Stockholm in 6 Tagen – ein Reisebericht

Souvenir-Shop in der Altstadt von Stockholm
 
Kämpfende Braunbären im Skansen
 
Diese Sitzschale ist echt bequem.
 
Tyresta Nationalpark
Einsames Holzhaus aus am See, unberührte Wildnis und blonde Traumfrauen? So stellten mein Bruder und ich uns vor einigen Jahren Schweden vor, so wollten eine tolle Zeit im Freundeskreis in Schweden verbringen. Jetzt hatte es endlich geklappt mit der Reise, allerdings unter ganz anderen Voraussetzungen. Denn wir besuchten von Ende März bis Anfang April 2014 zu zweit mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwei komplett andere Orte: zuerst Schwedens Hauptstadt Stockholm, die aus lauter Inseln besteht, im Anschluss holten wir den Winter in Kiruna, Lappland, nach. Dieser Beitrag erzählt von unseren Erlebnissen in Stockholm. Wer allgemeine Reiseinformationen zu Schweden sucht, klickt hier.

Tag 1: Spaziergang durch Gamla Stan
Am Sonntag, 23. März, besorgten wir uns direkt am Flughafen Arlanda die Stockholm Card für fünf Tage, setzten sie aber erst am Montag ein. Besitzer der Stockholm Card fahren kostenlos mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und haben freien Eintritt zu zahlreichen Museen und Sehenswürdigkeiten. Mit dem Flygbussarna, dessen Fahrkarten wir nur per Kreditkarte am Automaten bezahlen konnten, ging es vom Flughafen zum Hauptbahnhof. Von da aus in zirka 20 Minuten zu Fuß in unsere Unterkunft in der Altstadt (Gamla Stan), das Hostel Castanea. Nach dem Check-In verbrachten wir den Rest des Tages mit einem Spaziergang durch die malerische Altstadt mit engen Gassen, die mit zahlreichen Touristen-Läden und Cafés aufwarten. Anschließend trugen unsere Füße uns zur Nachbarinsel Skeppsholmen und in den Kungsträdgarden, wo wir uns mit einem Burger im Fridays stärkten, ehe wir uns abends ein Bier im O'Connells in der Altstadt, einem der unzähligen Irish Pubs in Stockholm, genehmigten.

Tag 2: Kämpfende Braunbären, ein trauriges Chamäleon und Vlad, der Pfähler
Mit der Witterung hatten wir während unserer gesamten Reise Glück. Kein Regen, nur wenige Grad kälter als im für diese Jahreszeit ungewöhnlich warmen Bayern und die Sonne ließ sich auch blicken. Dafür wehte uns öfters mal ein kälterer Wind ins Gesicht. Den Montag verbrachten wir per Pedes auf der Insel Djurgaden mit seinen zahlreichen Touristenattraktionen.

Erste Etappe: Skansen, eine Mischung aus Freilichtmuseum und Tierpark. Dort bummelten wir rund vier Stunden über das weitläufige Gelände, sahen viele Häuser vergangener Zeiten von außen und wenige wie die Holzfällerhütte, in der laut anwesendem Holzfäller bis zu zehn Kollegen schliefen und aßen, von innen. In den Freigehegen lagen Rentiere und die einzigen Elche, die wir auf der Reise vor die Linse bekamen, dösend auf der Erde. Luchs, Fuchs und Wolf zeigten sich nicht, dafür ein agiler Vielfraß in seiner Anlage, ein freies, munteres rotbraunes Eichhörnchen, das die Holzhäuser zu seinem Spielplatz erklärte, und zwei kämpfende Braunbären.

Im Innenbereich, dem Skansen Aquarium, überraschte uns die Pavian-Anlage, in der ein Jeep hing. Der Chef der Primaten-Meute hatte seinen Willen gegen die schwedische Bürokratie durchgesetzt. Das Auto der Expedition, die ihn nach Schweden brachte, gehört nun ihm – zwar ohne Motor und mit Nummernschild, aber immerhin. Zahlreiche Schlangen, eine Erdmännchen-Kolonie und ein trauriges Chamäleon, das immer wieder verzweifelt an die Scheibe seines offenbar viel zu kleinen Terrariums stieß, sahen uns aufmerksam vorbeimarschieren. Für den Niedlichkeitsfaktor sorgten muntere Erdhörnchen (Anthelope Ground Squirrel), die sich gemeinsam mit einer Gilamonster genannten Echse sowie Schildkröten die Anlage teilten. Manche Erdhörnchen flitzten über den Sand, andere putzten sich, ein weiteres ritt auf dem Panzer einer Schildkröte – ein herrliches Schauspiel, wenn auch hinter Glas.

