Die Teufelsmauer zwischen Neinstedt und Weddersleben am Harz – Das älteste Naturschutzgebiet Deutschlands

Eine "sagenhafte" Landschaft - die Teufelsmauer.
 
Der "Teufelsmauerstieg" geht über eine Distanz von etwa 20 Kilometern von Blankenburg nach Ballenstedt.
 
Der erste Streckenabschnitt führt über den Großvaterfelsen bis hin zum Fels des Hamburger Wappens bei Timmenrode.
So mancher Harzwanderer kennt vermutlich die Teufelsmauer bei Blankenburg am Ostharz. Auf dem schmalen Bergkamm des Heidelberges führt ein wunderbarer Felsenweg über den Großvater-Felsen bis hin zum markanten Fels des Hamburger Wappens, im Volksmund Ludwigsfelsen genannt, bis nach Timmenrode. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass diese Strecke für Trittsichere einer der schönsten Wanderwege im gesamten Harzraum ist. Zum einen des wilden, felsigen Untergrundes wegen und zum anderen wegen der schönen Ausblicke zu beiden Seiten über die Vorharzlandschaft bis hin zur nahen Kante der Harzberge.
Doch die Teufelsmauer ist noch viel mehr als dieses etwa vier Kilometer lange Stück schönster Natur. Über Neinstedt und Weddersleben zieht sie sich auf einer Länge von etwa 20 Kilometern bis nach Ballenstedt hin. Dort sind es die Gegensteine, mit denen dieser lange Felswall aus Sandstein endet. Und natürlich kann man über den Teufelsmauerstieg auch diese gesamte Strecke entlangwandern.

Doch durchgängig ist diese natürliche Felsmauer schon lange nicht mehr. Seit vielen Jahrmillionen hat die Erosion daran geschliffen. Eiszeiten und Flüsse, Wind und Wetter haben daran genagt und den weicheren Sandstein zu feinem, weißen Sand verarbeitet. Diesen kann man überall an diesem Höhenzug finden. Bei meinen Urgroßeltern in Timmenrode bildete er statt der Dielen den Bodenbelag der „guten Stube“. War er schmutzig, so wurde er ausgetauscht. Und nicht wenige meiner Urahnen haben als Maurer gearbeitet. Sie haben den Sandstein in den Steinbrüchen des Heidelberges gebrochen und ihn in den umliegenden Dörfern und Städten verbaut. Alt geworden sind die Männer bei dieser körperlich schweren Arbeit allerdings nicht, sind sie doch oft frühzeitig an einer Staublunge gestorben.

So kommt es also, dass von der einst durchgehenden Teufelsmauer eben nur noch bestimmte Felspartien übriggeblieben sind. Und das sind natürlich diejenigen, deren Gestein sich im Laufe von Myriaden von Jahren so verändert hat, dass es besonders hart und widerstandsfähig geworden ist. Am eindrucksvollsten kann man dieses Gestein in der Mitte der langen Mauer bei Weddersleben und Neinstedt erleben. Dort sind es die Mittelsteine, auch Adlerklippen genannt, die einen ganz besonderen Anblick bieten.
Von der nördlichen Seite, von dem Dorf Weddersleben her, hat man tatsächlich den Eindruck einer langgezogenen Felsmauer mit Türmen und Zinnen. Ein kleiner Pfad führt darunter entlang und um die ganze Felsgruppe herum. Noch eindrucksvoller ist es jedoch, wenn man bei Neinstedt vom Wanderparkplatz an der Bodebrücke von der südlichen Seite zu den Felspartien hinaufsteigt. Dann hat man das bizarre Mauerwerk direkt vor sich. Und das ist es wirklich. Scheinbar der Schwerkraft trotzend, ragen einzelne Felstürme aus der steinernen Mauer heraus. Man steht darunter und staunt über diese wie von Riesenhand hingeworfenen Felsen. Irgendwie märchenhaft ist diese fantastische Szenerie. Und dass es darüber natürlich auch eine Sage gibt, kann sich wohl jeder unschwer denken:

