Chronik zu Fronhausen 850 Jahre: ein umwälzender lesens- und sehenswerter Wälzer

CHRONIK 850 Jahre Fronhausen. 1159-2009
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Die Dorfchronik über „Fronhausen 850 Jahre 1959 – 2009“ – so der Untertitel des 7,5 cm dicken Wälzers mit 1178 Seiten und ca. 600 Abbildungen – will für eine Besprechung erst einmal durchgearbeitet werden. Rund 40 Autorinnen/Autoren haben über 100 illustrierte Beiträge verfasst und mit Fotos und Graphiken in Schwarz-Weiß illustriert. Das Mammut-Projekt für die 850-Jahrfeier generierte zu einem wahrhaft gigantischen Buch. Einst waren Enzyklopädien feste Größen im Bücherregal – jetzt sterben die „Buch-Dinosaurier“ langsam aus. Nicht in FRONHAUSEN: Hier wurde von der Gemeinde ein zauberhafter enzyklopädischer dicker Wälzer herausgegeben – ein umfassendes Buch zur Dorfgeschichte Fronhausens, das in vielen Haushalten Fronhausen und sicherlich auch anderwärts demnächst im Regal stehen wird. Warum es sich lohnt, das Buch für 27 Euro zu erwerben, möchte ich hier erläutern.

Neugierig war ich, ob die Autoren zum Thema des Alters des Siedlungs-Namens FRONHAUSEN Neues entdeckt haben: Ich erklärte früher: „Alle Fronhausen-Fans warten nun gespannt auf die CHRONIK zu FRONHAUSEN 850 Jahre, die schon lange auf sich warten lässt:
Herr Hauptlehrer MÖLLER wies in seinem Beitrag zur 800-JAHRFEIER immer wieder auf die Abhandlung von Frau Weber hin (…). Auf den Seiten 11/12 der damaligen CHRONIK versuchte der Lehrer zu beweisen, dass man von der Zeit ab 9. und 10. Jahrhundert vom Ort FRONHAUSEN sprechen kann – einer Ansiedlung aus der Karolinger Zeit. Wie das die CHRONIK 2009 sieht, wird man im Juni/Juli lesen können. Man darf gespannt sein.“

Dass Vronehusen (1159), Fronehusin (1232), Fronhuß (1382) und Fronhaußen an der Loin (1592) bereits 1159 existiert hat (erste Urkunden-Erwähnung) ist logisch. „-hausen“-Namen sind statistisch im 8. Jahrhundert und im 12. Jahrhundert sehr oft in Erst-Erwähnungen schreibt ANDRIESSEN (S. 488), der mit dem Namenforscher REICHARDT der Meinung ist, dass „-hausen“-Namen in Hessen „charakteristisch für die karolingische Ausbauzeit des 8. und 9. Jhs“ sei. Auf den Chronik-Beitrag von MÖLLER (1959) und dessen Argumente bezieht sich der Autor leider nicht. Neue Erkenntnisse gibt es in der ungelösten Frage offenbar auch 2009 noch nicht.

Neues zur frühen Besiedlung der Fronhäuser Gegend

Urkunden der URGESCHICHTE sind Funde, die entweder durch Zufall oder durch systematische Ausgrabungen gewonnen werden. Eine Vorstellung vom Leben in „Fronhausen“ gibt uns der zufällige Fund einer Grab-Anlage (siehe Bild): 1971 entdeckten aufmerksame Schüler bei einer Schulwanderung in der Gegend zur „Hardt“ (höchste Erhebung in der Gemarkung) eine Bestattungs-Anlage mit einer kammstrichverzierten Ton-Urne, zwei Eisen-Fibeln und den Resten einer dritten. (S. 419 f. – Beitrag Friedrich von PETERSDORFF.) Endlich - könnte man glauben, ein Beweis für das Vorhandensein einer Siedlung, einer frühen Wohnstätte in „Vronehusen“!?

Das Schüssel-Grab wurde als Brandgrab aus der Latène-Zeit sicher bestimmt. Diese Zeit ist die Bezeichnung für ein bestimmter Abschnitt der „Eisenzeit“: mit Verarbeitung von Eisen bei der Herstellung von Werkzeugen und Waffen seit dem frühen 5. Jahrhundert vor Christus. Die Vorchristliche Eisenzeit wird unterteilt in die Nordhessische Kultur der Früh-Latènezeit (400-200 v. Chr.) und Nordhessische Kultur der Spät-Latènezeit (200 v. Chr.- Chr. Geburt – Zeit des Burgenbaues!). Vorausging von 800-400 v. Chr. die Nordhessische eisenzeitliche Hallstattkultur; davor liegen historisch die Bronzezeit, Jüngere, Mittlere und Ältere Steinzeit. Man sollte wissen, dass unweit von Fronhausen ja schon die Steinkistenkultur (2000-1800 v. Chr.) nachgewiesen wurde: Eine Bauernkultur aus Westeuropa mit Ahnenkult – das berühmte Steinkistengrab aus Buntsandsteinplatten von LOHRA! Die Grab-Entdeckung von 1935 ist Zeuge sehr früher Besiedlung unserer Gegend. Die Steinkiste - 6 m lang, 3 m breit – mit 20 Männern, Frauen und Kindern - erregte Aufsehen: auf einem Scheiterhaufen waren sie vor der Beisetzung verbrannt worden. Neben Toten-Resten wurden Kieselschiefer-Messer, eine Steinaxt, Bronze- und Kupferblättchen und vor allem Keramik gefunden; 70-80 Gefäße. Die Steinplatten aus Sandstein müssen aus dem nahen Lahntal herbeitransportiert worden sein (vielleicht aus der Gegend von „Fronhausen“); das Gestein existiert in Lohra nicht.

