Für jede Mühe kommt ein Lächeln...

Dr. Mathias Schröder trug sich ins Goldene Buch der Stadt Kirchhain ein. (Bild aus dem Kirchhainer Anzeiger vom 01. Februar 2012)
 
Buchvorderseite
 
Patientinnen auf Betonbetten in der Klinik Zidim. (Foto: Herr Dr. Mathias Schröder)
Kirchhain: Gillhof | Das Buch in meinen Händen habe ich gerade zu Ende gelesen und kann es einfach nicht beiseite legen. Einzelne Seiten schlage ich auf und lese Abschnitte, die ich mir zuvor markierte, noch einmal. Es ist das Buch „Stirbst du nicht, dann lebst du nicht“ von Herrn Dr. Mathias Schröder.

Vor zwei Jahren lernte ich Herrn Dr. Schröder bei einer Lesung im Jugend- und Kulturzentrum in Kirchhain kennen und schnell zog mich an diesem Abend seine Wortwahl und die lebendige Sprache in ihren Bann. Bereits auf den ersten der insgesamt 286 Seiten bestätigt sein neuestes Buch diesen Eindruck. Der Spannungsbogen seiner Erzählungen reicht von den Ereignissen kurz vor Ende des Krieges in 'Werflo' bis in das Jahr 2004 und der Arbeit als Missionsarzt in Kamerun.

"Bist du Deutscher ?"

Die Erzählungen aus der Kinder- und Jugendzeit stellen immer wieder 'Werflo' in den Mittelpunkt der Handlung. Mit 'Werflo' bezeichnet der Autor die heutige Stadt Kirchhain und verbindet damit liebevolle Erinnerungen an seine Großmutter. In einem Herrenhaus aus der Ordensritterzeit wohnte seine Großmutter und Dr. Mathias Schröder erinnert sich: "...Ich lag in einem schwarzen Angoratuch auf dem Schoß meiner Großmutter, sprachlos und unschuldig wie irgendein Kind im kriegsgeschüttelten Europa oder sonstwo auf der Welt. ...". Er erzählt von Kindern die 'sich mit zehn, zwölf Jahren fühlten wie Männer und stolz darauf waren' und 'jeden neuen Tag so lebten als sei es der erste'. Von einem Tag auf den anderen änderte sich dieses Leben mit dem Wort "Schuld" und der überraschenden Frage "Bist du Deutscher ?".

Zu seiner Art der Verarbeitung gehört auch die Erzählung „Isolierstation“ und hier werden mit den Worten des Autors wieder Straßen, Häuser und Plätze in Kirchhain vor meinem geistigen Auge sichtbar. In den 50-er Jahren wacht er als Medizinstudent in Marburg nachts am Bett eines an Kinderlähmung Erkrankten. Nach und nach erkennt er in dem ‚gelähmten Körper‘ jenen Mann, der in dem Ort Werflo „…zu einer Zeit, als Braun die meistgetragene Farbe war“ eine schicksalhafte Begegnung mit seinem Vater hatte.

In der Erzählung „Weisse Weihnacht“ begleitet der Leser einen Arzt am 24.12. auf einer Station mit Lungentuberkulosekranken. „Fröhliche Weihnacht“ kommt dem jungen Arzt nur noch mechanisch über die Lippen. Er begegnet einem hoffnungslos Kranken, der ihn, den jungen Arzt zu einem Schachspiel herausfordert: "Was gilt die Wette, um was spielen wir ?" Die Antwort des Patienten: "...weil darauf als Preis ... meine Diagnose steht !" Durch die klaren und knappen Worte des Autors ist der Leser Augenzeuge dieses ungewöhnlichen Spiels. Schachbrett, schwarze und weiße Spielfiguren vermischten sich vor dem Auge des Arztes, während der Patient begann über ein Kriegserlebnis zu berichten: „…Diese Nacht wird sein wie damals, ein Bohrloch, ein Grubenschacht…“

