„Unsere Heimatstadt wird als Wohn- und Arbeitsort geliebt und geschätzt“: Oberbürgermeister Gerhard Jauernig über Günzburg im Jahr 2014

Wie war das Jahr 2014 für die Stadt Günzburg? Die Fragen von myheimat beantwortet Oberbürgermeister Gerhard Jauernig (Foto: Stadt Günzburg)
 
Ein „Rettungsschirm“ für den OB: Die Günzburger Blechbätsch’r sorgten für ordentlich Stimmung im Rathaus (Foto: Stadt Günzburg)
 
Baumspenden für städtische Anlagen: Das Arboretum bekommt Zuwachs: Neue Bäume in den Städtischen Anlagen mit Hilfe von Spenden aus der Bürgerschaft (Foto: Stadt Günzburg)
Herr Oberbürgermeister, was waren für Sie die Höhepunkte des Kalenderjahres 2014?

Gerhard Jauernig: In den zurückliegenden Monaten gab es viele Ereignisse, die mich bewegten, positiv wie negativ. Alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Persönlich wichtig für mich war die Kommunalwahl, als Sportbegeisterter natürlich der Gewinn der Fußballweltmeisterschaft durch die Nationalmannschaft der Männer im Sommer und eine insgesamt positive Stadtentwicklung für Günzburg.

Herr Jauernig, im Frühjahr 2014 wurden Sie mit dem Traumergebnis von 95,6 % der Stimmen erneut in das Amt des Oberbürgermeisters der Großen Kreisstadt Günzburg gewählt. Haben Sie damit gerechnet?

Gerhard Jauernig: Jeder Kandidat hat, wenn er ehrlich ist, am Wahltag ein etwas mulmiges Gefühl. Über das Ergebnis habe ich mich riesig gefreut. Nun geht es darum, den Günzburger Erfolgskurs gemeinsam mit dem Stadtrat, der Verwaltung und allen, die sich einbringen wollen, fortzusetzen.

Sie sprachen eben davon, dass es auch Ereignisse gab, die Sie bewegten.

Gerhard Jauernig: Ja. Regional waren es vor allem Schicksalsschläge von Menschen, zu denen man einen Bezug hat oder die man kannte. Der tödliche Verkehrsunfall eines jungen, mir bekannten, talentierten Sportlers, der sehr plötzlich und unerwartet aus dem Leben gerissen wurde, war unfassbar und stimmte mich und viele andere unendlich traurig. Auch der Tod von unserem früheren Landrat und Bezirkstagspräsidenten Dr. Georg Simnacher gehörte zu den negativen Meldungen 2014. Er hat die gesamte Region stark geprägt und war eine echte Persönlichkeit. Mit ihm verlor Günzburg nicht nur einen Ehrenbürger sondern einen echten Förderer.

Und politisch?

Gerhard Jauernig: Durch die weltweiten Krisenherde und Kriegsgebiete befinden sich hunderttausende Menschen auf der Flucht. Unser Land, der Freistaat Bayern und der Landkreis Günzburg, wurden und werden von diesen Kriegsflüchtlingen heimgesucht. Dies stellt uns vor große Herausforderungen.

Was bedeutet das für Günzburg?

Gerhard Jauernig: Wir wollen und werden diesen Menschen mit Offenheit und Toleranz, mit Hilfestellung und humanitärer Verantwortung gegenübertreten. Da bin ich mir ganz sicher. Dies wird jedoch eine Notfallhilfe sein. Für die kommenden Jahre brauchen wir eine aktive auch finanzielle Begleitung durch Bund und Land, um denen, die auf Dauer als Asylbewerber anerkannt werden, den Einstieg und die Integration in unsere Gesellschaft zu erleichtern.

Zurück zur Kommunalpolitik: Im Frühjahr wurde das Straßenbild nicht nur durch viele Plakate, sondern auch durch eine Vielzahl von blühenden Pflanzen bestimmt. Wie kam es dazu?

Gerhard Jauernig: Plakate sind zwar bunt, für die Demokratie im Vorfeld von Wahlen auch notwendig, aber nicht uneingeschränkt beliebt. Pflanzen schon! Unter dem Motto „Günzburg blüht auf“ hat unsere Stadtgärtnerei tausende von Blumenzwiebeln an den Einfahrtstraßen und an unterschiedlichen Örtlichkeiten vergraben, die tatsächlich regelrechte Glücks- und Frühlingsgefühle weckten. Und wir werden dies auch 2015 wiederholen.

Günzburg wächst. 2013 wurden bereits 19.676 Einwohner gezählt. Hält dieser Trend an?

Gerhard Jauernig: Zunächst einmal freuen wir uns über diese Entwicklung, weil sie auch dokumentiert, dass unsere Heimatstadt als Wohn- und Arbeitsort geliebt und geschätzt wird. Wir arbeiten fest daran, dass sich dieser positive Trend stabilisiert und fortsetzt.

