Der barocke Herrenhäuser Garten

Hauptgiebel des neuen schlosses mit dem Fries
 
Kunstschmiede-Element an der Galerie
Hannover: Herrenhäuser Garten | Seit vielen Jahren habe ich den Herrenhäuser Garten nicht mehr besucht, nun war es doch einmal wieder an der Zeit. Abgepasst schönes Wetter, zur frühen Stunde, präsentierte sich mir der Garten in bester Präsentationsform: fast keine Besucher, ein strahlend blauer September-Himmel und somit beste Fotografier-Bedingungen.

Dazu ein paar begleitende Worte.

Wie wohl als bekannt vorausgesetzt werden kann, ist der Herrenhäuser Garten ein Barock-Garten. Der barocke Garten, nach seinem Entstehungsland Frankreich auch oft einfach „französischer Garten“ genannt, ist eine Schöpfung des 17. Jahrhunderts.

Zum ersten Mal in der Gartenkunst, so wird beschrieben, gingen in ihm Architektur und Natur eine unzertrennliche Einheit ein, wobei ich gerade diese Umsetzung mehr und viel besser in englischen Landschaftsgärten realisiert sehe, der sich allerdings erst im 18. Jhdt. entwickelten, sozusagen als „Antwort“ auf den französischen Garten.

So steht im Mittelpunkt des Barockgartens meist das herrschaftliche Schloss und seine Nebengebäude. Sie sind das Zentrum, auf das alles im Garten hinführt. Damit spiegelt die Gartenkonzeption den besonderen Anspruch der Monarchen in barocker Zeit wieder: Sie verstanden sich als absolute Herrscher, die nicht nur über ihre Untertanen, sondern auch über die Natur bestimmten. Der Garten wurde so zur Demonstration der Macht.

Ein barocker Garten lässt sich in drei Bereiche einteilen: Direkt am Schloss als Zentrum befindet sich der niedrig gehaltene Parterre-Bereich. An sich projiziert er mit seiner kleinteiligen Konzeption die Erweiterung des Schlossinnenraumes in die Natur.
Das im Großen Garten 31.000 qm umfassende Große Parterre oder Luststück bildete ursprünglich ein Gegenstück zu dem großen zentralen Festsaal des Schlosses. Es dient heute als Festsaal im Freien. Seine acht rechteckigen Beete werden an den Ecken von 32 weiß gestrichenen Sandsteinplastiken (Barsinghausener Sandstein) geschmückt.
Darauf schließt sich der höhere Boskettbereich an, der von Hecken gestaltet ist. Im hinteren Teil geht dieser Bereich unsichtbar in die freie Landschaft des Waldes über: Der Garten scheint somit eins mit der Natur. Letzter Punkt trifft in Herrenhausen heute nicht mehr zu.

So genannte Sichtachsen asind ein gestalterisches Element. Auf das Schloss als Zentrum der Gestaltung führt in barocken Gärten stets eine lineare Sichtachse zu, was signalisieren soll: schon von weitem ist das Machtzentrum und damit symbolisch der Herrscher sichtbar. Links und rechts von dieser Hauptachse befinden sich weitere Achsen, die auch in strenger Symmetrie angeordnet sind. Beliebt war eine Anlage der Wege und Sichtachsen in Sternenform, in deren Zentrum sich eine Skulptur, ein Wasserspiel oder eine kleine Architektur befand, exakt so umgesetzt in Herrenhausen.

Die Wege in barocken Gärten sind zumeist links und rechts von Hecken oder einzelnen Bäumen begrenzt. Auch diese Bepflanzung ordnet sich der Gesamtkonzeption des Gartens unter: Rechteckiger Beschnitt von Hecken, Buchsbäume in Kugelform oder als Arkaden geformt machen die Natur zu Bausteinen des Gartengestalters, mit denen eine durch und durch von Menschenhand gebändigte und geformte Natur gestaltet wird.

Diese durchgreifende Gestaltung findet sich auch in den Blumenbeeten, in denen typische Merkmale der barocken Innenarchitektur auch in der Natur angewendet werden: So sind die Blumen und Rasenfläche oft in geschwungenen Formen gepflanzt und das gesamte Beet wird in strenger Geometrie gehalten. Auch die Rocaille ist als Form oft zu finden: Mit ihr bezeichnet man Gestaltungselemente in Muschelform, die schon in der Renaissance Verwendung fanden und im Rokoko ihre große Blüte erlebten.
Man erlebt diese Beispiele bestens in Herrenhausen in den vier kleinen Themengärten: Rokoko-, Barock-, Rosen- und Rasengarten.

Wasser ist ein wichtiges Element im Barockgarten. Der Barockgarten stellt einen Mikrokosmos dar, der die Welt im Kleinen abbilden will. Dementsprechend ist auch Wasser ein natürliches Gestaltungselement, was nicht fehlen darf. Neben den Bassins, die selbstverständlich auch wieder streng geometrisch ausgerichtet sind, bilden Fontänen und Wasserspiele eine wichtige gestalterische Komponente der Gesamtkonzeption. Sie setzen wichtige Akzente und bilden einen belebenden Kontrast zur eigentlichen Strenge der übrigen Anlage.

Darüber hinaus, neben Pflanzen und Wasserspielen birgt der Barockgarten gerade im Boskettbereich noch viele Überraschungen für den Besucher, wie z.B. zahlreiche Skulpturen. Diese nehmen zumeist Bezug auf die römische und griechische Mythologie und dienen dabei als Allegorie auf die Macht des Herrschers und seiner Dynastie. Auch kleinere Rundtempel und Labyrinthe sowie Heckentheater sind in jedem größeren Barockgarten zu finden. Auch der Herrenhäuser Garten repräsentiert diese Attribute bestens.

Die besten Beispiele für Barockgärten:
Neben den Gärten von

Versailles sind die Gärten von Schloss Schönbrunn in Wien, die Herrenhäuser Gärten in Hannover, die Gärten von Schloss Nymphenburg in München, Schloss Benrath in Düsseldorf oder Schloss Augustusburg in Brühl herausragende Beispiele für barocke Gartenanlagen, die auch heute noch in ihrer ursprünglichen Konzeption zu erleben sind.
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2 Kommentare
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Uwe Roßberg aus Garbsen | 25.09.2014 | 15:44  
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k-h wulf aus Garbsen | 25.09.2014 | 19:02  
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