Ein Mekka für Eisenbahnfans- Vergriffene Eisenbahnbücher"und anderes Papier zur Bahn" gibt es jetzt in einem neuen Onlineshop

Dr. Christian Broy im Interview (Foto: Privat)
 
Eines der seltenen Bücher (Foto: Dr. Christian Broy)
 
(Foto: Dr. Christian Broy)
Wer hat nicht schon Bücher gesucht, die es wie sich herausstellte gar nicht mehr gibt. Für Eisenbahnfans gibt es hier eine gute Nachricht.Dr. Christian Broy gebürtiger Leipheimer beitreibt seit kurzem eine Shop im Internet, der insbesondere Vergriffene Bücher für Eisenbahnfans anbietet. Broy selber ist großer Eisenbahnfan. Was Dr.Christian Broy auf die Idee brachte, was er anbietet, und was der Shop ( zu erreichen unter www.eisenbahnantiquariat.de) alles anbietet, darüber habe ich mit Christian Broy ein Interview geführt.


Thomas Rank:Was gibt es alles in dem Online Shop?



Christian Broy:Wie es in der Anzeige in zwei Eisenbahn-Zeitschriften heißt: (Vergriffene) Bücher und anderes „Papier zur Bahn“, das heißt also: Bücher zur Eisenbahn aus allen Gebieten, von Lokomotiven und anderen Fahrzeugen, den Straßenfahrzeugen und Schiffen der Bahn über die globale und regionale Verkehrsgeschichte bis hin zu Dienstvorschriften und Abhandlungen zur Rolle der Eisenbahn im Staat und Büchern zur Modelleisenbahn. Was ich nicht anbiete, sind dagegen gebrauchte Modelleisenbahnen, die gibt’s auf Börsen und im second hand-Handel.

Thomas Rank:Wie kam die Idee?

Christian Broy:Ich bin wie viele, eigentlich die meisten, Antiquare Seiteneinsteiger und kam vor 15 Jahren – wie man so sagt – aus einer persönlichen Verlegenheit heraus ins Antiquariat. Nach einem persönlichen Schicksalsschlag mußte ich mich einmal mehr neu orientieren. Die Eisenbahn wiederum beschäftigt mich schon seit früher Kindheit und so lag der Gedanke nahe, beide Bereiche zu verbinden.

Thomas Rank Wann ist der Shop gestartet und wie ist bisher die Resonanz?

Christian Broy: Das ganze steht ja erst am Anfang, seit Anfang September ist der shop online (www.eisenbahnantiquariat.de), obwohl letzte Programmierarbeiten noch ausstehen. Manches läuft noch nicht so ganz ‚rund’, aber ich hoffe, daß das bis Anfang Dezember dann soweit geregelt ist, daß man noch besser als jetzt schon stöbern kann. Dafür, daß ich gar keine große Werbung gemacht hatte, ist der erste Monat ganz gut gelaufen. Ziel ist aber doch, noch mehr Kunden zu gewinnen. Ganz wichtig ist mir der Service-Gedanke und vor allem eine schnelle Lieferung. Letzteres aufgrund eigener Erfahrung, bestellt ist „im Netz“ ja schnell, aber die Lieferung dauert. Ich arbeite grundsätzlich mit Vorauskasse, da entsteht durch die Bearbeitungszeit der Überweisung meist ohnehin schon eine ein- bis zweitägige Verzögerung. Wenn dann das Geld eingegangen ist, muß die Bestellung sofort zur Post. Daher versende ich auch, obwohl es nicht die billigste Variante ist, grundsätzlich als Brief, Päckchen oder Paket. Es gäbe zwar die Möglichkeit der günstigen Büchersendung, aber da können derzeit die Bearbeitungszeiten bei der Post bis zu zehn Tage dauern. Das kann niemandem zugemutet werden, obwohl es Zielrichtung der Deutschen Post AG sein könnte, durch diese schleppende Bearbeitung die Kunden, die ‚Büchersendung’ wählen, zum Wechsel zu einer teureren Versandart zu nötigen.

Thomas Rank: Wann und womit begann die Liebe zur Bahn?

