40 Jahre Berufsverbote – Aufarbeitung und Rehabilitierung jetzt!

Marburg: Bahnhofstr.6 | Am 28. Januar 2012 jährt sich zum 40. Mal der so genannte Radikalenerlass, der eine Prüfung der politischen Gesinnung zur Voraussetzung für eine Beschäftigung im öffentlichen Dienst machte. Eine „Regelanfrage“ beim inzwischen berüchtigten Verfassungsschutz ging einer möglichen Anstellung voraus. Betroffen waren Kommunisten, linke Sozialdemokraten und andere aufrechte Demokraten. Lehrer, Beamte im öffentlichen Dienst, Lokführer, Postbeamte und Erzieher wurden –„aus dem öffentlichen Dienst entfernt“ – wie die offizielle Erklärung lautete. Für viele bedeutete das Berufsverbot eine existentielle Bedrohung.

Zum 40. Jahrestag fordert Jan Schalauske, Kreisvorsitzender der LINKEN Marburg-Biedenkopf, die Aufarbeitung und Rehabilitierung der Opfer: „ Die Praxis der Berufsverbote haben die demokratische Kultur in unserem Land schwer beschädigt.“ Die Folgen würden bis heute nach wirken. Die Betroffenen seien noch immer nicht öffentlich rehabilitiert. Vielmehr habe der Verfassungsschutz auch aktuell die politische Linke im Visier, während er sich auf dem rechten Auge blind zeige. „Der Jahrestag sollte auch Anlass sein, die Überwachung der politischen Linken, insbesondere der Partei DIE LINKE zu überdenken.“ Allerdings bezweifelt Schalauske eine entsprechende Bereitschaft bei den verantwortlichen Politikern. Dabei könnten sie sich ein bekanntes Beispiel nehmen. Immerhin habe Willi Brandt die Berufsverbote später als einen seiner Irrtümer bezeichnet. Schalauske abschließend: „Der 'Radikalenerlass' war und ist ein antidemokratisches und antikommunistisches Instrument aus den Zeiten des Kalten Krieges. Die Aufarbeitung dieser unrechten Politik und eine Rehabilitierung der Opfer muss endlich erfolgen.“

Zum Hintergrund in Marburg:

In Marburg gehörten damals Herbert Bastian aus Ockershausen und Sylvia Gingold zu den Opfern dieser Politik. Bastian war im einfachen Dienst bei der Post beschäftigt und wurde wegen seines Mandats in der Stadtverordnetenversammlung entlassen. Gingold, die sich in Marburg für das Lehramt bewarb, stammte aus einer verfolgten jüdischen Familie. Die internationale Öffentlichkeit wie die IAO in Genf, der Europäische Gerichtshof, Gewerkschaften und Verbände in England, Holland und anderen Ländern, Marburgs Partnerstadt Portier, zahlreiche Komittees stellten sich hinter die Betroffenen und verurteilten die Praxis der Berufsverbote. In Marburg herausragend gehörten zu ihnen der damalige OB Hanno Drechsler und der Landtagsabgeordnete Walter Troeltsch.

2 Klicks für mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie können dann mit einem zweiten Klick Ihre Empfehlung an Facebook senden.
Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Facebook. Mehr dazu rechts unter .
2 Klicks für mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie können dann mit einem zweiten Klick Ihre Empfehlung an Twitter senden.
Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Twitter. Mehr dazu rechts unter .
2 Klicks für mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie können dann mit einem zweiten Klick Ihre Empfehlung an Google+ senden.
Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Google+. Mehr dazu rechts unter .
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen Webseiten Senden
1 Kommentar zum Beitrag
23.682
Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 31.01.2012 um 21:23 Uhr  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.

Ähnliche Beiträge Übereinstimmende Themen:

Kirchhain: Info-Stand zum Thema: STOP ... Die Absicht der hessischen Landesregierung, die Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte/WohnStadt zu privatisieren stößt auf breiten...
Stadtallendorf+Marburg/Lahn: Aufhebung von... Zur heutigen Abstimmung im Bundestag über die Aufhebung von Sanktionen bei Hartz-IV erklären die Vorsitzenden des Kreisverbandes DIE LINKE...
Abzocke in Ausländerbehörden beenden!Gebühren für... „Die hohen Gebühren für die neuen elektronischen Aufenthaltstitel sind europarechtswidrig und dürfen so nicht l Das ergibt sich aus der...