Toten-Verbrennung und neue Jenseitsvorstellungen könnten in „Vronehusen“ mit einer Besiedlung der Ebenen dort im Lahntal einhergegangen sein; kein siedlungsfeindliches Gebiet für bäuerliche Kulturen. Das Eisen aus dem Fundmaterial – die Fibeln aus Eisen dienten als Gewandnadeln zum Zusammenhalten der Kleidung - könnte durchaus aus den Lagerstätten der Wallanlagen auf dem „Hünstein“ bei Holzhausen oder „Burgberg“ bei Steinperf (Metallgewinnung in der Latènezeit im Altkreis Biedenkopf) stammen. Das Lahn-Dill-Siegerland weist seit der späten Hallstatt-Zeit eine nennenswerte Besiedlung auf. Die Erzvorkommen scheinen eine Hauptanziehungskraft für Besiedlungen gewesen zu sein; in „Fronhausen“ kann möglicherweise von einer kombinierten Wirtschaftsweise ausgegangen werden: Ackerbau & Metall-Verarbeitung!? Günstige Ackerböden in Fronhausen lassen den Gedanken an eine kontinuierliche Besiedlung seit der Latènezeit in Grenzen sicherlich zu.

Vielleicht vermelden weitere „aufmerksame“ Fronhäuser Schüler oder Landwirte neue Funde. Eventuell gibt es Bezüge zur Steinkisten-Kultur in LOHRA?! Im Steinkistengrab sieht man Kennzeichen eines bodenverbundenen Bauerntums, denn diese Grabanlagen (Kisten mit Seelenloch-Stein) sind Dauerbegräbnisse einzelner Sippen, die viele Generationen hindurch benutzt worden sind. Hinter der Sitte der Steingräber steht offensichtlich ein umfassender Ahnenkult. Herkunft und Verbreitung der Steinkistenkultur aus dem Pariser Becken. (Siehe hierzu Joseph BERGMANN: „Urgeschichte Frühgeschichte im Hessischen Landesmuseum Kassel“ (1965), S. 16- 19). Im Hessischen Landesmuseum sind in einer Vitrine auch die interessanten Lohraer Fundstücke zu bewundern.

Übrigens hat der Mensch im Lahn-Tal und Salzböde-Tal möglicherweise das MAMMUT gejagt; siehe Bild-Beweis in der Bildertrecke mit Foto von einem Mammut-Backenzahn (Raum Gießen/Lahn). Bei Baggerarbeiten zur Kläranlage Etzelmühle wurde im Salzbödetal in ca. 8 m Tiefe ein Mammutzahn im kalkhaltigen Kies gefunden. Auch Wollhaar-Nashörner waren vielleicht Jagdtiere in unserer Gegend (siehe Foto-Beweis, Museum Gießen). Möglicherweise wird die potentielle CHRONIK 2059 hierzu Neues berichten können. Neue Entdeckungen (Funde) sind zu erwarten.

Dass nur Schwarz-Weiß-Abbildungen im dicken Wälzer-Buch zu sehen sind, kann man leicht verschmerzen; im WEB finden sich mehrere Bilderstrecken von myheimat.de über Fronhausen mit einer Menge Farbaufnahmen zum idyllischen Fronhausen, die ich machte. Einige davon illustrieren meinen jetzigen Beitrag. Wenn über die Dorfchronik nunmehr Geschichte in ihrer Vielfalt gezeigt wird, erinnert man sich auch gerne an die unvergessene Ausstellung während der Osterferien 2009 in der Fronhäuser Grundschule:

Viele Fotos zeigten „Fronhausen von früher" in der gelungenen „BILDERBOGEN“-Ausstellung, die sehr gut besucht war. Wünsche zu einer Wiederholung der Ausstellung wurden laut; Herr KATZENMEYER stellte die Bildtafeln gut fotografiert ins WEB: http://www.myheimat.de/giessen/beitrag/107216/erin...

Die rund 750 Fotografien der Ausstellung in der Grundschule waren über zwei Jahrzehnte lang im Verkehrs- und Verschönerungsverein und privat gesammelt worden, zusammengetragen von Marlene HACK, Annemarie SCHLAG, Uwe KATZENMEIER und Renate HILDEBRANDT. „Bei der Zusammenstellung der Fotos für die Chronik haben wir gemerkt, dass wir mehr Fotos haben, als wir in unserer Chronik unterbringen können", sagte Gunthram Schenk zu Schweinsberg. So viel Material ungesehen lassen wollte aber keiner der Beteiligten: „Das wäre doch schade". Daher war die Fotoausstellung "Fronhäuser Bilderbogen" eine gute Idee.

Die informative schöne BILDERBOGEN-Ausstellung zeigte eine große Auswahl von Bildern aus den Bereichen Kirche, Kindergarten, Schule, Ortsansichten, Burgen, Ortspläne (18. Jahrhundert), bäuerlicher Alltag, Trachten, Vereine, 800-Jahrfeier und Fronhäuser Postkarten. Ein besonderer Teil war dem jüdischen Gemeindeleben, der Vertreibung und dem Neubeginn der Heimatvertriebenen 1946/47 gewidmet. Ich habe am 18-04-2009 ein Bild mit den Ausstellungs-Machern so kommentiert: >Die Macher der "BILDERBOGEN"-Schau verdienen höchstes Lob: die umfassende, unzählige Informationen in Bild & Wort liefernde gelungene Ausstellung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (Arbeitskreis Dorfgeschichte) machte Geschichte! Die CHRONIK zu 850-Jahres-Fronhausen scheint ebenfalls erfolgreich zu werden: warten wir den Kommersabend am 21. Juni ab, an dem wir sie durchblättern können. Auch die FESTSCHRIFT gab wertvolle Informationen. Danke.< Die Zusammenstellung der Bilder im Beitrag von Herrn KATZENMEIER (siehe Link oben) ist sehr gut: die meisten Fotos von den Bilder-Stellwänden sind sehr gut zu erkennen. Eine Bilderserie (auf einer Bild-Tafel) vermisste ich allerdings. Fronhausen musste in dieser nicht angenehmen NAZI-Zeit überleben. Hierzu mehr weiter unten. Die CHRONIK, die wir nun endlich durchblättern können und die BILDERBOGEN-Schau ergänzen sich gegenseitig bestens. Nach „Grußworten Teil 1“ am FESTKOMMERS kam es zur Vorstellung der CHRONIK durch Renate HILDEBRANDT & Friedrich von PETERSDORFF zusammen mit Siegfried BECKER vom Redaktionsteam. Die im Zelt anwesenden Autoren & Autorinnen der Chronik traten auf die Bühne und wurden für ihre Anstrengungen zusammen mit dem Redaktionsteam bejubelt. Siehe hierzu mehr in meinem bebilderten Artikel in myheimat.de: http://www.myheimat.de/gladenbach/beitrag/107086/8...

