Von A wie Asylbewerber bis Z wie ZEBI - Gersthofens Bürgermeister Michael Wörle blickt im Interview auf das Jahr in Gersthofen zurück

Bürgermeister Michael Wörle bei der Wiedereröffnung des Gasthauses „Strasser“ (Foto: Stadt Gersthofen)
 
Die „Alltagsmenschen“ fanden in Gersthofen großen Anklang (Foto: Stadt Gersthofen)
 
Die 1. Gersthofer Industrie- und Gewerbeausstellung GIGA fand im September statt (Foto: Stadt Gersthofen)
mh bayern: Anfang des Jahres kündigten Sie an, dass Gersthofen in Sachen Energie Vorreiter sein will und die Stadt ein Energiekonzept ausarbeitet. Welche Weichen konnten Sie hierfür stellen und was ist langfristig geplant?

Michael Wörle: 2015 haben wir folgenden Maßnahmenkatalog auf den Weg gebracht: Der 2015 eingestellte Energiemanager hat das Leitbild Energie vorbereitet und dem Stadtrat zur Verabschiedung vorgelegt. Maßgeblich arbeitet er an der Einführung des Energiemanagements bei den Stadtwerken und koordiniert und priorisiert diverse Energieprojekte. Zeitgleich läuft eine Machbarkeitsstudie für ein Nahwärmenetz an der Mittelschule und dem Gymnasium.

Für 2016 ist eine kostenlose Energieberatung für alle Haushalte in Gersthofen geplant. Die Aktion läuft zu Beginn des Jahres unter dem Namen „Energiecheck“ an und wird von der Regionalen Energieagentur Augsburg e.V. unterstützt. Für eine Photovoltaik-Anlage im Wasserwerk für den Eigenverbrauch mit kurzer Amortisationszeit sind im Haushalt 2016 470.000 Euro eingestellt. Natürlich sind noch viele Einzelprojekte geplant, die im Laufe 2016 und darüber hinaus umgesetzt werden.

mh bayern: Asylbewerber, ihre Unterbringung und Integration waren auch in Gersthofen heuer ein Thema. Was sind Ihrer Meinung nach hier die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Michael Wörle: Die Integration der Flüchtlinge, welche länger bei uns bleiben. Für mich und die Stadt Gersthofen wird es eine Herausforderung, beim derzeitig angespannten Wohnungsmarkt geeignete Wohnungen zu finden und die Asylbewerber bei der Jobsuche zu unterstützen.

Ein ganz wichtiger Punkt ist die Organisation und Kontinuität in der ehrenamtlichen Begleitung. Mit dem ZEBI, unserem Freiwilligenzentrum, sind wir auf einem guten Weg, die Synapsen zwischen den Vereinen auf der einen Seite, den freiwilligen Helfern, die sich nicht in Vereinen organisieren möchten, auf der anderen Seite und der Stadt Gersthofen als Vermittler zusammenzuführen.

mh bayern: Im Autobahnviertel gab es Proteste gegen eine Flüchtlingsunterkunft. Sie boten daraufhin jedem einzelnen ein Gespräch an. Wurde das angekommen?

Michael Wörle: Allen Beteiligten wurde ein persönliches Gespräch angeboten. Circa 25 Bürger haben dieses Angebot angenommen.
Die Bedenken sind nachvollziehbar und werden ernst genommen. Aber wir haben bis heute eine gute Stimmung und nicht mehr Konflikte, als es sonst unter Nachbarn gibt.

mh bayern: Bürgerschaftliches Engagement wird in Gersthofen großgeschrieben, daher hat die Stadt seit Kurzem ein Freiwilligenzentrum. Wie genau soll die Einrichtung die Ehrenamtlichen unterstützen?

Michael Wörle: Das ZEBI in Gersthofen fördert das bürgerschaftliche Engagement. Es ist für die vielfältigen freiwilligen Aktivitäten in unserer Stadt eine zentrale Anlaufstelle. ZEBI – Das Zentrum für Bürgerengagement und Initiative bündelt die Angebote von Vereinen und Initiativen, die auf die ehrenamtliche Mitarbeit ihrer Mitbürger zählen. Interessierte erhalten Beratung zur besseren sinnstiftenden Gestaltung ihres Freiwilligen-Einsatzes.

mh bayern: Während das Gersthofer Gymnasium saniert wird, soll der Unterricht in Containern auf dem Festplatz stattfinden. Welche Gründe sprechen für diese Lösung und gibt es bereits einen Zeitplan für die nächsten Jahre?

Michael Wörle: Die Stadt Gersthofen ist nicht Bauherr. Wir stellen lediglich den Festplatz für die Interims-Containerschule zur Verfügung.

