Herrensitze und kleine Schlösschen: Bürger und Landadel machten es den großen Tieren nach

Blick auf das Rittergut Bemerode I.
 
Schlossartige Villa am Bünteweg.
Hannover: Bemerode | Leineschloss, Welfenschloss, Schloss Herrenhausen, Barockschloss Linden: Hannovers richtige Schlösser wurden woanders gebaut. Doch auch in Bemerode und Kirchrode gab und gibt es kleine Ausgaben jener feudalen Bauwerke, die romantische Herzen höher schlagen lassen. So kann das alte Dorf Bemerode noch mit einem jener Herrensitze prunken, mit denen einst der einfache Landadel den großen Feudalherren nacheiferte.

Durch das Zusammenlegen mehrere Höfe entstand anno 1624 das Rittergut Bemerode I an der heutigen Brabeckstraße 169. Sein Herrenhaus ist Mittler zwischen Schloss und bäuerlichem Wohnhaus. Wohl um das Ende vom 17. Oder Anfang des 18. Jahrhunderts ließ Gutsherr Berkelmann das zweistöckige Fachwerkgebäude erbauen. Der Turm mit seinen vielen Ecken im Osten kam relativ spät hinzu. Ihn errichteten die Bauarbeiter erst 1906. Heute steht das Gutshaus unter Denkmalschutz.

Im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs gin ein anderes städtebauliches Glanzlicht unter. An der südwestlichen Ecke des Stadtbezirks stand einst das Schloss des Staatsministers Graf von Alten. Die Geschichte des Ritterguts Kronsberg ist indes kurz. 1857 brannte in Laatzen ein Gutshof der Familie von Alten ab. Herr Staatsminister kaufte daraufhin kurzerhand Grundstücke am Kronsberg und ließ hier einen neuen Herrensitz mit Wirtschaftsgebäuden entstehen. Doch der Hof blieb nicht lange im Eigentum des Adelsgeschlechts. Nur ein paar Jahre später erwarb ein hannoverscher Kaufmann namens Jacobsohn den Besitz. Als 1890 dann das Gut zum Rittergut erhoben wurde, hieß der inzwischen vierte Herr auf Gut Kronsberg Hermann Kamlah. 1913 schließlich kaufte der Stephansstift die Anlage und brachte hier jugendliche Heimzöglinge unter. Dreißig Jahre später kam dann das Ende. Am 22. September 1943 legten Bomben das kleine Schloss in Schutt und Asche. Drei Jungen starben in den Trümmern.

Reich gewordene Bürgerliche ließen in Kirchrode ihre feudalen Träume Wirklichkeit werden. So eiferte 1912 ein gewisser Bernhard Droop den blaublütigen Vorbildern nach und steckte am Bünteweg 17 sein Geld in einen schlossartigen Landsitz. Diese „Westfalenhof“ genannte prachtvolle Villa zählt heute noch mit ihren klassizistischen Formen zu den bemerkenswertesten Bauten in Hannover. Das Haus mit dem portikusartigen Vorbau im weitläufigen Park verfehlte seine Wirkung auch nicht auf die Militärs. Jedenfalls schlug nach dem Zweiten Weltkrieg der englische Kommandant in der Villa seine Zelte auf. Zurzeit dient das Baudenkmal angehenden Tiermediziners als Domizil.

Rentier Droop war nicht der einzige, der wie ein Schlossherr vor den Toren der Stadt wohnen wollte. Einen Steinwurf weiter entwarfen das Architektenduo Georg Thofern und Maximilian Jagielski schon 1905 ein ebenfalls sehr repräsentatives Gebäude. Experten vom Landesamt für Denkmalschutz gerieten bei der turmbewehrten Edelhütte ganz aus dem Häuschen. „Die inmitten des Parks gelegene Villa stellt innerhalb der Villenarchitektur dieser Zeit nicht zuletzt der Größe wegen eines der herausragendensten Objekte Hannovers dar“, heißt es in der hannoverschen Denkmaltopografie über das Haus Bünteweg 8 B.

Die Serie „Geschichtliches aus der Südstadt“ ist beendet. Doch nicht nur im Südstädter Maschseekurier bin ich der Stadtteil-Geschichte nachgegangen. Außer dem Maschseekurier und dem heute noch existierenden Maschseeboten (für den hannoverschen Stadtbezirk Döhren-Wülfel) erschien im selben Verlag zeitweise unter anderem der Tiergarten-Blick. In einigen Ausgaben schrieb ich Beiträge zur Historie der jeweiligen Stadtteile. Die einzelnen Hefte sind natürlich schon lange vergriffen und vergessen. Auch wenn diese damaligen Artikel keine zusammenhängende Geschichte der Stadtteile ergeben, sondern nur einige wenige Aspekte schlaglichtartig beleuchten, sollen nun diese Geschichten in loser Folge nach und nach bei myheimat veröffentlicht werden. Bestimmt interessieren sie ja den einen oder anderen myheimat-User. Denn Heimatgeschichte ist immer aktuell und nie von gestern. Dieser Beitrag erschien im Tiergarten-Blick Ausgabe 8/1993.
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 09.03.2014 | 09:58  
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