Die Erstellung eines nahezu 1200 Seiten starken Bandes könnte als umwälzender Wälzer und dickste CHRONIK (Hessens – der BRD – der Welt !?) Schlagzeilen machen. Man sollte sie hier einreichen schrieb ich: bei der Stelle für Weltrekorde, Rekordhalter, Rekordversuche – bei GUINNESS WORLD RECORDS.

Ein Schwerpunkt des Jubiläums 850-Jahrfeier Fronhausen sollte die CHRONIK „Von Essen nach Hessen" mit Beiträgen zur Geschichte von Fronhausen 1159-2009 sein. Schwer wiegt das dicke Buch, das man seit dem Festwochenende eigentlich nur mit zwei Händen nach Hause tragen kann. Zu Hause kann man in aller Ruhe die stabilen Buchdeckel anfassen und gespannt dazwischen von Beitrag zu Beitrag und Bild zu Bild „surfen“. Unglaubliche Bild-Entdeckungen kann man machen! Beim Weiterblättern wird man sinnvollerweise Lesezeichen einlegen – an den Stellen, wo man interessante Bild- und/oder Text-Fundstücke wahrgenommen hat.

Das Buch ist eine wahre Fundrube für fesselndes und lehrreiches-wissenswertes Material. Angenehme Erinnerungen werden wach, wenn man als (ehemaliger) Fronhäuser vertraute Orte und Personen entdeckt – (historische) Bilder aufspürt, unbekannte Beschreibungen auffindet. Viel Neues ist in Erfahrung zu bringen – als gute Ergänzung zur „Bilderbogen“-Schau. Viele Beiträge zur Chronik stammen von Renate HILDEBRANDT (19), Siegfried BECKER (12), Uwe KATZENMEIER (8), Friedrich von PETERSDORFF (7) und Marlene HACK (5).

Gut, dass es mit der gedruckten Dorfchronik noch Wissensvermittlung gibt, die vielleicht künftig (nach weiteren 50 Jahren) nur noch über elektronische Speicher (das World Wide Web; e-books) erwerben kann. Diese Chronik, die ursprünglich „bis Weihnachten 2008“ fertiggestellt und im März/April 2009 gedruckt vorliegen sollte, haben nunmehr viele Besucher endlich beim KOMMERSABEND am 21. Juni durchblättern und kaufen können.

Dass sich in der umfangreichen und reichlich illustrierten CHRONIK wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Beiträge gut zusammenfügen und ergänzen - durch unterschiedliche Perspektiven – kann man jetzt sinnlich wahrnehmen. Über die Attraktivität des Buch-Titels „Von Essen nach Hessen“ des BUCHes zur DORFGESCHICHTE könnte man diskutieren (streiten). Hiermit sollten zwei historisch bedeutsame Aspekte der Geschichte Fronhausens beleuchtet werden: Dessen Zugehörigkeit zum Stift Essen ist 1159 urkundlich erstmals belegt. Später ging Fronhausen in die Herrschaft des Landgrafen von Hessen über. (Vorwort der Redaktion, S. XI.) Der Anziehungskraft zum guten Verkauf des Bandes hätte möglicherweise eine andere Titel-Wahl dienlicher sein können.

Betrachtet man die Artikel des stattlichen „gehaltvollen und aufschlussreichen“ (so die Redaktion) Bandes zur Geschichte Fronhausens unter diesem Aspekt, so wird über Essen & Hessen historisch nur auf den Seiten ab 479 bis 537 (Kapitel „Von Essen nach Hessen“) eingegangen. Das Inhaltsverzeichnis ist aber untergliedert in die Abschnitte „Ein Blick in die Geschichte: Häuser, Straßen und ihre Namen“ (S. 1-182), „Das dörfliche Leben“ (S. 183- 416), „Ein Blick in die Landschaft“ (S. 417-478), „Religion und Kirche“ (S. 551-702), „Kunst und Kultur“ (S. 703-814), „Erinnerung und Gegenwart“ (S. 815-1000), „Vereine“ (S. 1001-1102), „Kurzbiografien“ (S. 1103-1149).

Das BUCH zur Dorfgeschichte sei mit dem Ziel erstellt worden, den „Einwohnern Fronhausens - aber auch anderenorts lebenden Interessierten - ein vielfältiges und interessantes Bild unseres Dorfes zu vermitteln“, kann man lesen. Der stattliche Band enthält Beiträge von Autoren, die in Fronhausen seit ihrer Kindheit leben, aber auch ebenso sach- und kenntnisreiche Artikel von Nicht-Fronhäusern.

Über die erste urkundliche Erwähnung Fronhausens 1159 wird von S. 479 bis 484 berichtet; weiter geht’s über die „Ersterwähnung“ S. 497- 502. Andere Beiträge behandeln die baulichen und architektonischen Besonderheiten (Giessener Straße – Gerhardtsche Höfe S. 3 ff.), Fronhäuser Fachwerk (S. 45 ff.), das alte Rathaus (S. 61 ff.). Berichtet wird über alte Grabdenkmäler mit deutlichen Fotos (S. 75 - 134), den Park mitten im Ort (S. 135 ff.), die beiden Burgen: „Oberburg“ (S. 509 ff.) & „Unterburg“ von 1367 (S. 517 ff.). Unter dem Kapitel „Religion und Kirche“ finden wir u.a. die Artikel über den „Brackenborn“ (S. 581 ff.), „Das Fronhäuser Kegelspiel“ (Baugeschichte der Kirche, S. 621-682) und die Katholische Kirche (S. 699-702).

