Neue flexible Betriebsformen im öffentlichen Personennahverkehr: FLEXIBUS und PFIFFIBUS

Angesichts des demografischen Wandels werden flexible Bedienformen im Öffentlichen-Personen-Nahverkehr (ÖPNV) in den nächsten Jahren erheblich an Bedeutung gewinnen. Sie werden derzeit – mit Unterstützung des Freistaates Bayern – in einigen Pilotprojekten, unter anderem in den Landkreisen Günzburg und Neu-Ulm erprobt.

Der verkehrspolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion Eberhard Rotter (Weiler-Simmerberg) kam auf Einladung des örtlichen Abgeordneten Dr. Hans Reichhart (CSU) nach Günzburg. Begleitet wurde er von den beiden Fraktionskollegen und Mitgliedern des Haushaltsausschusses Wolfgang Fackler (Donau-Ries) und Georg Winter (Dillingen). Beide aus den benachbarten Stimm- und Landkreisen. Treffpunkt war das Mobilitätszentrum des Unternehmers Josef Brandner (BBS-Reisen). Dieser inszenierte sowohl die Modellprojekte FLEXIBUS in Günzburg und PFIFFIBUS in Neu-Ulm.

Seit Juli 2009 ist der FLEXIBUS im Raum Krumbach unterwegs. 2012 starteten die vom Freistaat geförderten, auf drei Jahre angelegten Modellprojekte mit zwei Millionen €. Da die Verträge mit Ende des Jahres auslaufen, ist es an der Zeit über Mobilität allgemein, mögliche Angebotsformen, Vergleiche der Betriebsformen sowie Barrierefreiheit zu reden.

Die Fahrgastzahlen des FLEXIBUSSES im Landkreis Günzburg steigen. Rein rechnerisch hat im vergangenen Jahr jeder Einwohner des Landkreises Günzburg mindestens einmal das Beförderungsangebot genutzt. Exakt 142 565 Fahrgäste wurden bei 120.000 Einwohnern befördert. Etwa 40.000 mehr als im Vorjahr. Der Fehlbetrag lag je Einwohner bei 5,39 € im Jahr bzw. 4,55 € je Fahrgast und Fahrt. Im Schienenpersonennahverkehr würde dieser in Bayern je Einwohner bei 83,10 € im Jahr bzw. bei 2,51 € je Fahrgast und Fahrt liegen.

Diskutiert wurden die Wirtschaftlichkeit, die Umsetzung im ländlichen Raum, die räumliche wie auch zeitliche Verfügbarkeit. MdL Georg sprach sich insbesondere für die Stärkung der Infrastruktur im ländlichen Raum aus. Da wäre der FLEXIBUS eine sinnvolle Ergänzung im ÖPNV. Eberhard Rotter als verkehrspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion kann sich nicht vorstellen, dass das Projekt bei diesem Erfolg beendet wird. Und Wolfgang Fackler sah in der behindertengerechten Auslegung die großen Vorteile. Der FLEXIBUS ist jedoch kein Taxi, betonte Josef Brandner. Der Unternehmer nimmt per Telefon die eingehenden Fahrtwünsche entgegen und koordiniert die Fahrten. Es werden Menschen aus der Fläche zu Knoten gebracht, um ihnen dann den Umstieg auf die großen Bus- oder Bahnlinien mit ihren überwiegend fast stündlichen Bus- und Bahnanbindungen zu bringen um diese ebenfalls zu stärken.

Eberhard Rotter war sich auch sicher, dass der ÖPNV ein Zuschussgeschäft bleiben wird. Es geht aber auch darum, die Mobilität der älteren Generation zu gewährleisten. Die Demografie spiele ebenfalls eine große Rolle wie auch die zunehmende Beschäftigung von Müttern, die dann als „Mama-Taxi“ nicht mehr so unbeschränkt zur Verfügung stehen werden. Die CSU-Landtagsfraktion möchte die erfolgreichen Pilotprojekte nicht nur zu Dauereinrichtungen erheben sondern auch andere Landkreise ins Boot holen.

Dazu müssen mit Sicherheit die Haushaltsmittel aufgestockt und die Kommunen ihre Anteile beibringen. Geht es doch darum, die im vergangenen Jahr von der bayerischen Bevölkerung in den Verfassungsrang erhobenen gleichwertigen Lebensbedingungen in Stadt und Land flächendeckend sicher zu stellen. Nachdem gleichwertig nicht gleichartig bedeutet, sind diese Pilotprojekte erforderlich um das Geeignetste heraus zu finden. Als Sprecher für den Sozialetat in der Arbeitsgruppe sah Wolfgang Fackler auch in seinem Bereich entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten wie dies der haushaltsexperte Georg Winter im anstehenden Nachtragshaushalt für den ländlichen Raum erblickte.

Wie eine Kundenbefragung ergab, nutzen insbesondere Senioren den FLEXIBUS. Die Hälfte der Nutzer ist älter als 60 Jahre, ein Viertel älter als 75 Jahre. Die Mehrheit hat keinen Führerschein. Die meisten fuhren mit den Kleinbussen zum Arzt oder um Besorgungen zu erledigen. „Der FLEXIBUS ist so die wirtschaftliche Alternative bei sehr wenig Nachfrage“, so der Unternehmer Brandner. Würde man im ländlichen Raum einen 30-Minuten-Takt mit einem großen Bus im Linienverkehr einrichten, würde es doppelt so viel kosten wie ein FLEXIBUS-Verkehr, der jede halbe Stunde Fahrmöglichkeiten in alle Orte seiner Zone und zu den „Knoten“ für weitere überregionale Anbindungen bietet.
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