Einmal stritten sich der liebe Gott und der Teufel um das Harzvorland. Der liebe Gott machte dem Teufel einen Vorschlag: "Wenn du es schaffst in einer Nacht eine Mauer durch das Land zu ziehen, noch vor dem ersten Hahnenschrei, dann soll dir die eine Hälfte gehören und mir die andere." Gesagt getan. Der Teufel war einverstanden und rieb sich die Hände. "Nichts einfacher als das", sagte er zu sich und ging ans Werk. Die ganze Nacht hindurch arbeitete, wie ein Berserker. Und als der Morgen graute, wollte er gerade den letzten Stein auf die Mauerkrone setzen. Doch da kam eine Bauersfrau aus Timmenrode daher, die nach Blankenburg zum Markt wollte. Auf dem Rücken trug sie eine Kiepe, und darin befand sich ein Hahn. Als nun der Teufel sein Werk vollenden wollte, fing der Hahn an zu krähen. Der Teufel hatte die Wetter verloren. Wutentbrant nahm er gewaltige Steine und schleuderte sie gegen die fast fertige Mauer. Und die Trümmer liegen noch heute weit verstreut in der Landschaft.

Auch die Gebrüder Grimm haben über die Teufelsmauer Märchenhaftes erzählt und aufgeschrieben. Und solche fantastischen Kulissen sind auch etwas für die Filmindustrie. Zu mehreren DEFA-Märchenfilmen wurde zu DDR-Zeiten an den Mittelsteinen gedreht. Und auch DDR-Winnetou Gojko Mitic konnte vor 50 Jahren seinem Pferd dort die Sporen geben und zog mit den Indianern seines Stammes durch diese wildwestlich anmutende Vorharzlandschaft. Diverse nationale und internationale Filmproduktionen ließen nach der Wende ebenfalls nicht lange auf sich warten. So wurde unter den Felsen unter anderem für den Medicus und die Päpstin gedreht.

Dass diese Landschaft eine ganz besondere ist, erkannte man im 19. Jahrhundert schon in Preußen. Wie schon erwähnt, wurde der weiße Sandstein an verschiedenen Stellen abgebaut. Auch die Mittelsteine an der Bode waren davon bedroht. Doch 1833 gab es einen Erlass, der diese Landschaft schützen und vor der Zerstörung bewahren sollte. So entstand das erste Naturschutzgebiet Deutschlands.
Es ist neben den vielen Felsen der weiße Sandboden, der diese langgestreckte Landschaft gegenüber den umgebenden Lößböden zu etwas Besonderem macht. Eine ganz spezielle Vegetation hat sich auf dem nährstoffarmen Untergrund angesiedelt. Magerrasen, Zwergstrauchheide, Ginster, bunt blühende Kräuter und vieles mehr. Eidechsen fühlen sich an den wärmenden Felsen wohl, und hoch am Himmel sieht man immer wieder Rote Milane, die mit reglosen, weitgespannten Flügeln in den Spiralen des Aufwindes ihre Kreise ziehen.

Blickt man von den Höhen der Mauer nach Westen hin in Richtung Blankenburg, erkennt man auf dem sich hinziehenden Kamm weitere Felspartien. Die von Timmenrode verstecken sich allerdings im dichten Kiefernwald. Wer möchte, kann dem Wanderweg am Kamm entlang nach Warnstedt hin folgen. Wer nicht so weit laufen möchte, umrundet einfach die markante Felsgruppe der Mittelsteine. Egal von welcher Seite auch immer. Von überall her bieten die Felsen eindrucksvolle Anblicke.
Und wer, zurück am Parkplatz an der Bode, noch nicht genug hat, der schlendert vielleicht noch mal durch die mittelalterlichen Gassen von Quedlinburg oder macht einen Abstecher zum ebenfalls nahen Bodetal. Was auch immer, es sind alles wunderbare Ausflugsziele. Und davon hat diese Harzrandlandschaft mehr als genug.

Siehe auch und ganz nah:

Die Höhlenwohnungen von Langenstein am Harz - Ein Muss nicht nur für Hobbitfans

Der späte Gast - Eine "märchenhafte" Erzählung aus dem Harz
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Wolfgang Nieschalk aus Nordstemmen | 23.09.2016 | 21:34  
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Kurt Wolter aus Hannover-Bemerode-Kirchrode-Wülferode | 23.09.2016 | 21:39  
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