Vernunft gebietet: Frieden in Europa

    Marburg, im Mai 2014

Viele Menschen in Deutschland und Europa treibt die Sorge um, dass die Entwicklung in der Ukraine nicht nur die Wiederkehr des Kalten Krieges einläutet, sondern der Friede in Europa ernsthaft gefährdet ist. Daher rufen Künstler, Wissenschaftler, Politiker und andere Prominente dazu auf, die verbale und reale Eskalation in der Ukraine zu beenden. Die Bandbreite reicht von Ewald Lienen, über Manni Breuckmann, zu Heiner Flassbeck und Hannes Wader. Bitte unterzeichnet diesen Aufruf- und wählt am Sonntag Parteien und Personen, die sich der Eskalation widersetzen.

Verbale und reale Eskalationen sind keine Lösung –
den Krieg in und um die Ukraine verhindern!


Gesellschafts- und parteiübergreifender Aufruf für den Frieden in Europa

Wir, die Unterzeichnenden, fordern alle verantwortlich Beteiligten in Politik und Militär auf, die verbalen und realen Eskalationen unverzüglich einzustellen und konkrete Schritte einzuleiten, um zu einem gemeinsamen und friedlichen Interessenausgleich im Ukraine-Konflikt zu gelangen.

Wir fordern die Übergangsregierung in Kiew sowie die russische Regierung deshalb dazu auf, gewaltsame Handlungen und Drohungen gegenüber der jeweils anderen Seite und neutralen Kräften sowie ihre verantwortungslose Kriegs- und Eskalationsrhetorik einzustellen und unverzüglich gemäß der Genfer Erklärung dafür Sorge zu tragen, dass nationalistische Paramilitärs in der Ukraine als auch prorussische Milizen im Osten des Landes entwaffnet werden.

Wir fordern weiterhin die Regierungen der OSZE-Mitgliedsstaaten dazu auf, darauf hinzuwirken, dass die OSZE hierbei eine stärkere Vermittlungsrolle einnimmt und die offizielle OSZE-Beobachtermission nach der Genfer Erklärung in der Ukraine hierfür deutlich aufgestockt wird.

Wir fordern ebenso die Verantwortlichen in den USA und der NATO dazu auf, sämtliche realen und verbalen Eskalationsschritte zu unterlassen.

Wir fordern die Bundesregierung und insbesondere Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu auf, darauf hinzuwirken, dass die Gespräche im NATO-Russland-Rat wieder aufgenommen werden. Diese Gespräche müssen konkrete Angebote an Russland enthalten, die Bürgerkrieg und Krieg in und um die Ukraine abwenden. Dazu zählen wir:

Frieden und Sicherheit in der Ukraine; Erhalt der territorialen Integrität des Landes; Wiederherstellung der Legitimität und des Machtmonopols von Parlament und Regierung in Kiew; Schutz von Minderheiten; wirtschaftliche Stabilisierung und Vermeidung einer neuen Blockkonfrontation zwischen Russland und dem Rest des europäischen Kontinents.

Wir fordern die Abgeordneten des deutschen Bundestags sowie des Europäischen Parlaments dazu auf, gegenüber der Bundesregierung sowie den Verantwortlichen der Europäischen Union darauf hinzuwirken, dass im Rahmen eines zu initiierenden OSZE-Prozesses die friedliche Zukunft der Ukraine und der Europäischen Friedensordnung gesichert wird. Wir wollen keine neuen Feindbilder in Europa.

Hierfür schlagen wir als vorläufige Verhandlungsgrundlage folgenden Fünf-Punkte-Plan vor:

Erstens: Die Ukraine nimmt zukünftig eine neutrale Rolle ein, bei der der Status Finnlands als Vorbild dienen könnte. Weder wird ein Nato-Beitritt angestrebt, noch mittelfristig eine EU-Mitgliedschaft.

Zweitens: Im Gegenzug wird die territoriale Integrität der Ukraine von den bisherigen Garantiemächten Russland, Großbritannien, USA und der Europäischen Union erneut festgeschrieben und garantiert.

Drittens: Die Ukraine wählt ihre wirtschaftliche Assoziation selbst und frei. Solch eine Aufstellung kann nicht nur für die Ukraine wirtschaftlichen Erfolg versprechen, sondern auch für potenzielle Partner in Russland und/oder zum Beispiel der EU interessant sein.