Den Rest des Nachmittags verbrachten wir im Nordiska Museet (Nordisches Museum), einem imposanten Bau, der die Kulturgeschichte der schwedischen Volksgruppen ausstellt. In knapp eineinhalb Stunden schafft der Besucher die Tour, was angesichts der enormen Größe des Gebäudes sehr verwunderlich klingt. Ebenso merkwürdig mutet an, dass die „Sitzschale“ siehe Foto) von den zum Probesitzen im Treppenhaus ausgestellten Sitzgelegenheiten die angenehmste ist.

Zum Abendessen machten wir uns Pasta in der Hostel-Küche, wo inzwischen eine finnische Schulklasse Leben in die Bude brachte. Danach zockten wir eine Runde Mastermind, was wir flugs zur abendlichen Stockholm-Tradition erhoben. Mit der S-Bahn zog es uns nach dem Gehirnjogging in die Vampire Lounge nach Södermalm (Südstadt). Der sahnige Cocktail „Vlad the Impaler“ (Vlad, der Pfähler) erfreute sich nicht nur bei uns einer gewissen Beliebheit.

Tag 3: Geballte Ladung Museen rund ums Schloss
Am Dienstag standen fünf Museen rund ums Schloss, nur fünf Gehminuten vom Hostel Castanea entfernt, auf dem Programm. Zum Auftakt begutachteten wir für eineinhalb (ich) bzw. zwei Stunden (mein Bruder) Münzen im Myntkabinett. Nur manche der Texttafeln im Museum waren neben Schwedisch auch auf Englisch. Viele der Exponate stammen übrigens aus Deutschland, darunter auch einige aus Augsburg.

Die Schatzkammer beherbergt Kronen, Schwerter und königliche Insignien. Für die zwei Räume benötigt der Stockholm-Besucher maximal zehn Minuten. Der Eintritt lohnt sich ebenso wie das Museum Tre Kronor nur mit Stockholm Card. Das Tre Kronor liegt in einem hübsch dekoriertem Gewölbe, ist aber dennoch textlastig. Wer Interesse an Geschichte hat, erfährt hier unter anderem, dass es im 17. Jahrhundert ständig gebrannt hat und bekommt viele Mauerstücke zu Gesicht. Nach rund 20 Minuten geht’s die Treppen hinauf direkt weiter ins Schloss Kunglinga Slottet, für das interessierte Museumsbesucher eine Stunde einplanen. Lehrreich für uns war vor allem, dass der silberne Thron vom Augsburger Abraham Drentwett angefertigt wurde.

Die fünfte Station des Tages war die Rüstkammer. Im Keller parken Kutschen verschiedener Epochen, im Obergeschoss fand temporär eine Kleider-Ausstellung zu „Game of Thrones“ statt, Anprobe inklusive. Im übrigen Teil des Museums sind erwartungsgemäß Rüstungen von Mensch und Pferd, Pistolen, Schwerter, Stichwaffen, Hellebarden und Kleidung zu sehen. Wie schon im Myntkabinett sind auch hier nicht alle Erklärungen auf Englisch. Zwischen 45 Minuten und 1,5 Stunden lassen sich in der Rüstkammer verbringen – je nach Anprobierlaune.

Nach der geballten Ladung Bildung wurde es Zeit für eine Schlemmerpause in der Altstadt. Im Café Järntorget futterte ich erst eine sehr leckere Quiche-Portion, gefolgt von drei Kugeln leckerem Eis: Triple-Chocolate + Rainbow + Strawberry-Cheesecake. Mein Bruder wählte die ebenfalls eher ungewöhnlichen Sorten Safran-Honey, Pecanut-Caramel und Vanilla Madagascar.

Am frühen Abend lockten uns Kunst und Aussicht in das sechste Museum für diesen Dienstag. Von den temporären Fotoausstellungen im Fotografiska hatte die verstörende Hässlichkeit der Fotografien „Asylum of the Birds“ von Roger Ballen einen nachwirkenden Reiz, vor allem, wenn man den im Fotografiska gezeigten Kurzfilm dazu sieht. Für Inhaber der Stockholm Card lohnt sich der Besuch sogar ohne Interesse an Kunst, denn die Panoramaaussicht auf Stockholm vom Obergeschoss ist hervorragend. Den Ausklang des Abends besorgten im Hostel Pasta und Mastermind sowie ein Bier in einem Quiz-Pub.

Tag 4: Hagaparken, Junibacken und Vasamuseet
Ein bisschen zu kühl und windig war es am Mittwoch, um länger durch Hapaparken Nord zu spazieren. Doch unser Hauptziel am Vormittag war ohnehin das Schmetterlingshaus mit Haga Ocean. Pfeilgiftfrösche tummelten sich zur Fütterung hinter Glas auf dem Moos, Schmetterlinge flatterten frei durchs schwüle Haus und Haie schwammen durchs Aquarium. Für Hobbytierfotografen und Familien mit Kindern ein toller Ort. Mittags zelebrierten wir „Nahrungsshopping“ im Fresstempel der Oststadt, Östermalm Saluhall. Wir packten Köttbullar mit Pittipanna (Hackbällchen mit Geröstl), einen Kartoffel-Karotten-Auflauf, Västerbotten-Käse und leckere Nachspeisen ein und verspeisten sie im Hostel.