Zum Thema Rainer Maria Rilke & Elisabeth von Schenk (auch ich berichtete darüber in myheimat.de) ist vieles zu lesen: S. 705 bis S. 802. Natürlich darf ein „Rückblick auf die 800-Jahrfeier“ (S. 803-814) nicht fehlen.

Über JUDEN in Fronhausen und deren Diskriminierung

Hervorzuheben ist, dass Annemarie SCHLAG ausführlich über „Die jüdische Gemeinde in Fronhausen“ Bericht erstattet. Seit dem 16. Jahrhundert wohnten Juden nachweislich in Fronhausen (Salbuch, Einwohnerverzeichnis von 1592). Die Abschnitte „Der jüdische Betsaal in Fronhausen“ (S. 824 ff.), über die „Judenschule“ (mit Bild S. 825) und die jüdische Bevölkerung machen deutlich – auch für die Zeit nach 1933 (ab S. 831 bis 864) -, welche negativen Auswirkungen HITLERs Hass auf das Judentum seit 1939 auch in Fronhausen hatte: Geschäfte-Boykott, Schaufensterscheiben-Einwerfen, Beenden der Gleichstellung zwischen Juden und „Ariern“ per Gesetz, Progrom-Nacht 1938 mit Zerstörungen & Festnahmen in Fronhausen (S. 836 f.), Verbote für Juden (Ausgehen, Einrichtungen besuchen etc.), Judenstern-Tragen (ab 1941), Deportationen im Dezember 1941 & Mai 1942, „Rückkehr der Überlebenden des Holocaust“ (S. 842 ff.)

Über „Jüdische Familien“ (S. 844-855 mit 29 Bildern) und „Der jüdische Friedhof in Fronhausen“ (mit 12 Abbildungen) unterrichtet SCHLAG ebenfalls: Ab S. 865 werden parallel zum Text Grabsteine und das Mahnmal im Friedhof abgebildet. Dass zahlreiche Grabsteine durch die Hitler-Jugend in der Nazi-Zeit umgeworfen und zerstört wurden, wird nicht vergessen mitzuteilen. Selbst 1986 verwüsteten Unbekannte den jüdischen Friedhof in Fronhausen (OP v. 26.03.’86); Grabsteine wurden umgeworfen und zwei in der Mitte durchgebrochen!

Die Artikel „Salpeterzins des Juden Susmann“ (S. 279 ff.) und „Ein Konflikt um das Bürgerrecht der Juden im Vormärz“ (S. 325 ff.) machen deutlich, dass Vertreter der Judenschaft schon 1574 „Schutzgeld“ zahlen und ihre Ausweisung riskieren mussten. In Anmerkungen der beiden Artikel von S. BECKER findet sich weiterführende Literatur über die diskriminierende und rechtlich-soziale Situation der Juden im Spätmittelalter sowie über Juden-Vertreibungen und –Progrome. Simon LÖWENSTEIN wurde 1837 das Backen der Matzen im Gemeinde-Backhaus versagt: 33 Juden wurden 1838 unter 657 Einwohnern Fronhausens gezählt. LÖWENSTEIN forderte im aktenkundig gewordenen Streit die unbefugt vom Gemeinderat eingezogenen Gebühren zurück, insistierte auf Gleichbehandlung. Ein Beispiel für Frühantisemitismus.

BECKER: „Der Fronhäuser Matzenkonflikt von 1837 ist daher ein bezeichnendes Beispiel, dass vermeintliche Bagatellen nicht nur Indikatoren tiefgreifender sozialer und kulturelle Prozesse sein können, sondern sich auch verselbständigen und in weit gefährlicheren Kontexten wieder verwendet und genutzt wurden, um rechtmäßige Ansprüche und Forderungen zu diffamieren.“ (S. 330 f. - ebenda Literatur zu „Judenhaß“, Antisemitismus, in Deutschland, antijüdische Ausschreitungen im Biedermeier.)

An anderer Stelle habe ich über meine Online-Recherche im Staatsarchiv Marburg (HADIS) berichtet. Im DigAM (Digitalen Archiv Marburg) sind beispielsweise in einer DigAM-Liste die in FRONHAUSEN wohnenden Juden mit dem jeweiligen Datum ihrer Deportation, die am 8. Dezember 1941 bzw. 31. Mai 1942 erfolgt ist, erfasst. Im Archiv fand ich auch schnell den „Bericht des Gendarmen Löbermann und des Bürgermeisters Muth in Fronhausen an den Landrat Lademann in Marburg über die Gründung eines antisemitischen Jugendbundes in Fronhausen, 24. Oktober 1891“. In der Satzung des Bundes ist unter 2 („Zweck des Vereins“) zu lesen: „(…) darauf bedacht zu sein, dass die antisemitischen Ideen einen immer weiteren Wirkungskreis finden“. In Nr. 8 heißt es, dass sich jedes Mitglied verpflichtet, „in geschäftlichen Sachen, so viel wie möglich, keinen Juden zu unterstützen, denselben aber auch in keiner Weise zu belästigen“.

(Vgl. mehr dazu in http://www.myheimat.de/gladenbach/beitrag/67339/ei...)

