Anneli Bronner, Leiterin des Kulturbüros Neusäß, blickt auf das Jahr 2014 zurück

Musiksommer: Classic Voices mit Young Stage im Schloss Hammel (Foto: Stadt Neusäß)
 
Musiksommer: Susanne Kapfer von Young Stage mit Classic Voices im Schloss Hammel (Foto: Stadt Neusäß)
 
Musiksommer: Serenade am Teich (Foto: Stadt Neusäß)
 
Musiksommer: Anneli Bronner (Mitte) mit 1. Bürgermeister Ricahrd Greiner (2.v.r.), 3. Bürgermeisterin Monika Uhl (l.)
Auch im Jahr nach dem turbulenten Jubiläum 2013 feierte Neusäß munter weiter. Den Freiluftauftakt machte „Kultur im Park“. Das Fest ist stets gekoppelt mit einer Großveranstaltung, heuer mit der Bayernrundfahrt. Leider spielte der Wettergott nicht mit. Das nasskalte Wetter tat der Presley Family kaum Abbruch, zum gemütlichen Feiern im Park lud es nicht ein.

Dem bisher umfang- und erfolgreichsten Musiksommer war der Wettergott hold – heuer ein rarer Glücksfall. Sonne pur machte die Serenade am Teich mit dem Kammerorchester letztmals unter Frank Lippes Leitung zum reinsten Genuss. Zur heißen Musicalnacht des rassigen Bühnennachwuchses von Young Stage passten tropische Temperaturen. Regentropfen trübten den eindringlichen Klang von Didgeridoos und des Schlagzeugs Walter Bittners in Olli Marschalls wunderbarem Gartenatelier kaum. Auch indoor boten die Sommerklänge musikalische Perlen. Ein absolutes Highlight des Veranstaltungsjahres 2014 lieferte die Klassiktruppe von Young Stage unter der erfahrenen Leitung Elisabeth Haumanns im Schloss Hammel Hier verschmolzen herrliche, junge Stimmen mit dem stilvollen Saal und der alten Musik zu glanzvoller Harmonie. Das ist Nachwuchspflege vom Feinsten. Die Neusässer Sommerklänge entwickelten seit 2010 ein eigenes Profil. In programmatischer Hinsicht erfüllen sie diverse Funktionen: sie finden an ungewöhnlichen Orten statt, dezentral in Neusässer Ortsteilen, in- wie outdoor und zeigen primär regionales Musikschaffen. Exemplarisch dafür steht der Neusässer Musikwettbewerb, ausgerichtet von der Sing- und Musikschule Neusäß e.V. - für Zuschauer aus Neusäß und Umgebung. Den lokalen Aspekt ergänzen überregionale Highlights. Ein glanzvolles Beispiel für das produktive Ineinander von Regionalem und Überregionalem liefert das Kammerorchester. Es bestreitet traditionell im Rahmen der Sommerklänge mit der italienischen Partnerstadt ein Gemeinschaftskonzert. Mit dem professionell geschulten Coro Polifonico di Bracciano ließen die Neusässer 2014 stimmgewaltig „La Musica“ hochleben mit Opern- und Operettenmelodien. Den krönenden Abschluss des Musiksommers bildete Monika Drasch, die Wegbereiterin der neuen Volksmusik mit betörend leisen wie auch mitreißenden, tempogeladenen Rhythmen. Das war allererste Sahne, innovativ, im Heimatsound, so bayrisch wie international, inhaltlich und musikalisch kritisch, und dennoch zu Herzen gehend, ohne jeden Kitsch. Sie zog Publikum aus ganz Bayern an, trotz des WM-Endspiels. Natürlich berücksichtigten wir bei der Programmplanung externe Faktoren wie die WM. Dem musikalischen Highlight folgte das sportliche, ein Zufall, nicht planbar, aber genial.

