Fototipps: Beim Porträt ist die Körperhaltung wichtig

Körper schräg, vordere Schulter gesenkt, Kopf in Richtung vordere Schulter geneigt: Gute Grundhaltung für ein Porträtposing.
Wie das so ist: wer eine etwas bessere Kamera besitzt oder als Hobby-Fotograf bekannt ist, wird schnell mal von Bekannten angesprochen: „Du, kannste nicht mal ein schönes Foto von mir machen?“ Hilfsbereit wird „ja“ gesagt, unser Model stellt sich frontal vor einem auf und wartet auf das „schöne Foto“. Selbst wenn das Licht stimmt: Wird jetzt einfach so der Auslöser gedrückt, ist der Frust zumeist vorprogrammiert. „Na, so schöne Fotos machst Du ja doch nicht. Oder ist Deine Kamera zu billig und kann keine Porträts?“, könnte es dann heißen. Ein paar kleine Kniffe sollen helfen, derartige Enttäuschungen vorzubeugen.

Weil die Fotoszene nach meinem Geschmack bei myheimat etwas zu kurz kommt, will ich ab und zu mit Beiträgen zu Fotothemen den Fokus auch mal auf dieses schöne Hobby richten. Diesmal soll es um die Grundhaltung des Models bei Porträtaufnahmen gehen.

Vorweg gesagt: Es gibt so viele unterschiedliche Models wie es Menschen gibt, jedes Model ist anders. Deshalb ist bei Posing-Tipps immer Vorsicht angesagt. Was bei dem einen gut aussieht, passt nicht so recht zu dem anderen. Die folgenden Ratschläge sollen dann auch nur ein Standard-Posing beschreiben, das für die ersten Aufnahmen in den meisten Fällen schon zu einem recht brauchbaren Ergebnis führt.

Punkt 1: Als erstes sollten wir die Ausrichtung unseres Models beim Porträt-Shooting korrigieren. In vielen Fällen wirkt es nicht so gut, wenn der Oberkörper frontal zur Kameralinse zeigt. Besser ist es, unser Modell stellt sich etwas schräg zu uns hin (möglichst mit der „Schokoladenseite“ zur Kamera).

Punkt 2: Damit ist eine Schulter näher an der Kamera, die andere weiter weg. Die Schulter in Kameranähe sollte unser Model dann leicht nach unten ziehen.

Punkt 3: Jetzt hält unser Model seinen Kopf leicht schräg und zwar in die Richtung der gesenkten Schulter

Punkt 4: Nun sollte unser Model die „Schildkröte“ machen. Das heißt, der Kopf wird gerade in Richtung Kamera vorgestreckt. Von der Seite betrachtet sieht diese Haltung wirklich blöd aus, auf dem Foto merkt der Betrachter davon jedoch nichts, dafür wird selbst bei schlanken Models der Eindruck eines Doppelkinn-Ansatzes vermieden.

Punkt 5: In den Augen sollte ein Reflex zu sehen sein, das macht das Gesicht lebendiger. Verursacht unsere eingesetzte Lichtquelle nicht bereits so einen Reflex, müssen wir uns etwas überlegen. Das gewünschte Ergebnis können wir zwar auch erreichen, wenn wir mit dem eingebauten Kamerablitz aufhellen, doch dann ist der Reflex mittig. Sieht zumeist nicht so gut aus. Besser ist es, mit einer weißen reflektieren Fläche Lichtpunkte in die Augen zu zaubern (der Nachteil: wer nicht über eine dritte Hand verfügt, braucht oft einen Assistenten, der den Aufheller bzw. Reflektorschirm hält).

Mit diesem 5-Punkte-Programm müsste eigentlich ein guter Start in das Porträt-Shooting gelingen. Später kann man dann immer noch vom Standard abweichen, Experimente und außergewöhnliche Posen wagen.

Halt, eines noch. Egal wie vertraut wir mit unseren Models sind, wir sollten ihnen beim Fotografieren nicht zu stark auf die Pelle rücken. Nutzen wir das Kleinbildformat – im Digitalzeitalter „Vollformat“ genannt - empfiehlt sich der Einsatz einer Brennweite so um 80 bis 85 mm. Wir können damit Abstand halten, sind trotzdem (vom Ausschnitt aus gesehen) „nah dran“ und vermeiden den Weitwinkeleffekt kurzbrennweitiger Objektive, aber auch die „Telewirkung“ (manche sagen „Pfannkucheneffekt“) von Aufnahmen mit längerer Brennweite.

Die meisten von uns fotografieren sicherlich digital mit einer Kamera, die einen Sensor im APS-Format besitzt. Hier bietet sich das früher sogenannte „Normalobjektiv“ mit 50 mm Brennweite als Porträtlinse an. Solche Objektive sind auch in guter Qualität relativ preiswert zu erhalten und haben normalerweise zudem eine hohe Lichtstärke. Mit großer Blende erreichen wir eine geringe Schärfentiefe und können so den Kopf des Porträtierten besser vom Hintergrund trennen.

Fast vergessen, aber sehr wichtig. Bitte als 6. Punkt berücksichtigen: Das Model nicht anschweigen! Besser ist es, mit ihm zu reden und vor allem, es zu loben und mögliche Fehler beim Posing immer nur mit positiven Worten korrigieren. Sätze wie „Stell Dich nicht so blöd dahin, das sieht echt sch… aus“ sind absolut tabu. Das kommt eher nicht so gut an, besser ist es zu sagen: „Das sieht schon ganz toll aus, aber dreh‘ Dich doch bitte mal …“

Jetzt ist der Text doch wieder länger geworden, als geplant. Hoffentlich haben alle Leser bis hier durchgehalten. Dann kann es ja losgehen mit den ersten Aufnahmen.
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5 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 29.01.2015 | 18:52  
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Kurt Battermann aus Burgdorf | 29.01.2015 | 21:13  
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Elena Sabasch aus Hohenahr | 29.01.2015 | 21:39  
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Karl-Heinz Mücke aus Pattensen | 29.01.2015 | 23:00  
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Gaby Floer aus Garbsen | 30.01.2015 | 08:54  
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