Zum Ende des zweiten Weltkrieges

„Wie ich das Ende des 2. Weltkrieges erlebte“ ist ein Beitrag von Ernst MÖLLER in der Chronik 2009. (Lehrer von 1930-1960 in Fronhausen, Bericht verfasst 1951.) Interessant ist, dass MÖLLER (als „Luftschutzführer“ für die Verdunklung im Dorf zuständig), ab Winter 44/45 immer mehr „grummeln und brummeln“ hoch in der Nacht „über uns weg“ feststellen musste. Die Unsicherheit damals nahm 1945 „beängstigend zu“: „Etliche Bomben waren in die Wiesen nahe des Bahnkörpers gefallen. Später musste ich als ‚Nazi’ die großen Trichter wieder zuschaufeln helfen“, schreibt der Lehrer. Er schloss am 19.03.45 die Fronhäuser Schule. Nachts nur konnten damals die Bauern ihre Äcker bestellen. „Keiner getraute sich bei Tage hinaus“. Am 23.03. zog die deutsche Wehrmacht von Oberwalgern herkommend durch Fronhausen. Schon am 27.03. „erkenne ich das Dorf nicht mehr“ (…) betont MÖLLER: Mit weißen Bett-Tüchern empfingen die Fronhäuser „den eingedrungenen Feind! Das sind dieselben Fronhäuser, die 12 Jahre zuvor mit Kind und Kegel (sogar mit Säuglingen auf dem Arm) hinter den Fackeln Hitlers den Stollberg hinauf schrieen und mich scheel anguckten, weil ich bedeppert (gewissermaßen durch die fanatischen Augen) hinterherzog.“ Lesen kann man in dem Bericht über „Sherman-Panzer“ ... „Im Dorf schreit es“ (…) „Wehrmachtsauto in Brand geschossen“ (...) „Swänsig Män“-Einquartierung (…) „Souvenirs, Souvenirs!“ (…) „Schlimm verfuhren sie mit den Nazibonzen“ (…) „Negersoldaten“ (…) „Schule (…) Ein einziges Chaos“ (…) u. a. mehr.

Anmerkung: Wie meine Familie die von MÖLLER beschriebene Zeit erlebt hat, stellte ich im Artikel "Einzigartiges Fronhausen (...)" dar. http://www.myheimat.de/gladenbach/beitrag/67339/ei...

KRATZPUTZ-Technik und das „Schule-Machen“ der DONGES

Meine Besprechung kann hier nur erwähnen, dass im Chronik-Wälzer auch auf das Handwerk früherer Zeiten eingegangen wird – wie zum Beispiel die KRATZPUTZ-Technik, über die Hans DONGES (Enkel eines Kratzputzmeisters) als Fachmann berichtet (S. 149 bis 151 mit 1 Bild). Seit über 200 Jahren übt die Familie DONGES diese spezielle Verputztechnik. Vgl. zu DONGES auch mein Artikel mit Bildern: http://www.myheimat.de/gladenbach/beitrag/88851/85...
Ebenda schrieb ich u.a.: „SCHULE MACHEN“ konnte der Maurermeister und Weißbinder Johann Jost DONGES von Herzhausen (geb. 9.7.1790; im Kirchenbuch Dönges geschrieben) schreibt der Autor Karl RUMPF in seinem Buch über „Handwerkskunst am hessischen Bauernhaus“ (Werk von 1983, S. 18). An ihn knüpfte sein Neffe Johannes DONGES von Holzhausen an (geb. 16.12. 1822) „in dem der Kratzputz im Hinterland seinen künstlerischen Höhepunkt erreichte“ (S. 19; mit „Reliefmanier“). Seine Söhne waren ebenfalls tüchtige Kratzputzmeister. Beim hessischen Kratzputz seien in der Technik verschieden Arten zu unterscheiden, die RUMPF genau beschreibt: Tüpfelmanier, „aufgerauhte Flächenmuster auf glattem weißen Grund“, Reliefmanier und Stempelputz (S. 20 – 22).

Zur Symmetrie des HESSEN-MANNs – kein „wilder Mann“!

Wie der Titel meines oben zitierten WEB-Beitrags zeigt, habe ich mich in diesem Artikel auch mit dem „Hessenmann“ befasst, den Friedrich VON HAHN in seinem Artikel über „Fronhäuser Fachwerk“ mehrfach erwähnt hat. Der Autor (ein Marburger Kunsthistoriker) inventarisierte Kunstdenkmäler des Altkreises Marburg – so auch Fachwerkbauten in Fronhausen (S. 45 bis 60). Der Historiker spricht in dem Text mit Hinweisen auf Inschriften auch vom „Hessischen Mann“, der auch als halber „Hessenmann“ (mit Fußstützen) an den Ecken von Gebäuden zu finden ist.

Vom HESSENMANN – auch „Wilder Mann“ genannt – zeigte ich in meinem WEB-Beitrag (siehe oben) Bilder. Ich schrieb: Nein, hier ist nicht etwa „De wilde Mann“ gemeint, von dem in den früheren Ausgaben der GRIMMschen Märchen erzählt wird: Eine ab 1815 veröffentlichte Geschichte, in der der „Wilde Mann“ sich aufgrund einer Verwünschung wie ein Tier verhält. Vom frühen Mittelalter bis in die Neuzeit war der Wilde im Volksglauben der abergläubischen Germanen (Mythos) ein anthropomorphes halbtierisch-primitives Wesen: naturverbunden, einzelgängerisch, nackt und mit Riesenkräften ausgestattet.

Die Enzyklopädie Wikipedia weiß über den (Fronhäuser) „Wilden Mann“, der eigentlich HESSENMANN genannt wird, nichts oder wenig zu berichten. Angeblich sei die typische Figur im hessischen Fachwerk erst in den 1980er Jahren durch das Freilichtmuseum Hessenpark eingeführt worden. Der „Hessenmann“ soll eine unheilabwendene Funktion gehabt haben. Für die Suche nach einem Wappen für Fronhausen/Lahn hatte ich vor der Gebietsreform einmal einen Entwurf bei einer Fronhäuser Jury zu einem Wettbewerb eingereicht. Mein Wappen-Vorschlag enthielt zentral und symmetrisch den Hessenmann als SYMBOL, denn er ist in FRONHAUSEN mannigfaltig zu sehen, wie meine Fotoserie beweist.

