Im Wandel der Zeit - Über die Beschleunigung der Entwicklung unserer Welt

Sind Zeit und Raum wirklich mit dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren entstanden, wie es Einsteins Relativitätstheorie beschreibt? Oder ist beides unendlich, es gab es schon immer und wird es immer geben? Dass die Welt ein Wunderland ist, erkannte nicht erst Alice. (Einen Dank dem mir unbekannten Graffiti-Küstler vom Conti-Gelände.)
 
Das erste Leben auf unserem blauen Planeten entstand im Meer.
 
Das Land war zunächst öde, wüst und leer.
 
Doch irgendwan eroberte das Leben auch die eigentlich lebensfeindlichen Kontinentalmassen und bildete eine enorme Artenfielfalt aus. Etwa 99,9 Prozent dieser Arten sollen wieder ausgestorben sein.
Die Welt verändert sich, das ist kein Geheimnis, und Wandel gibt es überall, obwohl er auf den ersten Blick nicht immer erkennbar ist. Mancher Wandel vollzieht sich so langsam, dass wir ihn in einer ganzen Lebensspanne nicht wahrnehmen können. Nehmen wir einmal einen Granitstein. Er sieht für uns immer gleich aus. Doch durch Vergleiche mit anderem Granitgestein können wir erkennen, dass auch er einem Wandel unterliegt. So wissen wir, dass er einst aus Gasen entstanden ist, die sich über große Zeiträume durch Kompression zu einem flüssigen Stoff, der Magma, verdichtet und entwickelt haben, um später irgendwann aus den Tiefen des Erdmantels emporzusteigen und zu erkalten. Doch das ist nicht das Endstadium dieses Steines. Wir wissen weiter, dass die Erosion an ihm nagt und ihn verwittern lässt. Irgendwann in ferner Zukunft wird er sich in seine Bestandteile aufgelöst haben, die vom Wasser ins Meer transportiert werden. Solch ein Granitstein kann sehr jung sein, kann aber auch ein Alter von mehreren Milliarden Jahren erreichen, wie zum Beispiel die viele Tonnen schweren und rund geschliffenen Granitbrocken, die man auf Rügen am Ufer des Zickerschen Höfts bestaunen kann. Ihr Alter beträgt bis zu 3 Milliarden Jahre, und wer weiß schon, wie viele Milliarden Jahre sie noch überstehen werden. Das sind zeitliche Dimensionen, die über unser menschliches Vorstellungsvermögen hinausreichen.
Doch noch älter als dieser Granit ist unsere Erde. Vor viereinhalb Milliarden Jahren ist sie entstanden. Um uns diesen gewaltigen Zeitraum besser vorstellen zu können, wollen wir ihn einmal zusammenquetschen und auf ein einziges Jahr komprimieren:
Schon nach etwa zweieinhalb Monaten entsteht im Meer das erste primitive Leben. Von den Einzellern entwickelt es sich zunächst nur äußerst langsam weiter. Nach diversen Weichtieren entstehen nach der Spanne eines halben Jahres Triboliten und Ammoniten. Nach über 10 Monaten, also schon Anfang November, gibt es verschiedenste Fischarten. Mitte November verlassen einige Tiere das Wasser und erobern das Land, das sie sehr schnell besiedeln. Als der Dezember beginnt, beherrschen die Dinosaurier die Erde, und die Wälder entstehen. Vermutlich setzt ein Asteroid den Sauriern ein Ende, da er so viel Staub in die Atmosphäre befördert, dass es so richtig kalt wird und das wärmende Sonnenlicht den Erdboden nicht mehr erreichen kann.
Das ist die Stunde der bis dahin bedeutungslosen Säugetiere. Sie sind es, die nun das Land erobern und die eine unermessliche Zahl von Lebewesen ausbilden.
Der letzte Tag des Jahres ist angebrochen. Kurz vor dessen Ablauf, es sind nur noch 45 Minuten bis Mitternacht, hat sich daraus eine Spezies entwickelt, die wir als richtigen Menschen bezeichnen können. Und nur in der letzten Minute des Jahres, was etwa einen Zeitraum von etwa 40 000 Jahren entspricht, lebt der moderne Mensch, der Homo sapiens.
