Mühlentag 2016 - Station 1: Die Almhorster Windmühle

Almhorster Mühle 2016, Nutzung als Wohngebäude
 
Almhorster Mühle um 1900
 
... ungefähr der gleiche Blickwinkel, aber 2016
Seelze: Almhorster Mühle | Die erste Station meiner Mühlentour 2016 war die Almhorster Mühle, also praktisch gleich bei mir um die Ecke...
Die Galerieholländermühle hat schon lange keinen Windantrieb und Galerie mehr, in den 1980er Jahren war lediglich noch der leere Mühlenturm mit defekter Mühlenhaube vorhanden.
Durch Privatinitiative wurde die Mühle dann zu Wohnzwecken ausgebaut, die Fassade mühevoll wieder aufgebaut und auch eine neue Mühlenhaube wieder installiert.
Die Windmühle bleibt auf diese Weise auch weiterhin als markante Landmarke erhalten.

Wie mit dem letzten Foto gezeigt ist es von hier aus nur ein "Katzensprung" bis zur 2. Station meiner Mühlentour 2016, der Harenberger Windmühle...
davon demnächst mehr...



Zur Geschichte der Almhorster Mühle hier eine Ausführung von Rüdiger Hagen sowie Cordula Grobelny

Gedanken zur Bau- und Betriebsgeschichte (Auszug)


Im Seelzer Stadtgebiet haben sich einst vier Windmühlen gedreht: in Lohnde in der Krummen Masch, in Almhorst, auf dem Gut Dunau bei Lathwehren und in Harenberg. Wenn auch längst keine mehr in Betrieb ist, sind doch drei dieser Mühlengebäude bis heute erhalten.
Zu den noch existierenden Windmühlen gehört die Almhorster Mühle. Sie feierte im Jahr 2007 ihr 125-jähriges Jubiläum. Grund genug, etwas über ihre Bau- und Betriebsgeschichte zu Papier zu bringen.
Der Müller Wilhelm Rindfleisch ließ diese Mühle 1882 als in Ziegelstein gemauerte Holländermühle mit hölzerner Galerie zum Bedienen der Flügel erbauen. Eine sandsteinerne Inschriftplatte über der Eingangstür wies das Baujahr aus. (Sie ist erhalten, mußte aber beim notwendigen Aufmauern der Außenhaut entnommen werden.)
Die Mühle ist eine der größeren Holländermühlen der Region und mit fünf Böden (Geschossen) ausgestattet (siehe Zeichnung Querschnitt). Die ursprüngliche Einrichtung bestand aus einem Mahlgang für Weizen, einem Mahlgang für Roggen und einem Futterschrotgang, zwei Mehlsichtmaschinen (sog. "Sechskantsichter") und einem Fahrstuhl zum Transport der Mehl-, Schrot- und Getreidesäcke.
Der Antrieb der Mahl- und Schrotgänge erfolgte von unten durch eine senkrecht stehende Königswelle aus Stahl und ein großes eisernes Stirnrad. Lediglich die im drehbaren Mühlenkopf (Kappe) befindliche Flügelwelle mit dem großen Kammrad bestand noch aus Holz, trug aber der Bauzeit entsprechend schon einen eisernen Wellkopf.
Die Kappe wurde durch eine achtflügelige Windrose automatisch in den Wind gedreht, die Flügel besaßen je nach Windrichtung selbstständig einstellende Jalousieklappen. Mit diesen Einrichtungen gehörte die Almhorster Mühle damals zu den leistungsfähigsten der Region.
1886 ließ Müller Rindfleisch vor der Mühle an der Landstraße das Müllerhaus errichten. Die Mühle selbst konnte nur etwas abseits der Straße im Feld stehen, damit durch die drehenden Flügel nicht die Pferde scheuten. Im Müllerhaus wurde auch eine kleine Bäckerei untergebracht.
Der Betrieb florierte anscheinend gut, und um von Wind unabhängiger zu werden, ließ Rindfleisch in einem besonderen Maschinenhaus einen Gasmotor aufstellen, der die Mühle bei Windstille antrieb. Wahrscheinlich fand dieser Umbau um 1900 statt.
Die Almhorster Windmühle um 1900 mit Flügeln, Galerie und Windrose. Vorn, an der Straße nach Seelze, das Müllerhaus und Müller Rindfleisch mit Familie. Hinter Wilhelm Rindfleisch ist der Anbau für den Gasmotor zu erkennen.
Der Mühlenbetrieb befand sich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts auf seinem Höhepunkt. Schnell und unerwartet begann jedoch wenig später der Niedergang dieser bedeutenden Windmühle. Im Jahr 1930 brachen die Flügel ab. Sie zu ersetzen war dem Müller offenbar finanziell nicht möglich. Über einige Jahre trieb noch ein Motor die Mahlwerke an, der Mühlenbetrieb ging jedoch immer weiter zurück, und 1942, wurde die Mühle endgültig stillgelegt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der vordere Teil der hölzernen Welle abgesägt, den Kopf ließ man zu Boden stürzen, wobei die Turmmauer beschädigt wurde. Die Flügelwelle wurde ausgebaut und vor der Mühle aufgestellt. Für den etwa 1,5 Tonnen schweren Wellenkopf konnte man in der trostlosen Nachkriegszeit noch gute Schrottpreise erzielen. Noch immer befanden sich zwei Mahlgänge und die Sichtmaschinen in der Mühle. Sie wurden Mitte der 1950er Jahre an die Windmühle Sorsum bei Wennigsen verkauft.

