Geschichtliches aus Döhren-Wülfel: Bis 1936 rückten die Wülfeler Feuerwehrmänner mit einer Handspritze aus

Ein altes Protokollbuch aus den Anfangsjahren wird bei der Freiwilligen Feierwehr verwahrt.
 
Feuerwehr ano dazumal. Aufnahme: unbekannter Fotograf, Repro: Schade
Hannover: Wülfel | Das Bild in dem Fotoalbum ist schon uralt. Es zeigt 29 Herren, zum überwiegenden Teil von einem modischem Schnauzer geziert, die mit ernsten Gesichtern in Richtung Fotografen schauen. Die Herrenrunde trägt schmucke Uniformen und auf den Köpfen sitzen Pickelhauben. Die historische Aufnahme ist der ganze Stolz der Ortsfeuerwehr Wülfel. Schließlich zählt das Foto zu den ältesten Dokumenten aus der langen Geschichte der Wülfeler Wehr. Die abgebildeten Männer rückten schon zu Kaisers Zeiten aus, um ihre Mitbürgern aus Not und Gefahr zu retten. Gegründet wurde die Brandschutztruppe 1894.

Der Stadtteil lebt - nicht nur, aber doch zu einem beträchtlichen Anteil - durch seine Vereine. Sie und ihre Geschichte gehören untrennbar zur Historie des Stadtbezirkes mit dazu. Im Rahmen der Serie „Geschichtliches aus Döhren-Wülfel“ sollen deshalb die örtlichen Vereine nicht übergangen werden. Heute geht es um die Freiwillige Feuerwehr Wülfel.

Begonnen hat damals alles am 2. März des Jahres in einer Gastwirtschaft des Dorfes Wülfel. Acht beherzte Männer trafen sich im Sulzbachschen Lokal, um eine Freiwillige Feuerwehr aus der Taufe zu heben. Bis zu diesem Zeitpunkt existierte nur die 1812 gebildete "Spritzen-Gemeinschaft" der Orte Döhren, Laatzen und Wülfel. Acht „Spritzenmänner" und ein Spritzenmeister wachten mit einer Handspritze über den Brandschutz in den drei Dörfern. Dass diese Feuerwehrleute nicht immer recht¬zeitig am Brandherd sein konnten, liegt auf der Hand. Laatzen begann 1893 als erster, eine eigene Wehr aufzustellen, Wülfel folgte ein Jahr später.

Die Wülfeler Brandwehr hat noch das Originalprotokollbuch aus der Anfangszeit in Besitz. Nach den Aufzeichnungen vergingen noch mehrere Treffen, bis endlich am 5. Mai neunzehn frischgebackene Feuerwehrleute offiziell die Statuten ihrer neuen Wehr verabschiedeten und den Kaufmann Josef Gerding zum Hauptmann wählten. Lange sprachen die Männer über ihre Uniformen. Schließlich sollten sie 12,50 Mark pro Stück kosten, für damalige Zeiten ein erheblicher Betrag.

Ein Jahr später verzeichnet das Protokollbuch den ersten größeren Einsatz. Anfang Mai 1895 brannte es beim Bäcker Eggerling. Offenbar klappte seinerzeit der Kampf gegen die Flammen noch nicht so recht. "Es wurden die Män¬gel beim Eggerlingschen Brande besprochen, die Kameraden müssen sofort bei Feuermeldung am Spritzenhaus erscheinen", notierte der Schriftführer in der nächsten Ver-sammlung. Als Spritzenhaus diente bis zum Abbruch 1916 die kurzerhand umfunk-tionierte mittelalte¬liche Kapelle des Dorfes.

Immer wieder musste in den kommenden Jahren die Feuerwehr ausrücken. Etwa als im Juni 1903 die Stallungen des Gutshofes Fontaine im Biergarten brannten und 45 Stück Großvieh aus dem Flammen gerettet werden konnten. Oft gab es auch Alarm im Nachbarort Döhren. Dort unterstützten die Wülfeler ihre Kollegen von der Werksfeuerwehr der Wolle. Bis 1936 bekämpften die Männer aus Wülfel das Feuer noch mit einer Handdruckspritze. Erst dann war genügend Geld für den Kauf einer Motorspritze angesammelt. Zu diesem Zeitpunkt gab es aber schon keine eigenständige Feuerwehr in Wülfel mehr. Seit 1933 waren alle Ortswehren in Hannover zusammengeschlossen worden. Dabei ist es bis heute geblieben, auch wenn sich die Wehren statt Löschbezirk nun wieder Ortsfeuerwehr nennen dürfen.

1934 kam das Ende der feuerwehreigenen Musikkapelle. Alle Instrumente müssten bei der Stadt Hannover abgegeben werden. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges brachte einen weiteren Einschnitt in die Geschichte der Wehr. Als die schreckliche Zeit vorbei war, bestand die Wehr nur noch aus sechs Männern, die 1945 einen neuen Anfang wagten. Heute kann sich die Feuerwehr Wülfel jedoch längst wieder sehen lassen. Die mutigen Feuerwehrmänner haben eine ganze Reihe von großen oder ungewöhnlichen Einsätzen hinter sich gebracht. Etwa der Brand der Messehalle 11 vor einigen Jahrzehnten oder der Alarm im August 1983. Da "spielten" die Wülfeler Feuerwehrleute "Cowboy" und retteten sieben Kühe aus der Leine.
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