Liegen seine Ursprünge nach heutigem Wissen etwa fünf Millionen Jahre zurück, so wandelte er sich schon zwei Millionen Jahre später zu dem Vormenschen Homo habilis und dem nachfolgenden Homo erectus, der die Wälder und später auch die Steppen Afrikas durchstreifte. Nicht nur, dass diese Vormenschen aufrecht gingen, sie entwickelten auch das erste Werkzeug, den Faustkeil. Dieser blieb allerdings über den erstaunlich langen Zeitraum von 1,3 Millionen Jahren unverändert, ehe andere Werkzeuge entstanden. Ob Schaber, Keule, Speer, Bohrer oder das Erlernen des Feuermachens, es dauerte Jahrhunderttausende, bis er diese Gegenstände und Fertigkeiten entwickelte.
Vor 40 000 bis 30 000 Jahren erschien, wie schon erwähnt, der heutige Mensch auf der Bildfläche, der Homo sapiens. Hatte das Tempo des menschlichen Wandels bis dahin schon zugenommen, so gewann es nun noch mehr an Fahrt. Je mehr der Mensch erfand und entdeckte, desto mehr beeinflusste dieses Mehr die Geschwindigkeit des Wandels. Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit und alle nachfolgenden Epochen gewannen immer rasanter an Geschwindigkeit und führten zu immer kürzeren Zeitabschnitten in der Entwicklung der Menschheit.
Nachdem einige Stämme das Nomadentum aufgegeben hatten, erreichte die Entwicklung vor etwa 12 000 Jahren einen neuen Höhepunkt. Die ersten Städte wurden angelegt. Die untersten Schichten Jerichos entstammen dieser Zeit. Nach wiederum sechs Jahrtausenden ein nächster entscheidender Einschnitt. Die Schrift wurde entwickelt, und damit stieg die Progressionskurve des Wandels noch steiler und schneller an. Wurde das bisherige Wissen bis zu diesem Zeitpunkt an die nachfolgenden Generationen nur mündlich weitergegeben, so wurde es nun durch Keilschrift auf Tontafeln oder bald danach durch Bildschrift auf Papyrus, durch Hyroglyphen, erhalten. Komplexeres Wissen konnte festgehalten werden und führte dadurch zu neuen und vielschichtigeren Sichtweisen.
Damit gab es kein Halten des menschlichen Geistes mehr. In nur wenigen Jahrtausenden lernten einige Kulturen die Erde zumindest teilweise zu verstehen, erkundeten sie und machten sie sich mit Hilfe ihrer technischen Mittel untertan. Dass dabei nicht immer alles glatt ging, versteht sich von selbst. Die Evolution des Menschen forderte ihre Tribute. Die meisten Triebe dieses menschlichen Baumes führten in Sackgassen. So entwickelten sich Völker und verschwanden nach mehr oder weniger langen Phasen ihrer Entwicklung wieder von der Bildfläche, ebenso wie es zuvor beim Stammbaum des Menschen geschehen war, bei dem schließlich nur der Homo sapiens mit kleinen Anteilen Neandertalergenen und denen einer asiatischen Art überlebt hat. Das ist ein ganz natürlicher Vorgang, denn im Wandel gibt es keine Beständigkeit und Beständigkeit ohne Wandel gibt es nach menschlichem Ermessen nicht.
Doch vieles von dem, was diese Völker schufen, blieb erhalten, wurde von anderen aufgenommen und sogar weiterentwickelt. Das Wissen der Ägypter, Sumerer und Babylonier wurde von den Griechen übernommen. Diese gaben es vor dem Untergang ihrer Kultur an die Römer weiter, die ihrerseits damit den menschlichen Geist des Mittelalters beflügelten.
Ein neuer Wissensschub trat in Europa mit der Erfindung der Buchdruckkunst durch Johannes Gutenberg ein. Von nun an war das Wissen der Alten Welt nicht mehr auf einige wenige Mönche oder Gelehrte beschränkt, sondern fand Zugang zu allen Bevölkerungsschichten. Je mehr Menschen davon profitierten, desto mehr Menschen konnten zu einer fortschrittlicheren und damit schnelleren Entwicklung beitragen. Großen Anteil daran hatten zum Beispiel auch Menschen wie Giordano Bruno, Galileo Galilei oder auch Martin Luther, die sich zum Ende des Mittelalters der Katholischen Kirche widersetzten, auch wenn sie das noch mit dem Leben bezahlen mussten oder zumindest in Lebensgefahr gerieten. Solchen Menschen gelang es schließlich, den bis dahin durch die Kirche in ein starres Korsett eingeengten Geist zu befreien und für ein schnelleres Entwicklungstempo zu sorgen.
