Geschichtliches aus Döhren-Wülfel: Der Luftkrieg traf Döhren schwer

Neue Folge zur Serie "Geschichtliches aus Döhren-Wülfel".
Hannover: Döhren | Unsere beiden Stadtteile Döhren und Wülfel mußten unter den von den Nazis angezettelten Krieg sehr stark leiden. Besonders die Wolle war Ziel von Luftangriffen der Alliierten. Doch die Bomben trafen nicht nur die Fabrik. In einigen Straßen Alt-Döhrens, etwa in der Bernwardstraße, ist noch gut zu erkennen, wo die Flugzeuge ihre tödliche Fracht abluden. Immer wieder wird die Reihe der (oft denkmalgeschützten) Altbauten durch einen Nachkriegsbau unterbrochen, der ein zerstörtes Haus ersetzt. Noch nach Ende des Krieges stürzten beschädigte Gebäude ein und brachten Menschen in Gefahr. Im Rahmen des 40. Dienstjubiläums eines Feuerwehrmannes berichtete die damalige Stadtteil-Zeitung vom 23.10.1986, wie dieser seine ersten Einsätze in der Querstraße zu bestehen hatte, wo er Menschen aus den Trümmern rettete.

Einen nicht wiedergutzumachenden historischen Verlust erlitt Döhren mit der Zerstörung der alten St. Petri-Kirche. Bei zwei Bombenangriffen im September 1943 wurde das Gotteshaus zum Teil, endgültig dann bei dem Angriff in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1943 zerstört. Noch 1946 war fast der ganze Kirchplatz mit den Trümmern der Kirche übersät.

Bei dem Angriff in der Nacht vom 22. zum 23. September 1943 sank Wülfel innerhalb von zwei Stunden zwischen dem Biergarten und der Stadtgrenze in Schutt und Asche. Ab 22.30 Uhr begann es. Schnell war die Flak am Wülfeler Bahnhof und auf dem Gelände des heutigen TÜV lahmgelegt. Ein Feuersturm brach aus, und das, obwohl es sich um eine windstille Nacht handelte. Ein Volltreffer landete dabei auf dem Befehlsbunker der Wülfeler Eisenwerke.

Im April rückten dann aus dem Süden die Amerikaner ein und brachten für Hannover das Kriegsende. Ein alter Döhrener erzählte mir vor vielen Jahren, dass ein fanatischer Anhänger des Nazi-Regimes noch forderte, die Amerikaner mit Straßensperren aufzuhalten. Er hatte damit keinen Erfolg.

Im Monat April 1945 entstand in der Stadt schon ein Ausschuss für den Wiederaufbau (AfW) mit Unterausschüssen in einzelnen Stadtteilen. In Döhren konkurrierten zwei solcher Ausschüsse miteinander. Parallel zu dem aus der „Untergrundbewegung“ der SPD hervorgegangenen Unterausschuß bildete sich hier wie in Kleefeld und der List noch ein kommunistisch orientierter Antifa-Ausschuss (Schröder, Arbeiterinitiative 1945, S. 25) Diese Antifa-Ausschuss agitierte auch in Form von Flugblättern. Gegen diese Schriften drohte der Stadtkommandant sogar ein Militärgerichtsverfahren an. SPD und KPD gingen in den Betrieben ebenfalls getrennte Wege. Hier gelang es aber offenbar der KPD, sich anfangs gegenüber den Sozialdemokraten zu behaupten. Im Eisenwerk Wülfel und bei der Döhrener Wolle stellten die Kommunisten die Betriebsratsvorsitzenden. Im November 1945 fand darüber hinaus im Saal der Döhrener Wolle eine KDP-Parteiversammlung ,mit 1800 Genossen, Sympathisanten und Gästen“ statt. Der Saal war mit gemalten Bildern toter Kommunisten geschmückt (Zorn, Widerstand in Hannover, S. 258). Die Antifa-Ausschüsse wurden noch im Mai 1945 verboten. Einen Wiederzulassungsantrag des Döhrener Gremiums lehnt die Militärregierung am 27. Juni ab.

Für die Vereine war die unmittelbare Nachkriegszeit mit vielen Erschwernissen verbunden. Zum Teil verloren sie - wie etwa die Schützengesellschaft Wülfel bei dem Bombenangriff am 22. September 1943, als Gewehre und Fahnen den Flammen zum Opfer fielen und der Schießstand stark beschädigt wurde - ihr ganzes Hab und Gut. Und nach Kriegsende verbot die Besatzungsmacht anfangs jede Vereinstätigkeit, beschlagnahmte sogar unter anderem das Sportgelände der Spielvereinigung Niedersachsen Döhren an der Hildesheimer Straße. Im Herbst 1945 erlaubte die Militärregierung dann aber die Bildung von 20 Sportvereinen im Stadtgebiet. Die ehemaligen Döhrener Vereine schlossen sich am 13. Januar 1946 im Speisesaal der Döhrener Wolle zur „Niedersächsischen Turn- und Sportgemeinschaft Döhren“ zusammen. Im Dezember 1945 fanden sich dann auch in Wülfel die Freien Turner, der Turnerbund und der Wülfeler Sportclub (WSC) zum Verein für Volkssport (VfV) Wülfel zusammen. Relativ schnell zerbrachen diese Großvereine jedoch wieder. Bereits 1946 trennte sich der WSC von den anderen Wülfeler Sportlern und in Döhren starteten die einzelnen Vereine ebenfalls in den Jahren darauf unter der eigenen Fahne und mit eigenen Namen.
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Werner Szramka aus Lehrte | 22.02.2016 | 16:37  
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Karl-Heinz Mücke aus Pattensen | 22.02.2016 | 17:15  
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Wilhelm Heise aus Ilsede | 22.02.2016 | 19:19  
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Karl-Heinz Mücke aus Pattensen | 22.02.2016 | 21:26  
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Wilhelm Heise aus Ilsede | 22.02.2016 | 21:55  
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