Wespen und Hornissen – Biologie und Tipps für einen stichfreien Sommer

Die Hornisse gehört auch zu den Wespen.
 
Sächsische Wespen in einem Fledermauskasten
 
Die Haus-Feldwespe kommt mittlerweile auch bei uns vor. (Foto: NABU / Helge May)

Sie werden als die »Tiger Deutschlands« bezeichnet, ihr Erscheinen löst bei einigen Menschen schlicht Entsetzen aus und dennoch sind die meisten Wespenarten friedfertig oder für den Menschen ungefährlich. Dieser Beitrag soll dazu beitragen Ängste abzubauen und ein besseres Verständnis zur Lebensweise unserer heimischen sozialen Faltenwespen vermitteln. Nehmen Sie sich etwas Zeit für den Artikel und vielleicht sehen Sie Wespen und Hornissen hinterher mit anderen Augen.

Soziale Faltenwespen kennzeichnen sich unter anderem dadurch, dass sie arbeitsteilige Sozialstaaten bilden, die sich in Königin, Arbeiterinnen und Männchen aufteilen. Namensgebend ist ihre Fähigkeit die Vorderflügel in Ruhestellung in Längsrichtung einfalten zu können. Sie bauen Papiernester, die nur einmal im Jahr genutzt werden. Im Herbst schlüpfen die Jungköniginnen, die überwintern und im Frühjahr ein neues Volk gründen. Alle anderen Tiere des Volkes sterben im Herbst ab. Als Nahrung für die Larven werden Fliegen, Mücken und andere Insekten erbeutet und zerkaut zum Nest gebracht. Nur die Weibchen können schmerzhaft stechen und tun dies ausschließlich zum Erlegen der Beutetiere oder zur Verteidigung des Nestes. Körpermerkmale sind die »Wespentaille« (Einschnürung zwischen Brust und Hinterleib), vier Flügel, innen eingebuchtete Augen, geringe Körperbehaarung und die bekannte gelb-schwarze Körperfärbung.

Soziale Faltenwespen werden in vier Gattungen aufgeteilt. Zu den Langkopfwespen gehören die häufig vorkommende Sächsische Wespe und die Mittlere Wespe. Diese Arten sind friedfertig und verköstigen sich niemals an unseren Lebensmitteln. Sie bilden relativ kleine Staaten mit Völkern zwischen 100 und 500 Arbeiterinnen. Ihre Nester legen sie an geschützten, offenen Stellen, wie beispielsweise Dachvorsprüngen an.

Eine weitere Gattung sind die Kurzkopfwespen, zu denen die friedfertige, im Boden nistende Rote Wespe gehört. Diese Art hat eine ähnliche Lebensweise wie die Langkopfwespen. Weitere Vertreter dieser Gattung sind die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Diese beiden Arten können lästig werden und sind für die meisten Probleme verantwortlich. Sie bilden sehr große Staaten (1.000 bis über 10.000 Arbeiterinnen) und legen ihre Nester im Boden, beispielsweise in Mäusebauten oder in großen dunklen Hohlräumen, wie Rollladenkästen oder Mauerhohlräumen an. Deutsche und Gemeine Wespe gehen gerne auch mal an unsere Lebensmittel oder auch an Aas.

Jedem bekannt ist die Hornisse, welche die dritte Gattung der sozialen Faltenwespen darstellt. Obwohl sie die größte unserer heimischen Wespenarten ist, verhält sie sich sehr friedfertig gegenüber vorsichtigen Beobachtern. Sie bildet Staaten von 100 bis 600 Arbeiterinnen und baut ihre Nester in natürlichen Standorten wie Höhlen in alten Bäumen oder besiedelt Dank ihrer Anpassungsfähigkeit auch Vogelnistkästen, Dachböden und Verschalungen. Eine Besonderheit unterscheidet die Hornisse von den anderen heimischen Wespenarten, denn sie ist als einzige Wespe auch nachtaktiv.

Durch die Klimaerwärmung konnte sich die zur Gattung der Feldwespen gehörende Gallische Feldwespe, auch als Haus-Feldwespe bekannte Art auch in die norddeutschen Bundesländer ausbreiten. Diese Art ist vollkommen harmlos und baut, im Gegensatz zu den anderen Arten, nur einwabige Nester ohne Papierhülle. Diese sind an geschützten oberirdischen Stellen, wie beispielsweise Dachbalken zu finden. Mit nur 10 bis 30 Arbeiterinnen gehören die Völker der Feldwespen zu den kleinsten aller sozialen Faltenwespen.

Tipps für den richtigen Umgang mit Wespen und Hornissen

Insbesondere im Spätsommer kommt es häufig zu Problemen mit Wespen. Die Völker haben zu dieser Jahreszeit ihren Höchstbestand an Arbeiterinnen, wodurch es öfter zu Kontakten mit den Tieren kommt. Zu Stichen kommt es in der Regel nur, wenn sich die Tiere bedroht fühlen. Die folgenden Tipps sollen Ihnen helfen, stichfrei durch den Sommer zu kommen.