Der HESSENMANN – in der CHRONIK wird er nicht näher gekennzeichnet und erläutert - zeichnet sich durch die charaktervolle Verwendung schwerer Hölzer (Eichenbalken) aus und kann in einfacher, doppelter oder dreifacher Form mit weitgespreizten Streben auftreten. Das Bild der kleinen hessischen Städte und Dörfer wird durch das FACHWERKHAUS bestimmt, das wegen der typischen Balkenanordnung so etwas wie ein „Fertighaus“ war, das in früheren Zeiten abschlagbar war und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden konnte. Das alte Pfarrhaus in Gladenbach – ursprünglicher Standort in Gönnern – ist 1607 nach Gladenbach transportiert worden. Der Raum zwischen den Balken des stabilen Balkenwerks durch Verstrebungen wird „Gefach“ bezeichnet. Danach hat diese Bauweise ihren Namen: Fachwerk.

Der „HESSENMANN“ (kurz: „Mann“) hat als typische Balkenanordnung auf den Seiten von besonders hervorgehobenen senkrechten Pfosten schrägstehende Streben, die so angebracht sind, dass sie von der Schwelle bis zum oberen Viertel der Ständer reichen und gegen ein seitliches Verschieben des Gebälks sichern sollen. Von hier aus führen kurze Kopfstreben oder Dreieckhölzer („Knaggen“) vom Pfosten zum Rahmenholz. Diese als „Mann“ bezeichnete Verstrebung soll „einer rein technischen, mit dem Übergang von der Verblattung zur Verzapfung um 1400 notwendig gewordenen Zweckmäßigkeit, ein mythologisches Gepräge, das der ‚Manrune’, geben“. (Zitat nach „700 Jahre Holzhausen/Hünstein 1251-1951; Festschrift 1951, S. 155. Hier wird der „Mann“ auch schon als „wilder Mann“ bezeichnet.)

In diesem myheimat-Artikel möchte ich visuell darstellen, dass der HESSENMANN in Fachwerkbauten nicht immer bilateralsymmetrisch (mit Spiegel-Symmetrie) gestaltet wurde. Es wurden auch asymmetrische Formen entwickelt. Man kann außer 1-, 2- und 3-fach-Formen halbe Hessenmänner, bilateralsymmetrische Eck-Hessenmänner (rechtwinklige, mit Zentralpfosten quasi als Symmetrie-Achse/Ebene) und asymmetrisierte bilaterale Eck-Männer entdecken. Auch eine bilateralsymmetrische doppelte Hessenmann-Form konnte ich in Diedenshausen an einer Scheune mit Zug-Tor entdecken, die Asymmetrien beinhaltet (vgl. Bild mit Kommentar dazu).

Ein Schafstall aus FRONHAUSEN im Freilichtmuseum HESSENPARK

Interessant für mich ist in diesem Zusammenhang auch der Chronik-Artikel von Siegfried BECKER „Ein Bäuchen im Freilichtmuseum“ (S. 159-168): Im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach im Taunus fotografierte ich unlängst (vor der Chronik-Herausgabe) den „Schafstall aus Fronhausen“ – im Museum als Ziegenstall genutzt (vgl. Bilderserie). Katherine WELKER soll die letzte Nutzerin des Fronhäuser Wirtschaftsgebäudes gewesen sein; Parzelle 54, ehemals Gladenbacher Straße - unterhalb des Fußweges zur Kirche. Abgebaut wurde das Haus 1974/75. BECKER erläutert, dass die heutige Nutzung als Schafstall im Museum „wahrscheinlich nicht die ursprüngliche Funktion“ sei (S. 162). Die Abbauarbeiten wurden durch Fotos (auch in der Chronik) dokumentiert. Putz und Malerarbeiten führte Malermeister DONGES in Kratzputz im wieder aufgeschlagenen Gebäude nach den Original-Gefachen aus. In seinem Artikel befasst sich der Ethnolge BECKER auch mit einem Fronhäuser Back- und Dörrhäuschen (Gießenerstr. 20, Burgkurts-Hof) und erwähnt dass im 17. & 18. Jahrhundert schon Gemeinde-Backhäuser vorhanden waren. Das Bäuchen im Hessenpark könnte durchaus ein Gemeinde-Backhaus gewesen sein, mutmaßt der Forscher.

Frühere Methoden des Schlachtens und Backens werden in der Chronik ebenfalls dargestellt, Geschichtliches zu Schule und Kindergarten referiert. Auch von den Pflichten von Gänsehirt und Schäfer wird erzählt.

Es werden die Jahrhunderte vorgestellt, in denen sich Fronhausen zunehmend vom Herrschaftsbereich der Abtei Essen löste und unter den Einfluss der Landgrafschaft Hessen geriet. Detailliert und umfassend werden Baugeschichte und Innenausstattung der evangelischen Kirche, des Wahrzeichens Fronhausens, dargestellt (S. 621 ff.). Ausführlich wird außerdem die Geschichte der Heimatvertriebenen und nach Fronhausen gekommenen Flüchtlinge behandelt (S. 891 ff.). Weitere Beiträge sind dem Handwerk, der Entwicklung des Gewerbes gewidmet.

Kurzbiografien

In „Kurzbiografien“ wird z. B. auf den Mundart-Dichter Heinrich BASTIAN (1875-1967) eingegangen: Artikel S. 1105 -1108; vgl. auch das Brackenborn-Gedicht S. 589 f. Der Artikel beinhaltet leider kein Foto des bekannten Heimatdichters.

(Siehe hingegen Bilder in meinen Artikeln im WEB:
http://www.myheimat.de/gladenbach/beitrag/88521/me...

http://www.myheimat.de/gladenbach/beitrag/88851/85...