Viertens: Die Verantwortung der Regionen wird im Rahmen einer neuen Verfassung für die Ukraine gestärkt. Hierzu gehören unter anderem die autonome Wahl der Gouverneure durch die Regionalparlamente und eine Stärkung der Föderationssubjekte in einer zweiten Kammer.

Fünftens: Es werden sobald als möglich Neuwahlen angestrebt. Diese beschränken sich nicht allein auf die Präsidentschaftswahl am 25. Mai 2014, sondern es werden ebenso das Parlament und die Regionalparlamente neu gewählt.

Ideal wäre es, wenn solche Neuwahlen von einer Regierung der nationalen Einheit durchgeführt würden, denn diese wäre überall im Land akzeptiert. Bereits das Weimarer Dreieck – bestehend aus den Außenministern Deutschlands, Frankreichs und Polens – hatte am 22. Februar 2014 eine Regierung der nationalen Einheit für die Ukraine mit den wichtigsten ukrainischen Parteien ausgehandelt, um Konflikte zu vermeiden und Vertrauen zu schaffen.

Wir, die Unterzeichnenden, warnen eindringlich davor, die Europäische Friedensordnung weiterhin mit Kriegsrhetorik, Eskalationshandlungen und Sanktionsdrohungen in Politik und Medien derart fahrlässig aufs Spiel zu setzen. Sofern wir in Parteien mit Amt oder Mandat oder zivilgesellschaftlichen Institutionen tätig sind, appellieren wir auch an diese Organisationen, sich den Forderungen dieses Aufrufs für den Frieden in Europa anzuschließen und gegenüber den Verantwortlichen der gegenwärtigen Entwicklungen entsprechend deutlich Stellung zu beziehen.

Die Unterzeichnenden, den 28. April 2014

Erstunterzeichner:

