In Bemerode und am Kronsberg trotzten wehrhafte Burgen einst dem Feind

Hier am Rande der Seelhorst stand einst die Garkenburg.
 
Alte Keramikscherbe von der Dorfwüstung Debberode, die wohl aus einer Burg hervorgegangen ist.
Hannover: Bemerode | Irgendwo am Rande der Seelhorst schützte vor langer, langer Zeit einmal bei Bemerode eine wehrhafte Burg vor dem bösen Feind. Im Nachbarstadtteil Mittelfeld trägt heute eine Straße den Namen des alten Schlosses: die Garkenburgstraße. Die Veste am Seelhorster Wald gehörte zu den wahrscheinlich insgesamt acht Burgen, die es einst im heutigen Stadtgebiet von Hannover gab.

Von der Bemeroder Garkenburg ist kaum mehr als der Name bekannt. Anno 1485 taucht sie als „Gardeckerburg“ in einem Lehnsbuch der Bischöfe von Hildesheim auf. Wahrscheinlich gab es sie damals aber schon eine lange Zeit. Ein gewisser Jordan II. von Ilten wird um 1270 als "Herr auf Bemerode" genannt. Möglicherweise war die Burg sein Adelssitz. Dort gab es auch ein Gericht, dessen Sitz später zum Gut in Bemerode verlagert und zuletzt vom Adelsgeschlecht derer von Graevemeyer ausgeübt wurde.

Niemand weiß, wie das feste Schloss ausgesehen hat. Zwar beschreibt ein Studienrat Müller 1893 die Burg als einen Ringwall. Ringwälle sind meist runde mittelalterliche Burganlagen, von denen nur die aus Erde aufgeschichteten Verteidigungswälle übrig geblieben sind (solche Erdwälle sind beispielsweise noch neben dem Schloss Marienburg bei Pattensen, im Deister bei der Bennigser Burg oder auf dem Gehrdener Burgberg zu sehen). Doch woher Studienrat Müller seine Informationen hat, schrieb er nicht. Zu seiner Zeit war die Garkenburg jedenfalls schon lange verschwunden. Möglicherweise verwechselte der Lehrer die Burg mit Schanzen, die das Militär im 18. Jahrhundert in der Gegend rund um die Seelhorst angelegt hatte.

Ist die Garkenburg immerhin historisch belegt, so lässt sich die Existenz der Dethburg bei Wülferode im Dunkel der Vergangenheit nur erahnen. Wenn es sie tatsächlich einmal gab, so schimmern Spuren von ihr nur noch in einem uralten Flurnamen durch. Ein Stückchen hinter Wülferode am Bockmer Holz, dort wo die Straße nach Laatzen hin abknickt, fand der Laatzener Heimatforscher Helmut Flohr immer wider Scherben auf dem Acker, die hochgepflügt worden waren. Das sind Reste eines längst untergegangenen Dorfes am Kronsberg. Das mittelalterliche Dorf mit Namen Debberode dürfte bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen, einige der gefundenen Keramikscherben lassen sich aber bereits in das 9. Jahrhundert datieren. Der ursprüngliche Ortsname deutet auf eine Burg hin, aus der sich das Dorf dann später entwickelte. Denn Debberode ist die abgeschliffene Form von Dethborgherode, also hochdeutsch Dethburgrode. Und auf einer Flurkarte aus der Zeit um 1700 heißt der Platz noch „Auf der Burg“. Möglicherweise lag hier früher einmal eine Art Fluchtburg. Die Lage m steilen Südhang des früher bewaldeten Kronsberges war für so ein Bollwerk ideal.

Ein weiteres festes Schloss hat dem Stadtteil Misburg seinen Namen gegeben. Der alte Name „Mutzborg“ bedeutet soviel wie „Burg im Moor“. Urkundlich erwähnt wird diese Anlage anno 1365. Sie gehörte ebenfalls den Bischöfen von Hildesheim. Die geistlichen Herren dürften die Festung aber nicht lange genutzt haben. „Misborg, eine wüste Veltmark, ist vorzeiten eine Burg gewesen, dem Stift Hildesheim zugehörig“, heißt es schon in einer Handschrift aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. Reste der ehemaligen Wasserburg gab es aber bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts noch zu sehen. Erdwälle erzählten von der uralten Burg, bis Bagger heranrückten und das historische Bodendenkmal zerstörten. Denn mit Bauland ließ sich Geld verdienen, mit einem geschichtsträchtigen Denkmal nicht.

In Anderten gibt es zwar keine Nachrichten über eine Burg. Dafür war aber der ganze Ort befestigt. Eind Erdwall mit Palisaden, ein Graben und zwei Tore schützten das Dorf vor fremden Kriegsvolk. Die Ortsbefestigung gab Anderten seinen Namen. „Ondertunum“ – so die alte Bezeichnung, aus der dann Anderten wurde, bedeutet „hinter dem Zaun“. Wann die wehrhafte Anlage entstand, ist nicht bekannt. Ihr Ende wurde hingegen überliefert. 1664 ebneten die Bauern die breiten Gräben der Wehranlage ein und legten dort Gärten an. Weil dies ohne Erlaubnis des Landesherren geschah, mussten die Landwirte zur Strafe eine besondere Steuer entrichten. Die Erinnerung an die Ortsbefestigung blieb bis heute lebendig. Alteingesessene Anderter sprechen noch ab und zu vom großen und kleinen Tor.

Die Serie „Geschichtliches aus der Südstadt“ ist beendet. Doch nicht nur im Südstädter Maschseekurier bin ich der Stadtteil-Geschichte nachgegangen. Außer dem Maschseekurier und dem heute noch existierenden Maschseeboten (für den hannoverschen Stadtbezirk Döhren-Wülfel) erschien im selben Verlag zeitweise unter anderem der Tiergarten-Blick. In einigen Ausgaben schrieb ich Beiträge zur Historie der jeweiligen Stadtteile. Die einzelnen Hefte sind natürlich schon lange vergriffen und vergessen. Auch wenn diese damaligen Artikel keine zusammenhängende Geschichte der Stadtteile ergeben, sondern nur einige wenige Aspekte schlaglichtartig beleuchten, sollen nun diese Geschichten in loser Folge nach und nach bei myheimat veröffentlicht werden. Bestimmt interessieren sie ja den einen oder anderen myheimat-User. Denn Heimatgeschichte ist immer aktuell und nie von gestern. Dieser Beitrag erschien im Tiergarten-Blick Ausgabe 3/1993.
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