Auch der für die Geschichte Fronhausens wichtige Amtsgerichtsrat Karl Bodo Reinhard von BAUMBACH (1871-1951; Foto S. 379 und 1111) wird gewürdigt: Enkelin Anna-Luise von LIERES und WILKAU weist darauf hin, dass ihr Großvater als Heimatforscher & Volkskundler den Verschönerungsverein, Posaunenchor und eine Laienspielgruppe gegründet hat. Auch um den Brackenborn kümmerte er sich, machte Anpflanzungen, dichtete die Quellen-Tafel-Inschrift (Bild S. 588). Hennersch Hof (Giessener Str. 18) baute er maßstabsgerecht nach – das Modell findet man heute im Uni-Museum Marburg, Landgrafenschloss. Vgl. im WEB:
http://www.myheimat.de/gladenbach/beitrag/73395/fr... Dem Amtsgerichtsrat verdanken wir viele schöne historisch interessante Fotos zum Thema Fronhausen.

Medizinische Geschehnisse in Fronhausen ohne Veterinär-Medizin

Über „Medizinische Geschehnisse in und um Fronhausen“ kümmerte sich der ehemalige Fronhäuser Arzt Uwe KATZENMEIER (S. 391- 406): die Ärzte Dr. Wigand (seit 1867- 2009 in Fronhausen) werden ausführlich vorgestellt (mit 4 Bildern); auch Zahnärzte, Hebammen, die Gemeindekrankenpflege und das Alten-Pflegeheim werden im Artikel vorgestellt. Was „Gastwirtschaften, Bierbrauen und Schnapsbrennerei“ in dem Bericht über „medizinische Geschehnisse“ zu suchen haben (S. 404 f.) ist mir ein Rätsel: Denn von Krankheiten durch Alkohol-Abusus etwa ist hier nicht die Rede. Ich hatte erwartet, dass über Alkoholkrankheiten bei Fronhäusern berichtet wird („Trunksucht“, „Alkoholsucht“) – durch „Alkoholismus“ entstandene Leberzirrhosen, Psychosen, Entwöhnungsbehandlungen etc.

Dieser m. E. fehlplazierte Abschnitt hätte sich gut eingefügt in den Artikel über die „OBERBURG“ (S. 509 ff.) des Autors, die ja nach ihrer Existenz als Turmburg mit Zugbrücke und Wassergraben (13. Jahrhundert) nach einem Abriss (1692) „von denen von Schenk“ als ein „Brauhaus (…) erbauet“ wurde. 1898 wurde dort der Braubetrieb eingestellt, das Gebäude wurde als Getreidelager und später Buchbinderei genutzt.

Von TIER-medizinischen Geschehnissen (TIER-Ärzten) liest man im Artikel über „Medizin“ und in der gesamten Chronik-Wälzer übrigens leider nichts. Frage: Sind Tiere und deren Ärzte in und für Fronhausen (sowie die Umgebung) unwichtig!?

OBERBURG & UNTERBURG

Apropos „OBERBURG“: Herr von PETERSDORFF erklärt im Artikel „Die Burg von 1367“, dass die jüngere „untere“ Burg von 1367 ein hessisches Lehen war: Hessische Landgrafen machten mit Burgenerwerb und Belehnung Politik und sicherten Herrschaft und Einflussnahme in Fronhausen. Der Autor macht deutlich, dass es verständlich sei, „wenn nach der erfolgten Renovierung des Brauhauses nun auch dieses Gebäude ‚Burg’ oder auch ‚Oberburg’ genannt wird“. (S. 522.) Über den Umbau der „Unterburg“ (ab 1923) und die Renovierung wird – illustriert durch 3 Bilder – berichtet. Über beide Burgen und deren Parks habe ich in myheimat-Artikeln mit viel Bildmaterial berichtet.

Ausgiebig stellen die Vereine ihre Geschichte und Gegenwart dar: Posaunenchor, Schützenverein, Lauftreff, Kulturinitiative, Spätheimkehrer und viele andere.

Thomas SCHILP, bekannt durch zahlreiche sachkundige Publikationen zur Geschichte Essens, behandelt in dem Band die Thematik „Das Frauenstift Essen an der Ruhr und Fronhausen an der Lahn im Mittelalter“. Siegfried BECKER, Europäischer Ethnologe an der Universität Marburg, widmet sich auch Themen wie Brackenborn, Trachtengraphik und Rosengarten.

Der Fronhäuser GALGENBERG mit Rosengarten

Das Thema „ROSENGARTEN am Galgenberg“ greift BECKER auf: Die Parzelle unterhalb des Fronhäuser Galgenbergs wird „Beim Rosengarten“ bezeichnet. Der „Galgenberg“ ist ein häufiger Flurname, „der ziemlich sicher auf mittelalterliche Richtstätten hinweist (S. 437). Archivalische Quellen belegen „das Hegen der ungebotenen Dinge“ (1592) für Fronhausen. Noch Ende des 15. Jahrhunderts müsse ein Henker hier ansässig gewesen sein; „Scharpriechter“ in „Fronhusen“ – „peinliche Gerichtsbarkeit“ – Blutgerichtsbarkeit - vom ganzen Lahntal her gut sichtbarer Galgen auf der Berg-Kuppe (Funktion der Abschreckung, Herrschaftsinszenierung). Warum mit dem „Rosengarten“ auch der „Galgenberg“ als Blutgerichts-Stätte gemeint sein könnte, wird erläutert; blutrote Rose als Symbol.

Durch BECKERs Beiträge sei es „möglich, Bedeutung einzelner Details der Fronhäuser Geschichte im dazugehörigen Kontext besser zu verstehen, so beispielsweise den am Brackenborn der heiligen Anna gestifteten Altar“. (So Friedrich von PETERSDORFF). Wissenschaftliche und nicht-wissenschaftliche Beiträge fügen sich in diesem Band nach PETERSDORFF „gut zusammen und ergänzen sich durch die unterschiedlichen Perspektiven“.