Am Musiksommer, wie am Stadtfest – beides findet im jährlichen Wechsel statt – lässt sich die kulturelle Nachwuchsarbeit der Stadt Neusäß gut ablesen. Die Sing- und Musikschule Neusäß trägt unter der motivierten und kreativen Leitung von Angelika Jekic wesentlich dazu bei mit immer neuen, pfiffigen Ideen, u.a. Laden- und Baustellenkonzerten, Violin-Abendmusik und dem beeindruckenden Preisträgerkonzert .

Die Stadt investiert viel in die Kultur gemäß dem Bay. Verfassungsauftrag: „Bayern ist ein Rechts-, Kultur- und Sozialstaat“, heißt es in Art. 3 Abs. 1. Art. 140 fordert zudem: „Kunst und Wissenschaft sind von Staat und Gemeinde zu fördern“. Für das Haus der Musik und Jugendkultur als 1. Baustein der neuen Stadtmitte, gab die Stadt 6,9 Mio. aus. Die künftigen Bewohner, Musikschule, Stadtkapelle, Kammerorchester, Narrneusia und das Jugendkulturhaus STEREOTON freuen sich auf die Eröffnung im Sommer.

Klar setzt Augsburg auf seine Geschichte als Mozart-, Brecht- und Fugger-Stadt. Das allein genügt nicht, wenn kein Geld da ist zum Unterhalt, wie die Schließung des Römischen Museums zeigt. Neu-säß ist mit 25 Jahren eine vergleichsweise junge Stadt. Sie bietet Familien neben Wohnraum einen hochwertigen, breit gefächerten Bildungsbereich von der Krippe über alle Schularten bis zu Gymnasium, Berufliche Schulen, FOS,BOS, an denen man Wissen vermittelt und auf kulturelle Bildung setzt.

Die Affinität der Stadt Neusäß zu Kultur demonstriert exemplarisch ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Bildungsinstitutionen, das Kindermusiktheater „Ein Tropfen Zeit“. Peter Dempf, Lehrer am Neusässer Gymnasium und renommierter Autor historischer Romane und Kinderbücher, punktete in Neusäß als Autor und Regisseur des Stücks zum Stadtjubiläum. 2014 folgte ein Kinderstück aus Dempfs Feder mit Musik von Kurt Eichenseher. Band und Solisten stellt u. a. die Musikschule, Sprechrollen und Chor das Gymnasium, die Tänze das Ballettstudio Jagob. Die Stadthalle knüpft damit an die Tradition erfolgreicher Eigenproduktionen im Kindermusiktheater an, wie Peterchens Mondfahrt oder Dschungelbuch. Frenetischer Applaus erfüllte zweimal die vollbesetzte Stadthalle, obwohl das rasant inszenierte Stück die Weihnachtshektik kritisiert und ihr die Stade Zeit entgegenhält. Alle Altersgruppen rappten am Ende im Rhythmus der fetzigen Songs mit. Wegen des großen Erfolgs gab es vor Weihnachten eine Zusatzvorstellung.

In der Stadthalle punkteten wie stets die Kabarettgrößen, weniger TV-erprobte Stars als kritische Köpfe. Der Auftritt des derzeit zu den besten politischen Kabarettisten Deutschlands zählenden Volker Pispers war seit Monaten ausverkauft, wie 2013 Georg Schramm. Das spricht für beide, für das Neusässer Programm und das Publikum, das zu diesen Größen, die sich rar machen in Bayern, von weit her anreist. Auch der bay. deftige Grünwald und der Allgäuer Shooting-Star, Maxi Schafroth gehören der Kabarettführungsriege an, die regelmäßig in Neusäß gastiert. Dann wäre da noch die bay. Kabarettistin: Die Gruberin. Sie trat 2006 erstmals im Raum Augsburg in Neusäß auf, und hält uns seither die Treue. Darauf sind wir stolz. Am 18. 10. standen die Ersten vor 4.00 Uhr an, um Karten zu kaufen – sie kamen vom Tegernsee. Die Schlange zog sich vom Rathausplatz bis zur Hauptstraße über die Tiefgarageneinfahrt hin. Hunderte, die Stunden anstanden, gingen 40 min. nach Verkaufsstart ohne Tickets heim. Gemäß ihrem Titel „Irgendwas is immer“, folgte eine Vorverlegung des ausverkauften Termins vom 11. auf den 10. März 2015.