Der Wunsch der Stadt ist eine möglichst schnelle Realisierung, denn bereits seit Jahren werden Kinder in Containern beschult. Es muss so schnell wie möglich gebaut werden. Spätestens 2018 soll es losgehen.

mh bayern: Wie familienfreundlich ist Gersthofen? Bezahlbarer Wohnraum ist knapp, zudem hat die Stadt die höchsten Krippengebühren im Landkreis.

Michael Wörle: Die Familienfreundlichkeit definiert sich nicht alleine über Krippengebühren. Bei den Kindergartengebühren zum Beispiel sind wir im unteren Bereich und wir haben eine Vielzahl an weiteren freiwilligen Leistungen. Welche Kommune stellt den Kindern und Jugendlichen schon eine Eislauffläche für drei Monate zur Verfügung?

Dass bezahlbarer Wohnraum knapp ist, stimmt. Hier wurde in den vergangenen Jahren nichts initiiert. Ab 2016 sollen jährlich mindestens 30 Wohnungen für finanziell Benachteiligte entstehen. Das ist, neben vielen anderen sozialen Themen, ein Ergebnis des ersten „Runden Tisch Soziales“ aus dem Sommer 2014.

mh bayern: Können Sie uns über folgende Themen, die viele Gersthofer Bürger interessieren und betreffen, einen kurzen Stand der Dinge geben?

Bäderkonzept

Michael Wörle: Wenn es nach mir geht, wird im ersten Quartal 2016 eine Entscheidung über den Standort und das Grundkonzept fallen. Dann kann es an die Detailplanungen gehen.

mh bayern: Bahnhof

Michael Wörle: Hier ist alles auf den Weg gebracht. Wir arbeiten aktuell an Einsparpotentialen, aber die Grundsatzentscheidung und die Zeitschiene stehen.

mh bayern: „Gersthofer Loch“

Michael Wörle: Das letzte Treffen mit Vertretern des Investors fand erst Anfang Dezember statt. Wir arbeiten an verschiedenen Szenarien und werden dies sobald als möglich auch der Öffentlichkeit präsentieren. Ich hoffe sehr, dass wir endlich eine Lösung für diese „Baustelle“ bekommen. Da der Stadt aber das Grundstück nicht gehört, sind uns hier die Hände gebunden.

mh bayern: Als Figuren der Ausstellung „Alltagsmenschen“ zerstört wurden, machten Sie auf Facebook Ihrem Unmut mit sehr deutlichen Worten Luft. Würden Sie wieder so reagieren und gibt es inzwischen konkrete Hinweise auf den oder die Täter?

Michael Wörle: Meine Reaktion war der Ausdruck dessen, was ich von derartigen Zerstörungen halte. Warum sollte ich meine Wortwahl ändern? Ich denke, dass Politiker viel öfter sagen sollten, was sie denken. Die Bürger haben, nach meinem Dafürhalten, auf dieses „politisch Korrekte“ immer weniger Lust. Im Nachgang gab es Hinweise und eine Täterbeschreibung, aber bisher leider ohne Erfolg.

mh bayern: Anfang kommenden Jahres wird der Bundesverkehrswegeplan verabschiedet. Ist schon absehbar, ob das seit Jahren geforderte dritte Gleis zwischen der Strecke Augsburg-Ulm mit aufgenommen wird? Und was wird die Entscheidung für Gersthofen bedeuten?

Michael Wörle: Ob das Dritte Gleis nach Westen kommt, ist noch offen. Hier fehlen noch Wirtschaftlichkeitsberechnungen, ohne diese eine seriöse Entscheidung kaum möglich ist. Von dem Ausbau Augsburg-Ulm sehe ich für Gersthofen keine Vorteile. Vermutlich wird dadurch der Ausbau Augsburg-Donauwörth noch weiter in die Ferne rücken. Leider.

mh bayern: Im Jahrbuchinterview des vergangenen Jahres erwähnten Sie, dass der ehemalige Müllberg bis Ende 2015 begehbar sein soll. Wann genau wird es so weit sein und was können die Gersthofer von dem neuen Naherholungsgebiet erwarten?

Michael Wörle: Die Öffnung wird sich auf Grund fehlender Genehmigungen in das Frühjahr 2016 verschieben. Wir sind im Austausch mit der Stadt Augsburg, um hier ein Gesamtkonzept zu erarbeiten. Auch hier können wir nicht so frei agieren, wie es wünschenswert wäre. Zu Beginn wird es leider nur eine Teilöffnung geben. Der Weg zum höchsten Punkt wird aber auf jeden Fall frei begehbar sein.

mh bayern: Herr Wörle, herzlichen Dank für das Interview!
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.gersthofer | Erschienen am 17.12.2015
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