Geschichtliches aus Döhren-Wülfel: In St. Petri stieg modrige Luft aus den Grüften - Von alten Begräbnisstätten im Stadtbezirk

Kuriosum der Friedhofskunst: Grabmal in Form eines Baumstammes auf dem früheren Wülfeler Friedhof.
Hannover: Wülfel | Auf den ersten Blick ist die Grünfläche am Marahrensweg unscheinbar. Und doch: „Der alte Friedhof muß als bedeutendstes Beispiel der alten dörflichen Situation angesehen werden“, heißt es in der Denkmaltopographie von Hannover. Erinnerungswert haben dabei vor allem die wenigen erhaltenen Grabsteine, darunter ein Kuriosum der hannoverschen Friedhofskunst: ein Grabmal in Form eines Baumstammes. Teilweise sind die Inschriften auf den Denkmalen noch lesbar. So können wir erfahren, daß zum Beispiel eine gewisse Marie Louise Christine Kracke, geborene Nieschlag, am 15. Mai 1818 geboren wurde und am 11. Februar 1888 starb. Ein anderer Grabstein berichtet von einer Alwine Peters, die im Alter von 36 Jahren am 23, Oktober 1886 verschied. Lebensdaten ehemaliger Einwohner des Dorfes Wülfel.

Unglücklich gelöst ist die Kombination des Friedhofes mit einem Spielplatz. Doch was soll die Stadt machen? In Wülfel gibt es zuwenige Freiflächen.

Die Ruhestätte neben der katholischen St.-Michael-Kirche war nicht der erste Begräbnisplatz der Wülfeler. Rund um die alte Wülfeler Kapelle wurden wohl auch Menschen zu Grabe getragen. Jedenfalls sollen, als nach dem Abriß des Gotteshauses dort eine Munitionsfabrik entstand, menschliche Überreste gefunden worden sein.

Wülfel gehörte kirchlich gesehen zu Döhren, zur St. Petri-Gemeinde. An dieser Kirche gab es einst einen Kirchhof. Einige der alten Grabdenkmale sind erhalten geblieben. Von ihnen war im Rahmen dieser Serie bereits die Rede. Die Steine wurden im Einzelnen vorgestellt.

Vor langer Zeit bestattete die Gemeinde ihre Toten aber auch in der St.Petri-Kirche selbst. „Im Laufe der Zeit wurden die Decken der Erbbegräbnisse schadhaft. Es sollen Gesangsbücher und andere Dinge in die Grüfte gefallen sein, Kirchenbesucher blieben mit den Absätzen ihrer Schuhe in den spalten der Gruftdecken hängen. Es wurde über modrige Luft geklagt, die aus den Grüften aufstieg“, berichtete der frühere Döhrener Pastor Ernst Wehr über die Zustände Ende des 18. Jahrhunderts. Die Gemeinde beschloß deshalb im Jahr 1782, die Erbbegräbnisse mit Sand aufzufüllen. Erst 1949 sollte erneut eine Beerdigung innerhalb des Kirchenraumes stattfinden. Bei Erdarbeiten zum Wiederaufbau der Kirche kamen menschliche Überreste vom Kirchhof ans Tageslicht. Der damalige Pastor Lippky: „In ehrfürchtiger Weise sind diese Gebeine gesammelt worden und feierlich in der Erde des geplanten Kirchenraumes beigesetzt.“
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Werner Szramka aus Lehrte | 09.11.2015 | 10:46  
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