Christian Broy: Mit Papas Modellbahn, ab dem Grundschulalter hatte ich meine eigene, auf Spaziergängen mit der Großmutter in Ulm und Leipheim (damals gab’s noch keine Schallschutzwände bzw. Sichtblenden), bei der Rittnerbahn in Südtirol. Dann war ich Fahrschüler und wartete lieber auf dem Bahn- als im Schulhof. Das fiel den Eisenbahnern natürlich auch auf und so absolvierte ich quasi inoffizielle Praktika in den Bahnhöfen Leipheim und Lauingen, zwischen denen ich damals pendelte. Ab und an durfte man auch mal auf dem Führerstand mitfahren, Signale und Weichen stellen oder die Bahnhofs-Kleinlok fahren (der Köf-Fahrer stand auf der anderen Seite des Führertisches, wo alle Bedienelemente noch mal vorhanden waren...). Um 1990 herum war ich mit einigen Freunden einige Jahre im Sommer und manchmal auch im Winterhalbjahr mit dem Tramper-Monats-Ticket quer durch Deutschland unterwegs, wobei wir ab der Wiedervereinigung vor allem bei der damals noch existierenden Reichsbahn waren und dort für einen kurzen Zeitraum nochmal eine ‚richtige’ Eisenbahn erlebten. Es ist dadurch natürlich, wie bei allen Eisenbahnfans, eigentlich eine Liebe zur Bahn meiner Kinder- und Jugendjahre. Jedoch habe ich bis heute kein Auto, sondern fahre in aller Regel mit dem Zug.

Thomas Rank:Woher kommen die Bücher?

Christian Broy: Meistens aus Nachlässen von Eisenbahnfreunden und Eisenbahnern. Wie groß ist das Sortiment? Derzeit sind ca 400 Titel katalogisiert, Tendenz steigend. Wie lange haben die Vorbereitungen gedauert, bis der Shop online gehen konnte? Nachdem ich das Antiquariat neben anderen beruflichen Tätigkeiten führe, war das natürlich nicht in kurzer Frist zu bewerkstelligen. Insgesamt kann man sagen, daß zwischen der Idee bis zur Präsentation im WWW etwa eineinhalb Jahre liegen.

Thomas Rank:Bietet der Shop nur für die großen Eisenbahnfans etwas oder auch für die kleinen Freaks was dabei?

Christian Broy:Einige wenige Titel – aber: sobald Kinder längere Texte lesen und verstehen können, lesen sie ohnehin die (Modellbahn-)Zeitschriften und ‚richtige’ Bücher zur Eisenbahn. Ich selbst wurde wesentlich durch Karl-Ernst Maedel, einen der begnadeten Erzähler über die Eisenbahn, geprägt. Seine Bücher sind meiner Meinung nach bis heute aufgrund ihres ganz speziellen und bis heute nicht wieder erreichten, packenden Erzählstils, der jedoch stets faktisch auf solidester Grundlage steht, eine der besten ‚Einstiegsdrogen’ in die Welt der Eisenbahn. Natürlich sieht die heutige Eisenbahn anders aus, Dampfloks gibt es nur noch auf Museumsbahnen und –fahrten, besetzte Bahnhöfe auf dem ‚flachen Land’, deren Eisenbahner der Bahn ein Gesicht gaben wie z.B. die schon lange gestorbenen Leipheimer Eisenbahner Karl Goldschmidt, Josef Pröbstle oder Manfred Garhammer, gibt es auch kaum mehr. Aber im Prinzip läuft das heute immer noch so ab, wie Maedel es beschreibt – allein die von ihm mitgeteilte Beobachtung, daß sich die Mehrzahl der Fahrgäste immer noch am Treppenaufgang zum Bahnsteig ballt, statt sich mit Hilfe des Wagenstandanzeigers in den Bereich zu begeben, wo der ‚eigene’ Wagen halten wird... Ein interessiertes Kind, ein interessierter Jugendlicher wird relativ bald das ‚richtige’ Fachbuch zur Hand nehmen, weil er wissen will, wie diese Lok konstruiert ist und funktioniert, wie das Fahrzeug eingesetzt wird bzw. wurde, wie der Bahnhofsgleisplan genau ausschaut oder was diese Lichtpunkte im Gleisfeld bedeuten. Das hat bei mir funktioniert, das beobachte ich bei meinem Neffen oder auch beim Nachwuchs des Frankfurter Feldbahnmuseums.
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