Durch welche Maßnahmen wollen Sie dies erreichen?

Gerhard Jauernig: Stadtrat und Stadtverwaltung haben in dem vergangenen Jahrzehnt konsequent die Grundlagen für eine erfolgreiche Baupolitik geschaffen und im großen Stil Baugebiete entwickelt und forciert. Mit dem zweiten Bauabschnitt im Stadtteil Nornheim werden wir diesen Weg zielgerichtet weitergehen.

In bester Innenstadtlage wurden und werden jahrelange leerstehende Industriebrachen bebaut und einer wohnwirtschaftlichen Folgenutzung zugeführt. Immer mehr, vor allem auch ältere Mitbürger aus der Stadt und dem Umkreis, schätzen die Stadt der kurzen Wege und das Leben in der Innenstadt. Hier bietet Günzburg einzigartige Angebote. Darüber hinaus ist unsere Stadt für junge Familien wieder interessant geworden. Junge Familien, die auf Günzburg bauen und von der Kommune Baugrund erwerben, können nach entsprechendem Antrag, eine Förderung von bis zu 11.000 € erhalten.

Bundesweit spricht man von Folgen der demographischen Entwicklung. Spürt man dies auch in Günzburg?

Gerhard Jauernig: Ja klar. Auch unsere Stadtgesellschaft verändert sich. In einer Prognose wurde vor kurzem dargestellt, dass bis zum Jahre 2023 rund 25 % mehr Menschen über 65 in Günzburg wohnen als heute.

Was bedeutet das für die Kommunalpolitik?

Gerhard Jauernig: Entscheidend ist nicht nur, wie alt man wird, sondern WIE man alt wird. Aus diesem Grunde haben wir ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept erarbeitet, das wir in den nächsten Jahren umsetzen werden.

Was bedeutet dies konkret?

Gerhard Jauernig: Bereits jetzt wurden zwei Projekte daraus umgesetzt, die Günzburger Kulturtafel und die Günzburger Nachbarschaftshilfe. Darüber hinaus entstanden mit Unterstützung der Stadt bereits 18 Tagespflegeplätze für ältere und hilfsbedürftige Menschen, die von der ökumenischen Sozialstation betrieben werden. Als ganz große Herausforderung für die nahe Zukunft sehen wir die Um- und Weiterentwicklung unseres Seniorenheims sowie die barrierefreie Umgestaltung des öffentlichen Raums.

Gebaut wird derzeit in Günzburg an allen Ecken und Enden.

Gerhard Jauernig: Das stimmt, Günzburg erlebt einen unglaublichen Bauboom, öffentlich wie privat. Mit dem Bau des Amtsgerichtes für über 16 Millionen € und der Erweiterung des Landratsamtes wird übrigens der Behördenstandort Günzburg nachhaltig gestärkt. Und mit der Fertigstellung unserer neuen Dreifachsporthalle, die über fünf Millionen € gekostet hat, bieten wir für Schulen- und Vereinssport ganz neue Möglichkeiten.

Wie kam es zur Namensgebung bei der Dreifachsporthalle?

Gerhard Jauernig: Die Dreifachsporthalle, bei der sich der Landkreis finanziell mit 1,5 Millionen € beteiligt hat, trägt den Namen Bruno Merks. Der frühere bayerische Innenminister, der 2013 verstarb, war ein Mann, der sich über Jahrzehnte hinweg nicht nur für Bayern, sondern auch für die Stadt Günzburg Verdienste erworben hat. Der neuen Sportstätte seinen Namen zu geben, war eine gute und kluge Entscheidung.

Gute und kluge Entscheidungen braucht man auch in der Kommunalpolitik. Was sind die großen Herausforderungen für das kommende Jahr?

Gerhard Jauernig: Stadtentwicklung ist nie zu Ende. In den kommenden Monaten und Jahren wird es darum gehen, weitere Plätze für die Mittags- und Nachmittagsbetreuung an unseren Schulen zu schaffen, weitere Module aus dem seniorenpolitischen Gesamtkonzept umzusetzen und an das Großprojekt, dem Neubau einer Feuerwache, heranzutreten.

Noch was persönliches, wie feiern Sie Weihnachten?

Gerhard Jauernig: Das Weihnachtsfest feiern wir im Kreise unserer Familie sehr traditionell. Vormittags besuche ich noch einige Institutionen, um mich für deren Präsenz am Heiligen Abend zu bedanken, dann besucht unsere Familie den Weihnachtsgottesdienst und am Abend sind wir dann in kleiner Runde beisammen.

Und verraten Sie uns noch Ihr traditionelles Weihnachtsessen?

Gerhard Jauernig: In diesem Jahr ist es ein Fondue.

Ihr Wunsch für 2015?

Gerhard Jauernig: Egal welche Wünsche jeder Einzelne zum Jahreswechsel hat, das Wichtigste ist Frieden auf der Welt und Gesundheit für jeden Einzelnen.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin günzburger | Erschienen am 07.01.2015
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