Der nächste Einschnitt in der Entwicklung und des Wandels erfolgte in der Mitte des 18. Jahrhunderts. In England nahm die Industrielle Revolution ihren Anfang. Sie sollte die Welt grundlegend verändern. Die Erfindung der Dampfmaschine machte es möglich. Von nun an konnte mit Hilfe von Maschinen in großem Stil produziert werden. Einher ging damit die Entwicklung des ersten schnellen Fortbewegungsmittels, der Eisenbahn. Die Welt wurde dadurch kleiner. Ein Großteil der Menschen verlagerte sich vom Land in die Stadt: Industriekultur statt Agrarwirtschaft, das war nun die Devise. War das schon der Beginn der Neuzeit? Oder zu welchem Zeitpunkt soll man ihn einstufen? Für mich ist das jedenfalls der entscheidende Punkt in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit, und sicher war damit die moderne Welt geschaffen, auch wenn in der Folgezeit in immer kürzer werdenden Zeitabschnitten weitere revolutionäre Erfindungen gemacht und dadurch der Wandel weiter forciert wurde.
Der Verbrennungsmotor führte nicht nur zum Bau von Automobilen und Flugzeugen, sondern ermöglichte dem Menschen auch den großen Schritt in den Weltraum, der wiederum nur mit Hilfe der Computertechnik erlangt werden konnte.
Und damit sind wir in der Welt angekommen, in der wir heute leben. Ging der Wandel auf der Erde also am Anfang nur sehr langsam voran, so gewann er nach langer Zeit kontinuierlich an Fahrt. Und dieses Mehr an Geschwindigkeit führte und führt zu noch größeren Geschwindigkeiten. Man erkennt das im Alltagsleben zum Beispiel an den Smartphones, die nach einem Jahr fast schon wieder veraltet sind.
Wir Menschen zählen die Entwicklung im Erdaltertum zunächst in Jahrmilliarden, dann in Jahrmillionen, in Jahrtausenden und schließlich in einzelnen Jahren, Monaten und Tagen. Und die Wissenschaft dröselt sogar die erste Sekunde nach dem Urknall in Millionstel und Milliardstel Bruchteile auf. Das ist schon ziemlich verrückt. Kürzer können die Zeitspannen nun wohl kaum noch werden.
In dem Bild einer Progressionskurve, die nur langsam an Höhe gewinnt und erst zuletzt immer steiler ansteigt, lässt sich dieser Wandel zwar einigermaßen wiedergeben. Doch wo genau wir in dieser Kurve zurzeit stehen, das wissen wir nicht, das wird erst die Zukunft zeigen. Niemand weiß, wie sich in Zukunft alles verändern und fortentwickeln wird. Vermutlich werden Veränderungen erfolgen - es sei dahingestellt, ob sie positiv oder negativ sein werden -, die wir heute als utopisch bezeichnen oder die wir nicht im Entferntesten erahnen können.
Doch bin ich der Meinung, egal was auch folgen wird, dass die Menschheit den entscheidenden Schritt der Entwicklung in ihrer Existenz auf dieser Erde innerhalb der letzten Generationen vollzogen hat, egal wie lange sie auf diesem Planeten auch verweilen wird. Und das innerhalb der Generationen der Großeltern unserer Urgroßeltern bis zur vorigen Generation. In diesem Zeitraum von etwa 1750, vom Beginn der Industriellen Revolution, bis 1958, dem ersten Schritt in den Weltraum, hat sich die Welt vollkommen gewandelt. Diese 200 Jahre bilden den entscheidenden Einschnitt der Menschheit in ihrer Existenz. In die Endphase dieser Epoche ist meine Nachkriegsgeneration hinein geboren, und wir haben noch deren Ende miterlebt. Schon die Generation nach uns lebt nicht mehr in dieser Epoche, sondern bereits in der neuen Welt, die auf den davor entstandenen Errungenschaften aufbaut. Auch wenn der Wandel nun noch rasanter voranschreitet - das Wissen der Menschheit verdoppelt sich zurzeit alle paar Jahre -, so ist der Grundstein für eine neue Zeit doch gelegt. Alle anderen Entwicklungen bauen darauf auf, ergeben sich zwangsläufig daraus. Und es wird spannend und aufregend sein mitzuerleben, wie der Wandel weiter voranschreitet, und zu erfahren, wie die Welt von morgen aussehen wird.
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1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 13.10.2013 | 22:20  
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