"Introibo ad altare dei ..." Messdiener früher

Liturgische Aufgaben der Messdienerinnen und Messdiener
Marburg: Marburger Land | Hape Kerkeling, Stefan Raab, Günther Jauch und auch Thomas Gottschalk sind einem Millionen-Publikum als Fernsehunterhalter bekannt. Eines haben sie alle gemeinsam, sie führten in ihrer Jugendzeit mit mehr oder weniger Begeisterung als Messdiener den Altardienst aus. Sie schwenkten das rauchende Weihrauchfass, läutete das Glöckchen, trugen die Fahnen, Leuchter, den Weihwasserkessel und hielten dem Priester das Messbuch hin.

Genau wie sie habe ich vor über 60 Jahren als Ministrant (ministrare= lat.-dienen) "gedient". Mit dem lateinischen Stufengebet "Introibo ... zum Alter Gottes will ich treten" begann die Heilige Messe. Unser Kaplan, die Eltern und auch der Dorfschullehrer, der das Amt des Organisten ausübte, legten großen Wert darauf, dass wir uns damals, meist 9 Jahre alt, mit dem Lernen der lateinischen Texte zum Dienst am Altare qualifizierten. Tagelang lernten wir das Confiteor, Paternoster und das Suscipiat auswendig, ohne den Textinhalt vollkommen zu verstehen. Erst dann durften wir "dienen".

Von den älteren erfahrenen Messdienern wurden wir sehr kontrolliert behandelt. Jeder kleine Fehler wurde auf Strichlisten als "Bockschießen" festgehalten. Mein erster Altardienst endete dabei mit 15 Böcken. Dabei war noch nicht einmal berücksichtigt, dass ich das Confiteor - Glaubensbekenntnis - nicht fehlerfrei "heruntergerasselt" hatte. Das Beten des Confiteors begann sehr zögernd, wurde dann immer schneller. Beim "mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa" = meine Schuld, meine Schuld, meine übergroße Schuld wurde meine persönliche Sündenvergebung mit kräftigen Schlägen auf die Brust bestätigt. Das Gebet endete mit einem lauten "Amen".

Mit den Jahren wurde alles professioneller, und der Altarraum wurde manchmal etwas "sündhaft" mit Selbstdarstellungen viel Eitelkeit zu einer Bühne. Mit wehendem Messdienerrock, eleganten Bewegungen und bei Verbeugungen die Haare weit in den Nacken werfend, zogen wir sicher auch nicht unbewusst eine gewisse "Show" ab.

Vielleicht war ein solches Auftreten auch für die vorher angesprochenen Moderatoren eine Art der Grundausbildung für Unterhaltung, die sie heute im großen Stil im Fernsehen nutzen.
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3 Kommentare
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Berti Bonacker aus Kirchhain | 06.11.2014 | 10:17  
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Berti Bonacker aus Kirchhain | 06.11.2014 | 10:17  
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R. S. aus Lehrte | 06.11.2014 | 14:40  
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