Ändern Sie Ihre Grundeinstellung zu Wespen und Hornissen! Die Tiere greifen niemals an, sie verteidigen sich, weil sie sich angegriffen fühlen! Machen Sie sich bewusst, dass die Tiere immer nur auf Ihr Verhalten (oder das Verhalten der Menschen in Ihrer Umgebung) reagieren. Der Anlass für einen Stich ist in den meisten Fällen vermeidbares menschliches Fehlverhalten.

Bei Kontakt mit Wespen und Hornissen sollten Sie hektische oder gar panische Bewegungen vermeiden, weil die Tiere dies als Angriff werten.

Pusten Sie niemals das Nest oder einzelne Tiere an! Das CO2 in der Atemluft stellt für Wespen ein Alarmsignal dar.

In Nestnähe stellen lange Haare oder dunkle wallende Kleidung ein Beunruhigungspotential für Wespen dar.

Sollten Wespen in die Kleidung geraten, versuchen Sie ruhig zu bleiben und die Tiere wieder herauslaufen zu lassen.

Bei Gewitterlagen sind Wespen schon von sich aus beunruhigt. Bleiben Sie in solchen Situationen dem Nest fern, auch wenn Sie dieses bisher problemlos betrachten konnten.

Decken Sie, insbesondere im Hochsommer, Süßspeisen oder Getränke ab und lassen Sie Kinder aus dünnen Strohhalmen trinken.

Versuchen Sie niemals Wespen auf eigene Faust mit ungeeigneten Abwehrmitteln zu bekämpfen. Nutzen Sie stattdessen Wespenberatungen, die Ihnen helfen können eine tragbare Lösung für Sie und die Wespen zu finden.

Wenn es doch zum Stich kommt

Abschließend soll dieser Artikel dazu beitragen bestehende Vorurteile aufzuklären. Viele kennen den Spruch „Drei Stiche von Hornissen können einen Menschen töten, sieben Stiche töten ein Pferd.“ Richtig ist, dass um einen gesunden Menschen durch Stiche zu töten, mehr Hornissen nötig wären, als in einem Volk überhaupt vorkommen. Stiche von Wespen sind schmerzhaft aber nur in Ausnahmefällen wirklich gefährlich. Nur 2-3 % der Bevölkerung sind gegen Insektengift allergisch. Auch ein stark geschwollener Arm muss noch keine akute allergische Reaktion sein, sondern ist vielmehr eine Reaktion auf die am Stachel haftenden Erreger. Wenn eine Insektengiftallergie vorliegt, kennzeichnend dafür ist, dass die Symptome (Atemnot, Herzrasen, Blutdruckabfall, Übelkeit bis zum Erbrechen, Jucken / Rötung / Pusteln am ganzen Körper) sich nicht lokal auf den Stich beschränken, sondern den ganzen Organismus betreffen, sollte sofort ein Notarzt hinzugezogen werden. Allergiker sollten im Sommer und Herbst ein Notfallset mitführen. Eine Desensibilisierung lässt sich mit hoher Erfolgsquote durchführen.

Für Langenhagener, die ein Wespen- oder Hornissennest im Wohnbereich oder Garten haben, bietet der NABU Langenhagen einen neuen Service. Bei der Wespenberatung wird eine Einschätzung der Gefährdung für die Anwohner vorgenommen. Dafür wird zunächst die Wespenart bestimmt und anschließend besprochen welche Maßnahmen möglich oder notwendig sind. Die Maßnahmen können vom Absperren eines bestimmten Bereiches, über die Änderung der Abflugrichtung aus dem Nest oder auch die Umsiedlung des Nestes gehen. Wenn nichts davon möglich und eine Gefährdung nicht ausgeschlossen ist, bleibt noch die Abtötung des Volkes, die dann von einem Schädlingsbekämpfer vorgenommen werden muss. Die Beratung selbst ist für die Betroffenen kostenlos. Sofern Maßnahmen notwendig sind, werden die dafür anfallenden Kosten (bis max. 50,- Euro), vor Ort besprochen. Wenn es sich um Hornissen handelt, ist noch eine Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde notwendig. Wer Interesse an einer Wespenberatung hat, kann sich bei Ricky Stankewitz unter 0511-7246926 melden und einen Termin vereinbaren. Bitte beachten Sie, dass ich im Schichtdienst berufstätig bin und nicht immer sofort erreichbar bin. Bitte sprechen Sie auf den Anrufbeantworter zu welchen Zeiten ich Sie zurückrufen kann, um einen Termin zu vereinbaren.

Zu guter Letzt möchte ich mich bei Dipl. Biol. Rolf Witt vom Umwelt- & MedienBüro Witt in Oldenburg, für ein hervorragendes Wespenberaterseminar und die zahlreichen Informationen, die in diesen Artikel eingeflossen sind bedanken.

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11 Kommentare zum Beitrag
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Ricky Stankewitz aus Langenhagen am 02.08.2011 um 10:36 Uhr  
20.403
Günther Eims aus Sehnde am 02.08.2011 um 14:59 Uhr  
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Wolfgang Heuser aus Gladenbach am 02.08.2011 um 15:53 Uhr  
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Ricky Stankewitz aus Langenhagen am 03.08.2011 um 17:59 Uhr  
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Wolfgang Fabisiak aus Hemmingen am 03.10.2011 um 09:12 Uhr  
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