Gablonz: eine Wiege für Priester-Persönlichkeiten?!

DarstellerInnen “Hockewanzel“ (Foto: © Bild: www.theater-im-turm.de CC)
 
“Hockewanzel“ auf Kanzel (Foto: © Bild: www.sudetendeutsche-bayreuth.org CC)
Kaufbeuren: Pfarrsaal Herz Jesu Neugablonz | Im Rahmen von 70 Jahre Neugablonz hatte das TiT Theater im Turm www.theater-im-turm.de zum dritten Male das Mundartstück “Hockewanzel“ ins Programm genommen.

Thomas Schönhoff brillierte – neben den übrigen bestens präsenten DarstellerInnen – als Böhmischer Don Camillo im von ihm verfassten Stück und schuf nicht nur einen Meilenstein im Bewahren der paurischen Mundart.

So manche Erinnerung wurde über diesen legendären Pfarrer Wenzeslaus Hocke wach an die Segnungen, welche Neugablonz mit seinen Pfarren Thomas Gerstlacher und Franz Römer erfahren durfte.
Wie er mit der Fronleichnamsmonstranz den Fürsten vor dem Herrgott in die Knie zwang war bei der Stummen Prozession in Vilgertshofen zu erleben, als Pfarrer Gerstlacher mit ihr in der Hand über das Altarpodium fegte und seine ganze Wortgewalt in die Verkündigung legte.
Der stille Humor und die Güte des immer mi einem offenen Lohr für Alles und Jeden aufwartenden Pfarrer Römer war ebenso präsent über die Bühnenmomente der unkonventionellen Hilfe für insbesonders die Alltagsnöte der kleinen Leute.

Seit 1957 wird im TiT Theater im Turm Amateurtheater gespielt und ein gewichtiger Beitrag zum Kulturleben Kaufbeurens, sowie dem Erhalt der Traditionen, weit über die Sprache hinaus geleistet.
6 restlos ausverkaufte Vorstellungen im Pfarrsaal von Herz Jesu sind beredtes Zeugnis, dass dieses Angebot gut und gerne angenommen wird, wie Lohn für das unermüdliche Engagement dieser überaus rührigen, aus nicht nur dem Kulturleben nicht mehr wegzudenkenden Institution.
Neben den einzeln, wie im Ensemble überzeugenden Akteuren verdient vor Allem auch das ausgezeichnete Bühnenbild seine gesonderte Erwähnung.

Die gesamte, überaus kurzweilige Handlung, welche so machen Lacher, Szenen- und verdient frenetischen Schlussapplaus auslöste, basiert auf Original-Episoden aus dem Leben des Priester-Originales und führt eindringlich vor Augen, dass die Menschen so gut wie Nichts hinzu gelernt haben, die Missstände damals wie heute deswegen unnötig sind, weil von Menschen gemacht und keineswegs als Gott gewolltes Schicksal im Wege zu einer besseren Welt stehen.
Den sich besonders Frömmelnden wird dabei – als nur ein Zitat – zu deren Überraschung in einem separaten Schafstall der Ewigkeit das Futternappl besonders hoch gehängt werden, war dazu Originalüberzeugung des “Hockewanzel“, über die sich speziell in der Pause bei der einen oder anderen, wie immer ausgezeichnet mundenden Gablonzer Raucherwurst trefflich sinnieren ließ.

Als Sohn einfacher Müllersleute am 08. Januar1732 in Neustadtel bei Böhmisch-Leipa geboren, begann der “Hockewanzel“ – keineswegs nur eine erfundene Heldenfigur, wie man als irriger Meinung immer wieder begegnet – nach seiner Schulzeit das Studium der Theologie in Leitmeritz. Nach seiner Priesterweihe verlebte er seine Kaplanszeit an nicht weniger als 13 verschiedenen Orten, bevor er endlich die Pfarrstelle in dem Bauerndorf Klein-Bocken zu gesprochen bekam. Sein stets gespanntes Verhältnis zur Obrigkeit in Leitmeritz wurde bald legendär. Durch Fürsprache des Herzogs von Zweibrücken bekam er schließlich die freigewordene Dechanten-Stelle im Wallfahrtsort Ober-Politz, wo er bis zu seinem Tode am 01. März 1808 segensreich wirkte.
Durch seinen urwüchsigen Humor, seinen geliebten nordböhmischen Dialekt und seine Leutseligkeit war er bald in der gesamten Gegend bekannt geworden, man nannte ihn gern den “Nordböhmischen Eulenspiegel“. Die Gemeinde Ober-Politz setzte ihm nach seinem Tode ein Denkmal, das noch heute besteht.
Seine zahlreichen Anekdoten wurden erstmals 1888 von Anton Nittel in Buchform herausgegeben, später erschienen Werke über ihn von Josef Haudek und Willy Lang, ebenso entstanden Bühnenstücke über das Wirken des “Hockewanzel“.

Erich Neumann, freier investigativer Journalist
über DFJ Deutsche-Foto-Journalisten e. V. www.dfj-ev.de
Postfach 14 43, 87612 Marktoberdorf
GSM +49 160 962 86 676
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www.cmp-medien.de

© Bild: www.theater-im-turm.de CC – DarstellerInnen “Hockewanzel“
© Bild: www.sudetendeutsche-bayreuth.org CC – “Hockewanzel“ auf Kanzel
© Bild: www.booklooker.de CC – Buchcover Willy Lang
© Bild: www.de.wikipedia.org CC – Denkmal “Hockewanzel“
© Bild: www.sudetendeutsche-bayreuth.org CC – zeitgenössisches Bild “Hockewanzel“
© Bild: Hans Joas CC – BGR Franz Römer
© Bild: www.kab-rott.de CC – Pfarrer Thomas Gerstlacher
© Bild: www.theater-im-turm.de CC – Logo TiT Neugablonz
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