Dass dem Buch kostenlos eine CD mit Sprach- und Musikaufnahmen aus und über Fronhausen beiliegt, sei hier nicht vergessen.

AUSBLICK

In der „Einleitung“ zur Chronik hofft das Reaktionsteam in einer kurzen Übersicht, dass der Leser „ein perspektivenreiches Bild der Fronhäuser Geschichte“ gewinnen möge. Aufgefordert wird auch zum Vergleich mit früheren Darstellungen zur Geschichte des Ortes: Ernst MÖLLERs Beitrag in der Festschrift zur 800-Jahrfeier (von MÖLLER findet sich leider kein Bild im Buch!) und Margarete WEBERs Darstellung zur Geschichte der Kirche von 1959 sowie frühere Schul-Chroniken. In einer Fußnote ist S. XXV zu lesen, dass die erste bekannte „SCHUL-Chronik“ von Balthasar KORNMANN 1910 begonnen wurde; vgl. S. 238 ein Bild des mit Beginn seiner Einstellung im Jahre 1903 mit der Schulleitung beauftragten Hauptlehrers KORNMANN - mit Schulklasse von 1906: „die Eintragungen dieser Chronik reichen bis in die 1960er Jahre hinein“. Mein Großvater KORNMANN unterrichtete bis 1928.

Eine „GEMEINDE-Chronik“ wurde 1937 begonnen und enthält Beiträge von Heinrich KRAUSHAAR (abgebildet im Foto S. XXIII), Karl von BAUMBACH (Bild auf S. 1111) und Ernst MÖLLER (leider kein Foto). Der Chronik-Wälzer von 2009 zeichne sich dadurch aus, dass nunmehr „viele bislang unbekannte Zusammenhänge und Aspekte der Geschichte Fronhausens erhellt und beleuchtet werden“. Bisher nicht ausgewertete Archivalien würden aber „noch Material für viele weitere Veröffentlichungen bieten“. Aufforderung an die „aufmerksamen Leser“: befasst Euch mit der Geschichte - das Buch lädt „zu weiteren Erörterungen“ ein. Der „Diskussionsstand“ sei „nicht abgeschlossen“. Auf dem in der Tat „gelungenen und inhaltsreichen Beitrag zum im Jahr 2009 begangenen Jubiläum“ sollte man anknüpfen, da „viele Anhaltspunkte“ gegeben sind und „strittige Punkte für weitere Forschungsansätze“ zu finden sind.

Das Thema SOLAR-ENERGIE & Fachwerk – gestörte SCHÖNHEIT?!

Ein weitschichtiges Thema für zukünftige Diskussionen könnte SOLAR-ENERGIE & Fachwerk werden: Herr Uwe SCHÄFER stellte zum 850-Jahre-Jubiläum gerade eine sehr schöne Bilderserie ins WEB: „Ausblicke aus dem alten Gefängnis in Fronhausen“. Zwei CHRONIK-Bilder zeigen S. 380 das ehemalige dreistöckige Gefängnis am Stollberg; errichtet ab 1828. Zum ersten Bild der Bilderstrecke („Wintertag“) kommentierte ich: „Schöne Bilderserie mit stimmungsvollen Aufnahmen aus einer besonderen Perspektive: "Gierets Hof" - Rathausstraße 14. Der Vollerwerbsbetrieb in diesem Bild noch mit altem "Gesicht"; vgl. den Blick auf den Hof heute mit Solartechnik auf einem Gebäude der Hofanlage. Seltsam: Als ich Aufnahmen vom Stollberg aus machte, versuchte ich möglichst nicht die neue Technik auf dem Dach des Gebäudes ins Bild zu bekommen. Die Solaranlage störte für mich die Romantik der Landschaft und des Ortes mit den vielen schönen Fronhäuser Fachwerk-Gebäuden. Kann man sich an diese "Störung" (auch in den Farben) gewöhnen?

Herr SCHÄFER meinte dazu am 16.06.09:

>oouu Herr Hahn! Schwieriges Thema im Zusammenhang. Wie sage ichs michbetreffend: Ich bin eher Ästhet als Techniker. Die Glas-Optik finde ich persönlich schrecklich. Erneuerbare Energien: Natürlich! (will mitmachen in Fronhausen). Solar bringts aber nur auf großen Flächen, macht von daher dort Sinn. Mir grausts aber vor dem Pauschaltrend: Denn die Miniglasflächen: Das ist der mit Abstand geringste und zu vernachlässigendste Posten bei der hausbezogenen Energiebetrachtung! Technik prallt übel mit Schönheit zusammen. Für welchen Preis: Mal sehen, wie und ob sichs rechnet, über die Jahre, ungebündelt bei den kleinen Größen. Wie gesagt: Ist nur meine persönliche Meinung.

Oh, die Frage war ja anders und noch nicht beantwortet: Ob man will oder nicht: Ich denke, ich hab mich dran gewöhnt. Ist wohl so, automatisch, menschlich, nach gewisser Zeit .< (Siehe die Bilderserie unter http://www.myheimat.de/fronhausen/beitrag/107669/a... .)

PS: Der Beitrag war konzipiert mit mehreren Bild-Beispielen aus der Chronik - um dem Leser einen anschaulichen (nicht-verbalen) Eindruck zu vermitteln. Urheberrechts-Probleme verhinderten dies leider. Daher können folgende Seiten NICHT gezeigt werden: S. 160-163 mit Bäuchen Hessenpark, Foto Katharina Welker & Abbau des Gebäudes 1975, S. 346 & 347 mit 2 Justi-Aquarellen, S. 420 mit Zeichnungen zum Brandgrab (Eisenzeit), S. 482 Urkunden-Ausschnitt "ecclesia illa in Vronehusen", S. 653 mit 2 Grundrissen des Turmhelmes der Kirche (Balkenlage). W.H. am 05.07.09. Gespräch mit Renate Hildebrandt (Redaktions-Mitglied).

Bürgerreporter:in:

W. H. aus Gladenbach

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