Robert Zion (Gelsenkirchen, Publizist, Kontaktperson) Dr. Ludger Volmer (Staatsminister im Auswärtigen Amt a.D.)Stefan Liebich (Mitglied des Bundestags, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses) Hannes Wader (Liedermacher) Dr. Antje Vollmer (Vizepräsidentin des deutschen Bundestages a.D.) Ewald Lienen (ehem. Bundesliga-Profi und Fußballtrainer) Prof. em. Dr. Konrad Raiser (ehem. Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen) Andreas Zumach (Journalist und Publizist, Träger des Göttinger Friedenspreises) Barbara Lochbihler (Mitglied des Europäischen Parlaments, Generalsekretärin deutsche Sektion von Amnesty International a.D.) Peter Menke-Glückert (Mitbegründer der “Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung”, 1968 und Mitverfasser der “Freiburger Thesen” der FDP, 1971) Dr. Heiner Flassbeck (Ökonom, Chef-Volkswirt der UNO-Organisation für Welthandel und Entwicklung a.D.) Joachim Garstecki (ehem. Generalsekretär deutsche Sektion “Pax Christi”, ehem. Referent f. Friedensfragen i. d. ThSA beim DDR-Kirchenbund, Mitglied des Kuratoriums “Aktion Sühnezeichen”) Friedrich Hechelmann (Maler und Filmemacher) Lutz Blochberger (Schauspieler und Regisseur) Prof. em. Dr. Dr. h.c. Fritz Sack (ehem. Leiter des Hamburger Instituts für Kriminologische Sozialforschung) Prof. Dr. Andreas Buro (Friedenspolitischer Sprecher des Komitees für Grundrechte und Demokratie, Aachener Friedenspreis 2008, Göttinger Friedenspreis 2013) Armin Schild (Mitglied des SPD-Parteivorstandes, Bezirksleiter IG Metall Mitte) Stefan Reinecke (Berlin, Korrespondent Parlamentsbüro der taz) Ruth Misselwitz (Pfarrerin der evang. Kirchengemeinde Alt-Pankow, Berlin, Mitbegründerin Friedenskreis Pankow, kirchliche Friedens- und Umweltbewegung in der DDR) Klaus „Major“ Heuser (Köln, Musiker) Petra Pau (Mitglied des Bundestags, DIE LINKE) Manni Breuckmann (Hörfunkmoderator und Sportreporter) Dieter Heisig (Industrie- und Sozialpfarrer im Ev. Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid) Bodo Ramelow (Mitglied des Landtags, Fraktionsvorsitzender der Linken im Thüringer Landtag) Prof. Dr. Klaus Dörre (Hochschullehrer, Jena) Robert Begerau (Ex-Fußballprofi bei Fortuna Düsseldorf) Marianne Fritzen (Friedensaktivistin, Trägerin des “Petra-Kelly-Preises”) Georg Seeßlen (Kaufbeuren, Autor und Filmkritiker) Theresa Kalmer (Bundessprecherin der Grünen Jugend) Jutta Ehlers (IG Metall Bezirksleitung Berlin-Brandenburg-Sachsen) Otmar Steinbicker (Aachener Friedensmagazin aixpaix) Sven Lehmann (Landesvorsitzender B’90/Grüne NRW) Karl-August von Dahl (evangelischer Pfarrer, Friedensinitiative Hunsrück) Nino Novakovic(Erster Vorsitzender der Roma-Jugend in Niedersachsen) Gabi Zimmer(Mitglied des Europäischen Parlaments) Prof. Dr. Gustav A. Horn (Wirtschaftswissenschaftler, Universität Duisburg-Essen) Susanne Hennig (Landesvorsitzende DIE LINKE Thüringen) Andrea Asch (Mitglied des Landtags, NRW, Köln) Katharina Dröge (Mitglied des Bundestags, Diplom-Volkswirtin, Köln) Hans Christian Markert (Jurist, Mitglied des Landtags, NRW) Hellmut Lotz (Saarbrücken, Wahlkampfberater) Jörg Köhlinger (Frankfurt a.M., IG Metall Bezirksleitung Mitte) Thomas Braunagel (Medienunternehmer) Astrid Rothe-Beinlich (Mitglied des Landtags, Vizepräsidentin des Landtags Thüringen) Oliver Keymis (Mitglied des Landtags, Vizepräsident des Landtags NRW) Rüdiger Bender (Lehrbeauftragter, Universität Erfurt) Sylvia Kotting-UhlMitglied des Bundestags, Atomexpertin) Matthias W. Birkwald (Mitglied des Bundestags, Köln) Irene Mihalic (Mitglied des Bundestags, Gelsenkirchen) Anja Piel (Mitglied des Landtags, Fraktionsvorsitzende B’90/Grüne Niedersachsen) Norbert Schepers (Politikwissenschaftler, Leiter des Bremer Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung) Reiner Engelmann (Schriftsteller) Daniel Wesener (Landesvorsitzender B’90/Grüne Berlin) Raul Zelik (Autor, Berlin) Beate Wichmann (Mitglied im
Landesvorstand B’90/Grüne Thüringen) Martina Lammers (Wendland, Anti-Atomaktivistin) Terry Reintke (Gelsenkirchen, B’90/Grüne, Kandidatin für das Europäische Parlament) Maria Klein-Schmeinck Mitglied des Bundestags, Münster) Dr. Birgit Beisheim (Mitglied des Landtags, NRW, Unternehmerin) Prof. Dr. Wolf Schluchter (Geschäftsführer IST-GmbH, Berlin-Ebertsheim) Daniel Köbler (Mitglied des Landtags, Fraktionsvorsitzender B’90/Grüne Rheinland-Pfalz) Peter Meiwald (Mitglied des Bundestags, Ammerland) Prof. Dr. Veronica Vasterling (Philosophin, Radboud Universität, Nimwegen, Niederlande) Sebastian Lüdecke (Landesvorsitzender B’90/Grüne Sachsen-Anhalt)Thomas Lutze (Mitglied des Bundestags, Saarbrücken) Johannes Lichdi (Mitglied des Landtags, Sachsen, Dresden) Steffen Dittes (Stellvertretender Vorsitzender DIE LINKE Thüringen) Markus Lauter (Berlin) Prof. Dr. Karl-Georg Steffens (SPD, Mathematiker und Statistiker) Michael Ebenau (Erster Bevollmächtigter IG Metall Verwaltungsstellen Jena-Saalfeld & Gera) Prof. Dr. Georg Meggle(Philosoph)

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