Uralte Felsbrocken, knorrige Bäume: Im Südosten Hannovers gibt es viele Naturdenkmale

Der Brinksoot bei Wülferode ist ein Naturdenkmal.
 
Der Granifelsen in Kirchrode kam während der Eiszeit nach Hannover.
Hannover: Kirchrode | 500 Jahre, 600 Jahre oder gar 800 Jahre? So ganz genau kennt anscheinend niemand das Alter der mächtigen Eiche. Erläuterungen und Hinweistafel nennen jeweils immer andere Daten. Der uralte Baum streckt seine Wurzeln im hannoverschen Tiergarten (Kirchrode) aus, reckt sich 25 Meter in den Himmel. Er ist eines der 53 Naturdenkmale, die es (Achtung Stand 1992, siehe unten) in Hannover gibt. Im Südosten – von Kleefeld über Kirchrode bis nach Wülferode hin -, hat die Natur dabei ihr Füllhorn besonders reichhaltig ausgeschenkt.

Naturdenkmale sind einzelne „Naturschöpfungen“ wie sei das Niedersächsische Naturschutzgesetz im Paragrafen 27 juristisch nennt, die wegen ihrer Seltenheit, Eigenart und Schönheit oder wegen ihrer Bedeutung für Wissenschaft, Natur- oder Heimatkunde per Verordnung unter besonderen Schutz gestellt wurden. Saftige Geldbußen drohen jedem Naturfrevler, der sich an ihnen vergreift.

Ein paar Steinwürfe von der Eiche im Tiergarten entfernt, an der Tiergartenstraße 113 B, wächst die sogenannte „Märcheneiche“. Dieses Naturdenkmal hat erst 300 Jahr auf dem Buckel, braucht aber trotzdem schon eine Stütze. Die Liste der Naturdenkmale wirkt wie eine Schönheitskonkurrenz der Bäume. Erfolgreich war dabei auch ein hundertjähriges Feldahorn am Kirchröder Turm, das 1987 „wegen seiner seltenen Größe“ zum Naturdenkmal erklärt wurde. 989 kam ein besonders schönes Exemplar von Silberahorn in Anderten an der Tiergartenstraße 17 A hinzu. Der fünfte Baum im Bunde ist wieder eine Eiche. Seit rund 400 Jahren wächst sie im Gutspark Bemerode und erreicht inzwischen eine Kronenbreite von 20 Metern.
Doch nicht nur sanftes Grün ist schützenswert. Auch so manch harter Brocken wurde zum Naturdenkmal erklärt. Schon seit 1938 steht ein kleiner Findling in der Nähe des Heiligers Brunnen auf der Denkmalliste. Er besteht aus Rapakiwi-Granit. Gletscher transportierten den Stein vor über 200.000 Jahren von den Alandinseln südwestlich Finnlands in die heutige Eilenriede. Windschliffnarben und –politur erzählen vom Sandtreiben im arktischen Wüstenklima, dass in Kleefeld vor 200.000 Jahren herrschte.
Weit mächtiger ist der 1,7 Meter durchmessende Granitbrocken am Annateich. 1.500 Millionen Jahre ist er alt. Auch er reiste während der Eiszeit aus Smaland in Südschweden nach Kleefeld. Zwei Meter durchmisst sogar der rote Granitfelsen vom Tessenweg 11 in Kirchrode. Der zehn Tonnen schwere Koloss wurde vom Eis ebenfalls vor 200.000 Jahren nach Hannover verbracht und trägt auch die Windschliffpolitur der damaligen arktischen Wüstenstürme zur Schau.

Mag der Steinbrocken noch so mächtig und hart sein und das Auge des Gesetzes darüber wachen – es kann trotzdem Ungemach geschehen. So sind vier Findlinge von der Bemeroder Straße, Ecke Zuschlagstraße spurlos verschwunden. 1938 hatte sie der Oberpräsident der preußischen Provinz Hannover zum Naturdenkmal erklärt.

Ein ganz besonderes Naturdenkmal beherbergt Wülferode. Aus einer Tonkuhle wurde rund 700 Meter östlich der Autobahn ein Kleinod der Natur. Als Laichplatz für Lurche genießt der Tümpel seit 1974 besonderen Schutz. Der Name des kleinen Teiches lautet „Brinksoot“.

Jeder kann bei der Behörde anregen, dass Bäume, Findlinge und andere Naturwunder zum Denkmal erklärt werden. Selbst Grundstückseigentümer haben manchmal ein Interesse an einer derartigen Unterschutzstellung. Denn dann übernimmt die Naturschutzbehörde kostenlos die Pflege des Naturdenkmals. Manchmal aber gibt es aber auch Probleme und juristische Auseinandersetzungen. Etwa, als die Mardalwiese in Kirchrode als flächenhaftes Naturdenkmal auf die Denkmalliste gesetzt wurde. Der Grund für die Erklärung zum Naturdenkmal: Hier wird die naturräumliche Grenze zwischen der norddeutschen Tiefebene und dem Bergland noch sichtbar.

Die Serie „Geschichtliches aus der Südstadt“ ist beendet. Doch nicht nur im Südstädter Maschseekurier bin ich der Stadtteil-Geschichte nachgegangen. Außer dem Maschseekurier und dem heute noch existierenden Maschseeboten (für den hannoverschen Stadtbezirk Döhren-Wülfel) erschien im selben Verlag zeitweise unter anderem der Tiergarten-Blick. In einigen Ausgaben schrieb ich Beiträge zur Historie der jeweiligen Stadtteile. Die einzelnen Hefte sind natürlich schon lange vergriffen und vergessen. Auch wenn diese damaligen Artikel keine zusammenhängende Geschichte der Stadtteile ergeben, sondern nur einige wenige Aspekte schlaglichtartig beleuchten, sollen nun diese Geschichten in loser Folge nach und nach bei myheimat veröffentlicht werden. Bestimmt interessieren sie ja den einen oder anderen myheimat-User. Denn Heimatgeschichte ist immer aktuell und nie von gestern. Dieser Beitrag erschien erstmals im Tiergarten-Blick Ausgabe Nr. 9/1992. Ob alle beschriebenen Denkmale heute noch vorhanden sind, habe ich aktuell aber nicht nachgeprüft.
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 05.01.2014 | 22:15  
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