Jüdische Friedhöfe - mal keine Bilder (doch Bilder. Danke Michael)

(Foto: Michael Hoffsteter)
 
(Foto: Michael Hoffsteter)

Ich habe mehrer Berichte über jüdische Friedhöfe hier gesehen und gelesen. Nun mal einen kleinen Bericht ohne Bilder. Es wird empfohlen in der Gruppe Kirchen, Klöster und Friedhöfe nachzuschauen.

Jüdische Friedhöfe
„Haus der Ewigkeit“ Nach jüdischer Vorstellung ist ein jüdisches Grab für die Ewigkeit gedacht. Dies hängt mit dem jüdischen Glauben an die Auferstehung der Toten zusammen. Aus diesem Grund werden jüdische Gräber nicht eingeebnet oder die Steine entfernt, sondern sie bleiben bestehen wie sie sind. Bei Platzmangel legt man eine Schicht Erde über ein Grab und bestattet einen Toten über dem anderen. Beim alten jüdischen Friedhof in Prag, auf dem unter anderem der Rabbi Löw (folgt auch noch eine Geschichte) bestattet ist, kann man das eindrucksvoll sehen. Dort gibt es 12 Schichten.

Der jüdische Verstorbene hat bis zum Erscheinen des Messias ein Anrecht auf seinen Bestattungsplatz.

Für Juden ist es von besonderer Bedeutung, im Land Israel bestattet zu werden. Die Vorstellung von der Auferstehung war einmal auf dieses Land begrenzt. Symbolisch lassen sich Juden immer noch in der Erde des Eretz Jisrael bestatten, indem sie sich ein Säckchen mit Erde aus Israel in den Sarg legen lassen.

Es ist Tradition, die Füße der Toten in Richtung auf Jerusalem auszurichten. Bei vielen jüdischen Friedhöfen ist es anders, aber es ist dennoch Tradition.

Es wird auf Blumenschmuck an jüdischen Gräbern verzichtet, um eine Verunreinigung der Toten mit gärenden, säuernden oder sonstigen Nebenprodukten der Zersetzung zu vermeiden.

Es werden kleine Steine auf die Grabsteine gelegt, um auszudrücken: ich war hier, habe dich besucht und dich nicht vergessen. Oftmals werden diese Steine von Angehörigen, die aus vielen Ländern anreisen, mitgebracht. Auf jüdischen Friedhöfen sind daher Steine aus der ganzen Welt zu finden.

Die Gräber lässt man im Laufe der Zeit mit Gras oder Efeu überwachsen. Man sieht oft auf jüdischen Friedhöfen, dass einzelne Gräber von Christen gepflegt werden und wie christliche Gräber Blumenschmuck tragen. Im jüdischen Glauben jedoch wird dadurch die Totenruhe gestört. Auf jüdische Gräber dürfen keine Blumen sein. Die Bäume und Gras oder Efeu auf den Friedhöfen ist Gottes Natur und nichts künstlich Angepflanztes.

Da die Nähe zu den Verstorbenen unrein macht, ist es Brauch, sich nach dem Besuch eines Friedhofs die Hände zu waschen ohne sie abzutrocknen, ebenso geht man nicht am Shabbat oder anderen hohen jüdischen Feiertagen auf einen Friedhof. Für alle (auch nichtjüdische) Männer ist es Pflicht, auf einem jüdischen Friedhof eine Kopfbedeckung zu tragen.

Die Kohanim haben eine Sonderrolle
Es ist aus rituellen Gründen notwendig, separate Eingänge für die Kohanim zu machen, die bei Beerdigungen ihrer Angehörigen nicht an anderen Gräbern vorbei gehen dürfen, weil sie dies unrein machen würde. Die meisten jüdischen Friedhöfe haben keine solchen separaten Eingänge. Die Kohanim dürfen die Friedhöfe nicht betreten, weil sie rein sein müssen bei der Ankunft des Messias und wann das sein wird weiß keiner. (Die Kohanim, Plural von Kohen, übten im Tempel den priesterlichen Dienst am Altar aus.)

Jüdische Friedhöfe dürfen nicht kommerziell genutzt werden. Bis ins vorige Jahrhundert hinein war es auf deutschen Friedhöfen üblich, die Grasflächen an ortsansässige Bauern zu verpachten.

Grabsteine
Bis Mitte des 18. Jahrhunderts gab es auf jüdischen Friedhöfen fast nur gleichförmige Grabsteine. Dies lag an der Ansicht, dass im Tode alle Menschen gleich seien. Die ältesten Steine sind sehr einfache eckige oder oben leicht abgerundet und tragen nur wenige hebräische Schriftzeichen. Erst mit der jüdischer Assimilation und zunehmenden Rechten jüdischer Bürgerinnen und Bürger beginnen die Juden prunkvolle Grabstätten zu errichten. In der Mitte des 18. Jh.s sind die Grabsteine oft reich verziert. Nach 1800 werden die Grabsteine immer größer und passen sich in Art und Form den christlichen Grabmälern an. Je reicher die Gemeinde, desto größer und mächtiger die Steine.

Nach 1945 wurden die Grabsteine wieder bescheidener.

Symbole auf jüdischen Grabsteinen und Monumenten geben oftmals Aufschluss über den Verstorbenen, seine Rolle in der jüdischen Gemeinde oder sein Leben allgemein.

Die Grabsteine werden nicht nur in hebräischer Sprache beschriftet, sondern auch in der jeweiligen Landessprache, und dies in früheren Zeiten auf der Rückseite des Grabsteins. Also, auch immer auf die Rückseite der Grabsteine schauen. Auf der hebräisch beschrifteten Seite des Grabsteins steht nicht nur der Name des Toten, sondern auch der Name seines Vaters.

Weitere Berichte zum Thema jüd. Beerdigung: http://www.myheimat.de/linz-am-rhein/beitrag/70350...
http://www.myheimat.de/linz-am-rhein/beitrag/74013...

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Andreas G. aus Wennigsen am 19.12.2008 um 23:10 Uhr  
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