Der Autor Dr. Mathias Schröder wurde zwar 1941 in Kassel geboren, verlebte aber einen Großteil seiner Kindheit auf dem Gillhof in Kirchhain, da hier seine Großmutter wohnte und auch seine Eltern im Jahre 1931 heirateten. Schon als 13-jähriger begann er zu schreiben, studierte jedoch Medizin in Marburg, Paris und Homburg/Saar, wo er 1967 promovierte. Er war als Schiffsarzt, Allgemeinmediziner und zuletzt als Missionsarzt in Kamerun tätig. Mit den Jahren sind eine Reihe von Romanen, Erzählungen und Gedichtbänden entstanden, in denen er sich auch immer wieder mit der Welt der Mediziner beschäftigt und die Handlungen nach Kirchhain bzw. vor die Tore Marburgs verlegt:
- "Der Krähenbaum" (1976)
- "Linda" (1978)
- "Der Sturz des Seiltänzers" (1979)
- "Der Weg nach Lampedusa" (1995)
- "Sinai" (2000)
- "Marin" (2004 - in dieser Romantrilogie steht die Figur des Arztes Marin im Mittelpunkt des Geschehens und beschreibt sein Leben von 1943 bis zur Jahrtausendwende.)
- "Liebe" (2006 Gedichte)
- "Mein Afrika" (2008).

Für seine Arbeiten erhielt er 1977 den Förderpreis für Literatur des Landes Bayern sowie im Jahre 1980 den Literaturpreis der Stadt München. Eine besondere Anerkennung wurde Herrn Dr. Schröder am 26.01.2012 in Kirchhain, der Stadt seiner Kindheit, zuteil als man ihm die Ernennung „Bedeutender Kirchhainer“ überreichte. Sein Erstlingsroman "Der Krähenbaum" wurde Ende der 80er Jahre für das ZDF verfilmt und international ausgestrahlt.

"Kameruner Impressionen"

Unter der Überschrift "Kameruner Impressionen" berichtet Herr Dr. Schröder über seine Arbeit als Missionsarzt in dem Land an der Sahelzone. "In Afrika gehen die Uhren anders,..." und "Geduld ist dort die wichtigste Tugend" - diese Erfahrung machen Herr Dr. Schröder und seine Frau schon bei ihrer Ankunft am Flughafen in Douala. Mit eindringlichen Worten schildert der Autor die
- Arbeit der Ärzte: "...Tag für Tag gehen sie an ihre Leistungsgrenze, trotz widrigster Bedingungen verrichten sie lächelnd ihre Arbeit..."
- die bitterarmen Patienten: "...wir können das nicht bezahlen..." und "...jeder Einzelne hat ein Gesicht, einen Namen, eine Familie, ein drückendes Schicksal, das er klaglos bis in den Tod hinein erträgt...". Herr Dr. Schröder schreibt aber noch etwas, und zwar: "Für jede Mühe kommt ein Lächeln, eine liebenswürdige Geste zurück."

Die Zeit in Kamerun hat ihn nachhaltig beeindruckt und dies spürt der Leser mit jedem Wort. Geblieben sind dem Autor neben bewegenden Erinnerungen auch eine tiefe, ehrliche Freundschaft, die mit einem Unglück begann: "Tief im Wasser lag auf dem Grund ein schwarzer Körper. ...Noch nie hatte ich einen Ertrunkenen reanimiert ! Mouth to mouth...". Der Gerettete ist Michel Kenmoge, ein Bibelübersetzer. Gemeinsam mit dankbaren Kamerunern gründete Herr Kenmoge die Hilfsorganisation "ADAMS", die Herr Dr. Schröder von Deutschland aus unterstützt.

Herr Dr. Mathias Schröder beschreibt seine Zeit in Kamerun mit zwei Sätzen:
"Es war ein wichtiger Schub für mich zum Mitempfinden und Mitleid mit den Armen dieser Welt. Ein bedeutender Schritt hin zur Nächstenliebe nach dieser Zeit der Kriegsgewalt in meiner Jugend."


Auf diesem Wege möchte ich mich persönlich bei Herrn Dr. Schröder für die freundliche Reaktion auf meinen Bericht bedanken und noch hinweisen auf den neuen Gedichtband "Gegen den Strom", der im Herbst diesen Jahres erscheinen wird.

Siehe auch:
http://www.myheimat.de/kirchhain/kultur/zuhoeren-w...
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Axel Haack aus Freilassing | 25.01.2014 | 06:53  
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