zahnärztin Petra Völkner-Stetefeld untersucht eine asylsuchende Patientin (Foto: Foto: Knauff-Oliver)
 
Die Behandlung von Kindern, die teilweise durch die lange Flucht stark traumatisiert sind, stellt die Behandler vor eine große Herausforderung. Hier ist das besondere Fingerspitzengefühl des gesamten Praxisteams gefordert! (Foto: Initiative proDente e.V. Köln)
Frankfurt, 21. Oktober 2015.
Es ist noch nicht lange her, dass Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Hessen begeistert empfangen wurden. „Nach wie vor ist die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung groß. Angesichts des nicht nachlassenden Zustroms von Asylbewerbern steht inzwischen
allerdings die Frage im Mittelpunkt, wie die damit verbundenen Herausforderungen
bewältigt werden können. Dies gilt besonders auch für die medizinische Betreuung und Versorgungder Hilfesuchenden“, erklärt der Präsident der Landesärztekammer Hessen Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach für das Bündnis heilen & helfen der hessischen Heilberufskörperschaften.

„Ärzten, ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten, Zahnärzten und
Apothekern kommt dabei eine wichtige Aufgabe zu: Wir müssen und wollen helfen, denn Flüchtlinge haben Anspruch auf notwendige Behandlungen und Versorgung mit Arzneimitteln“.Die notwendige Arzneimittelversorgung wird hierbei durch die Apotheken vor Ort organisiert,so Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen.

Voraussetzung dafür, dass die Hilfe bei den Menschen ankommt, sind der Abbau bürokratischer Hürden, eine gesicherte Finanzierung der therapeutischen Leistungen und eine ausreichende Zahl qualifizierter Dolmetscher. „Die Einführung der geplanten Gesundheitskarte in Hessen, die von Land und Kommunen finanziert werden soll, ist ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung. Es muss jedoch unbedingt angestrebt werden, die ärztlichen und zahnärztlichen Leistungen nicht aus dem ohnehin schon stark belasteten GKV-Topf abzuschöpfen“, stellt Dr. Michael Frank, Präsident der Landeszahnärztekammer Hessen (LZKH), fest. Durch Motivation, Beratung und Serviceangebote leisten auch die Heilberufskörperschaften selbst ihren Beitrag.

So hat die Landesärztekammer Hessen (LÄKH) ihre Mitglieder bereits im August zur Mithilfe bei der Versorgung von Flüchtlingen aufgerufen. Unter www.laekh.de/fluechtlinge sind auf der Website der Kammer Informationen und Links für Ärzte und Flüchtlinge zu finden. Auf der Website der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV Hessen) sind unter www.kvhessen.de/fluechtlinge Anamnesebögen und Medikamentenpläne in verschiedenen Sprachen sowie Informationen zu den geltenden rechtlichen Grundlagen eingestellt.

Auf den Online-Seiten der Landeszahnärztekammer Hessen www.lzkh.de sind ebenfalls Informationen und Anamnesebögen in unterschiedlichen Sprachen sowie Piktogramme zur Unterstützung bei der Behandlung von fremdsprachigen Patienten eingestellt. Die Landeszahnärztekammer Hessen stattet aktuell ihre 7.000 hessischen Zahnärztinnen und Zahnärzte mit dem neuen Piktogrammheft der Bundeszahnärztekammer aus, mit dessen Hilfe Behandlungsabläufe in Form von Grafiken erläutert werden können.

Laut Stephan Allroggen, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen, stehen die hessischen Zahnärzte in Verhandlungen zum Abschluss einer Rahmenvereinbarung mit dem Städte- und Landkreistag, die es ermöglicht, die Therapieentscheidung im Rahmen der Akut- und Schmerzversorgung allein durch den Zahnarzt treffen zu lassen. Dies soll das Verfahren für die Flüchtlingsbehandlung erheblich erleichtern.

Auf der Plattform www.zm-online.de werden Anamnesebögen und Patienteninformationen in über 30 Sprachen angeboten.

Um die Kommunikation zwischen Apothekern und fremdsprachigen Patienten zu unterstützen, gibt es mehrsprachige Einnahmepläne für Arzneimittel. „So können den Patienten wichtige Einnahmeinformationen zu den Arzneimitteln zugänglich gemacht werden, um Einnahmefehler zu vermeiden“ erklärt Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen.

Flüchtlinge haben in ihrem Herkunftsland und auf der monatelangen Flucht Schreckliches erlebt. Vor allem Kinder und Jugendliche sind davon überfordert, manche sind traumatisiert und benötigen psychotherapeutische Behandlung. Doch dafür braucht es Dolmetscher, denn „nach Überwindung so vieler Grenzen bleibt die Sprachbarriere“, sagt Alfred Krieger, der Präsident der Psychotherapeutenkammer Hessen. Die Bereitschaft der Mitglieder, sich zu engagieren, ist hoch. So haben sich beispielsweise in Frankfurt auf Initiative des Gesundheitsamts und des Sigmund-Freud-Instituts ärztliche, Psychologische und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten
bereit erklärt, Flüchtlinge, aber auch professionelle und ehrenamtliche Helfer zu unterstützen. „Über die Hilfe für die Flüchtlinge“, so Krieger weiter, „dürfen wir die
Hilfe für die Helfer nicht vergessen.“ Die hessischen Heilberufe stehen auch bei der Flüchtlingsbehandlung uneingeschränkt zum hippokratischen Eid.


Kontakt:
Stellvertretend für die beteiligten heilberuflichen Körperschaften
Katja Möhrle, Pressestelle der Landesärztekammer Hessen
Tel.: 069 97 67 2 - 188
Fax: 069 97 67 2 - 224
Katja.Moehrle@laekh.de
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