Weitere Museen auf der Insel Djurgaden standen am Nachmittag auf dem Programm. In der Kindheit schwelgen wollten wir in Junibacken. Auf dem mit rund 15 Euro Eintritt (umsonst mit der Stockhom Card) völlig überteuerte, überdachte Kinderspielplatz mit seinen begehbaren Häusern aus Geschichten von Astrid Lindgren (z.B. Villa Kunterbunt) bietet noch eine Fahrt mit der Gondelbahn durch eine Geschichten-Landschaft, erfüllte unsere nostalgischen Erwartungen jedoch nicht. Nach 15 bis 30 Minuten waren wir immerhin um eine Geschichte mit scheinbarem Leitmotiv „Suizid“ reicher: „Die Brüder Löwenherz“.

Wesentlich mehr Zeit, nämlich zwei bis drei Stunden, benötigen Stockholm-Besucher für das Vasamuseet. Fotografieren ist dort nur für den Privatgebrauch erlaubt. Auf mehreren Etagen berichtet das interessante Museum vom Untergang und der Bergung der Vasa, die bei ihrer Jungfernfahrt nicht einmal aus dem Hafen herauskam. Museumsbesucher erfahren dort mehr über die Todesopfer, das Leben auf dem Schiff und Archäologie. Die Vasa selbst steht restauriert (angeblich zu 98% original) als ganzes Schiff im Zentrum des Gebäudes. Interaktive Elemente wie beispielsweise ein Computer, an dem man die Vasa so umbauen kann, dass sie den Krängungsversuch übersteht (und wohl nicht sinkt), machen Spaß und sind obendrein lehrreich.

Nebenan im Spritmuseum geht es um Alkohol, vor allem um Absolut Vodka. Selbst wer nur eine halbe Stunde Zeit hat, kann diesen Programmpunkt noch mitnehmen. Wer alle Interaktionsmöglichkeiten nutzt und Geruchsproben nimmt, kann auch eine Stunde im Spritmuseum verbringen. Gemütlich ein Bier getrunken haben wir abends in der Nada Bar in Södermalm, wo wir mit einem Schweden und einer Französin ins Gespräch kamen und uns je nach Können in verschiedenen Sprachen unterhielten (hauptsächlich wurde Spanisch gequatscht).

Tag 5: Tyresta Nationalpark und IceBar
Zirka eine Stunde Busfahrt vor den Toren Stockholms liegt der Tyresta Nationalpark. Ein naturbelassener Primärwald mit hübschen Seeufern und einem kleinen Dorf. Naturidylle in Großstadtnähe, erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Donnerstag war Wandertag. Am Abend schauten wir in der Absolut IceBar in Stockholm vorbei und tranken, in eine Thermojacke gehüllt, aus einem Glas, bestehend aus Eis des Torne-Flusses. Nur wenige Tage später sollten wir in Jukkasjärvi bereits an der Quelle des Eises dieser Bar unseren Spaß haben.

Tag 6: Schärenschifffahrt nach Växholm
Ende März hat die Saison für Schärenschifffahrten noch nicht begonnen. Wir fanden nur einen Anbieter (Waxholmsbolaget, Ticket kauft man auf der Fähre), der bereits schipperte. Nur von Freitag bis Sonntag, nur nach Växholm, nur einmal täglich hin und zurück. Da das Fort in Växholm leider nicht geöffnet hatte, war unser Spaziergang über die Insel etwas ausgedehnter. Dazu kam auf Hin- und Rückfahrt je fast eine Stunde Ausblick auf die Schärenlandschaft. Bei unserer Rückkehr nach Stockholm gegen 16 Uhr hatten die in Frage kommenden, nahen Museen (z.B. Postmuseum) bereits ihre Türen geschlossen, sodass wir stattdessen zum Abschluss unseres Stockholm-Trips durch die Altstadt bummelten. Dabei suchten wir fast jeden Souvenir-Shop heim, durchstöberten das Angebot, kauften aber letztlich nichts – es ging uns auch gar nicht darum, ein Mitbringsel oder Andenken zu finden.

Fazit: Stockholm lohnt auf jeden Fall einen Besuch. Gerade das Insel-Panorama und die hohe Dichte an kulturellen Einrichtungen macht die Stadt zu einem Reiseziel für Familien. Mehr zu Unterkünften und Verkehrsmitteln sowie allgemeine Reiseinformationen finden Sie hier.
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