Die örtlichen Kabarettisten, der Geisterfahrer an Silvester 2014, Herr & Frau Braun an Silvester 2015, auch die Traumfraun am 27.3., füllen ebenso die Halle mit Besuchern aus der Region. Das ist gut so und entspricht unserem kulturellen Verständnis.

Auch beim kleinen aber feinen Weihnachtsmarkt sorgen Neusässer wie Auswärtige für ein breit gefächertes Warenangebot, altbewährte und auch neue kulinarische Genüsse. Weihnachtsmarktfeuer, Nikolaus, lebende Krippe, Ponykutsche und weihnachtliche Musik unterstreichen den heimeligen Charakter des Neusässer Marktes, den Margit Endres im städtischen Kulturbüro organisiert.

Nachwuchskünstler, auch unserer Region treten wieder beim Stadtfest 2015 auf. Vom 3. bis 5. und vom 9. bis zum 12. Juli 2015 steht ein vielfältigen kulturelles Programm an aus bekannten und noch weniger bekannten Größen, mit einem Schwerpunkt auf musikalisch innovativen Angeboten der neuen Volksmusik, die Internationalität mit regionaler Verwurzelung paart unter dem Begriff „Heimatsound“, den wir seit Jahren auf unseren Stadtfesten präsentierten.

Auch im Stadthallenprogramm, v.a. im Theater, spüren wir auch neuen Strömungen nach. Dank der Möglichkeit, ernstes und unterhaltendes Abo zu trennen, konnte man sich ohne Reue beim umwerfenden Semmelrogge im Rosenkrieg und Hans Peter Korff als Loriot amüsieren, auch Neues entdecken, wie die süffisante Komödie der Walser-Tochter Theresia über Diktatorengattinnen mit Doris Kunstmann, oder die Beziehungskomödie des Kultautors Moritz Rinke mit Helmut Zierl. 2015 folgen „Glück“ mit Peter Bongartz und Barbara Wussow, im ernsten Abo ein erstklassiger Othello und ein Beziehungsdrama mit Suzanne von Borsody und Guntbert Warns . Lust- und lebensvoll inszenierte Klassiker werden immer beliebter. Die Abo-Saison 15/16 setzt ein mit Ibsens Volksfeind, lustvoll inszeniert von Christoph Brück, der mit einem spektakulären Kreidekreis und einem kraftvollen Don Karlos bestach. Im Musikabo lockte H.-U. Höfle mit Berliner Liedern, die ReBeatles, eine der besten Cover-Bands, entführt nach Liverpool, bevor die musikalische Reise im Januar nach Bayern zurückkehrt mit Christian Auers spritziger Hochstapler-Revue.

Der Wechsel Richard Greiners vom 2. sog. Kulturbürgermeister auf den Chefsessel unterstreicht die Bedeutung der Kultur in Neusäß. Als gebürtiger Südtiroler, der am MT-Gymnasium die Fachschaft Italienisch aufbaute, setzt er hier Akzente, wie die Städtepartnerschaft mit Bracciano. Nicht nur die Konzerte mit dem Coro Polifonico im Musiksommer regte Greiner an, auch eine weitere dt.-italienische Kooperation, ein Konzert der schwäbischen Orchesterakademie Juventhusias, die schon beim Schlosshofkonzert im Musiksommer 2012 das Publikum bestach, mit dem ebenfalls jungen Orchester Giovanissimi die Bologna, ein Meilenstein für die Amicitia Sinfonica Transalpina und die Förderung des kulturellen Nachwuchses in Neusäß.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin neusässer | Erschienen am 23.12.2014
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