Vor 250 Jahren: Ferdinand von Braunschweig erobert Marburg zurück.

Brustwehr Geschützstellung Dammelsberg
 

Am 27. Juli 1757 war Marburg von den Franzosen besetzt worden. Hessen Kassel war aufgrund eines "ewigen Bündnisses" mit Preußen 1756 auf dessen Seite in den Siebenjährigen Krieg eingestreten und so ins Schußfeld der zur anti-Friedrich-Koalition gehörenden Franzosen geraten, was zu dieser Besetzung führte. Furchtbare Lasten wurden der Stadt durch die Besatzung auferlegt. Alles was an Nahrungsmitteln und Brauchbarem zu finden war, wurde beschlagnahmt, wer mit seinem Vieh in die Wälder floh, wurde aufgehängt. Zu Pfingsten 1759 stand gar die ganze französische Armee von 60.000 Mann in Marburg und mußte verpflegt werden. Ihre Pferde fraßen selbst die gärten "ratzekahl".

Am 1.8. 1759 hatte der preußische OB West, Herzog Ferdinand von Braunschweig Wolfenbüttel, mit den hessisch-hannöverschen Truppen die Franzosen bei Minden schwer geschlagen und schickte sich an, sie aus Westdeutschland zu vertreiben. Am 6./7. 9. wurde versucht, die Stadt im Sturm zu nehmen: vegeblich! So mußte sie regelrecht belagert werden. Dazu wurden am Dammelsberg und auf der Kirchspitze 27 englische und hannöversche 12 Pfund Kanonen (die also 6 kg schwere Kugeln verschossen) im Feuer der französischen Festungsartillerie in Stellung gebracht. Die Spuren dieser Stellungen sind auf dem Dammelsberg noch zu sehen. Im Anhang das Foto einer aufgeworfenen Brustwehr auf der Spitze des Berges (Im Sommer schwer zu fotografieren).

Am 11.9. 1759 gaben sich die Franzosen geschlagen und sie wurden - 850 Mann unter du Plessis - gefangen durch Weidenhausen geführt. Ferdinand von Braunschweig hatte sein Hauptquartier in Wehrshausen aufgeschlagen.

Soweit hauptsächlich nach Walter Kürschner "Marburger Geschichte".

Nun gibt es aber eine geradezu expressionistisch anmutende Schilderung dieser Belagerung aus der sicht eines Bürgers, nämlich die des Vizekanzlers der Universität, Johann Georg Estor, dessen Haus in der Mainzer Gasse oberhalb des Marktes steht und der deswegen das ganze Geschehen zu seinem großen Leidwesen miterleben mußte. Hier seine Worte:

"Die belagerung .. gehet an! es wird das knallen des geschützes auf allen seiten gehöret.Die bomben zerspringen und erschüttern das erdreich samt den häusern. Der dampf zihet zu allen seiten auf. Den donnerknall der gestücke verdoppelt das echo in den nahe ligenden mit holze bewachsenen bergen. Die luft erschrickt. das erdreich erbebet. Auf den dächern verspüret man die geborstenen kartetschen, welche gleichsam wie ein sieb mit erbsen über den dächern rauschen. Hier rufet man feuer! Es brännet! Da hebet man stücken eisen von zersprungenen granaten und kleine bomben auf. Hier rennen die husaren durch die straßen, als ob mann und pferd gleich zu grunde gehen sollten. Der knall des kleinen gewehres durchläuft gleichsam die ganze besatzung. Ein kanonen-schuß empfänget des andern krachen. Durch die lüften rollet ein schmetterndes sausen und brausen. Das murmeln in der ferne drohet erschütterungen. Und wo etwa das geschütz ruhet; so ertönet zu jeder viertel-stunde: das schild wacht munter! und beunruhiget die ganze stadt! Da fället eine matte stück-kugel durch das dach, und rollet auf dem boden herum. Anderweit schläget sie einen sparn des daches entzwei. Hier prallet ein stück bombe an den giebel des gebäudes."

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Hans-Rudolf König aus Marburg am 12.10.2009 um 09:59 Uhr  
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