Rüdiger Hagen

Die jüngere Geschichte


Nach der Demontage stand die Mühle über Jahrzehnte leer und verfiel weitgehend, so daß in den 1980er Jahren dort nur noch eine hohle Röhre stand.
Zwar wurden etliche Zeitungsartikel über den beklagenswerten Verfall der Mühle geschrieben, sonst passierte allerdings nichts. Die Mühle stand nicht unter Denkmalschutz - sie war schon verfallen, als das Denkmalkataster des Landkreises Hannover um 1980 erstellt wurde -, daher gab es auch keine Zuschüsse zur Restaurierung.
Im Jahr 1987 verkaufte der damalige Eigentümer die Mühle an ein interessiertes Studentenehepaar aus Garbsen, und nachdem es - mit etlichen Auflagen - grünes Licht vom Bauamt gab, standen die folgenden Jahre ganz im Zeichen von Umbau zu Wohnzwecken, Renovierung und Erneuerung.
Türen und Fenster wurden eingebaut, neue Holzbalkendecken eingezogen, überall wurden Stromkabel und Fußbodenheizungsrohre verlegt, denn an runden Wänden lassen sich natürlich normale Heizkörper ausgesprochen schlecht anbringen. Auch war es nicht so einfach, passende Treppen in den Mühlenkörper zu integrieren.
25.000 rote Klinker waren nötig, um der Almhorster Mühle auch von außen wieder ihr früheres Aussehen zu verleihen. Im Jahr 2000 wurde dann die marode und wurmstichige Mühlenkuppel durch eine neue Kupferhaube ersetzt.
Den Gedanken an neue Flügel, mit denen per Generator Strom erzeugt werden könnte, hat Cordula Grobelny, die seit 20 Jahren in der Almhorster Mühle wohnt, erst einmal ad acta gelegt, wenn auch alle technischen Voraussetzungen dafür bei der Renovierung vorgesehen wurden. Natürlich wäre es sehr reizvoll die Mühle wieder auf moderne Weise in Betrieb zu setzen, aber da Investitionszuschüsse nicht zu erwarten sind, stehen Aufwand und Nutzen in einem sehr ungünstigen Verhältnis.

Cordula Grobelny
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4 Kommentare
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Gundu la aus Mannheim | 17.05.2016 | 23:26  
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