„Wir lieben Veränderungen, denn die halten die kulturina lebendig“: Der Vorstand des Vereins Lebendige Innenstadt Gersthofen, Gerardo Olita, Max Poppe und Benjamin Knauth, über das Jahr 2014

Max Poppe, Benjamin Knauth, Gerardo Olita sowie Schirmherr und 1. Bürgermeister Michael Wörle (v.l.) (Foto: Verein Lebendige Innenstadt Gersthofen)
Die Macher der kulturina blicken auf das Jahr in Gersthofen zurück. Sie sind nicht nur verantwortlich für das wohl beliebteste Fest vor Ort, sondern kümmern sich auch um andere Themen.

mh bayern: Die kulturina ist das Aushängeschild des Vereins Lebendige Innenstadt Gersthofen und erfreut sich großer Beliebtheit. Strahlt der Erfolg auch außerhalb der kulturina-Feiertage auf Gersthofen aus?

Gerardo Olita: Zweifelsohne ist der Verein mit der kulturina weit über das Festivalwochenende hinaus ein wichtiges Gesprächsthema. Das merken wir vor allem auch über unsere Homepage und Facebook. Fort findet nahezu das ganze Jahr über ein reger Austausch statt. Neben viel Lob und weiteren Anregungen erhalten wir mittlerweile auch unzählige Bewerbungen aus ganz Europa. Für uns ein wichtiger Indikator dafür, dass unser Kulturkonzept auch bei den Künstlern selbst auf großen Zuspruch trifft.

mh bayern: Auf der kulturina gab es dieses Jahr eine weitere Bühne vor dem Ballonmuseum. Wie wurde das Angebot wahrgenommen?

Max Poppe: Unmittelbar vor Eröffnung hatten wir doch ein paar Schweißperlen auf der Stirn, nachdem sich die neue Location ja erst bei den Besuchern rumsprechen musste und sich zunächst nur wenige in Richtung Museum aufmachten. Aber schon wenige Stunden später war auch die dritte Bühne ein echter Besuchermagnet und die dort angebotenen ruhigeren Programmpunkte wurden hervorragend angenommen.

mh bayern: Im Rahmen der kulturina fand heuer zum ersten Mal der Jungbürgerempfang statt. Letztes Jahr musste dieser noch aufgrund mangelnden Interesses abgesagt werden, diesmal kamen überraschend viele junge Leute. Wird das kulturina-Wochenende auch künftig genutzt, um es mit anderen Veranstaltungen zu verknüpfen?

Benjamin Knauth: Definitiv, hierzu finden übrigens seit dem ersten Veranstaltungsjahr Abstimmungsgespräche statt. Die kulturina war von Anfang an als Gersthofer Kommunikationsplattform gedacht und so macht es natürlich Sinn, Synergien zu nutzen. Auch unser Sponsorenempfang in Zusammenarbeit mit der Stadt ist hier ein gutes Beispiel. Wir bieten am Eröffnungsfreitag auf der Dachterrasse einen würdigen Rahmen, um zusammen mit den Gönnern der kulturina und weiteren engagierten Gersthofer Unternehmern ins Gespräch zu kommen.

mh bayern: Nächstes Jahr feiert die kulturina ihr 5-jähriges Jubiläum. Auf welche Highlights dürfen sich die Besucher freuen? Wird es eine Zusammenarbeit mit der Stadthalle geben, die nächstes Jahr ihren 20. Geburtstag hat?

Poppe: Wir stehen seit jeher in engem Kontakt mit der Leitung des Kulturamts, des Ballonmuseums und der Stadtbibliothek und natürlich werden auch im kommenden Jahr die Programmpunkte professionell aufeinander abgestimmt. Der Kinder- und Kulturbereich wird im nächsten Jahr nochmals deutlich ausgebaut, so soll es zum Beispiel am Samstag einen Kabarettabend auf Bühne 3 geben. Auch soll die für das Jubiläum der Stadthalle anvisierte Freiluftausstellung mit lebensgroßen Skulpturen, wie eine bereits vor dem Ballonmuseum zu bestaunen ist, mit in unser Gestaltungskonzept eingebunden werden.

mh bayern: Dieses Jahr konnten Besucher erstmalig mithilfe der neuen kulturina-Homepage alle Infos rund um das Fest in Echtzeit auf ihrem Smartphone abrufen. Wie viele Besucher nutzten diese Funktion? Gerade unter jüngeren Verbrauchern wird es zunehmend beliebter, Angebote per App zu vergleichen.

Olita: Die neue Technik wurde während der kulturina 2014 erfolgreich eingeführt. Natürlich gilt auch hier, dass sich das neue Angebot etablieren muss. Deshalb werden wir 2015 erneut deutlich auf die gebotenen Möglichkeiten hinweisen. In unserem Uploadbereich „kulturina.live“ kann zum Beispiel jeder Besucher selbst in Echtzeit seine Bilder von der Veranstaltung in unsere Eventgalerie hochladen und so zu einer einzigartigen Fotokollage beitragen, die es nachts per Projektion auch auf der Fassade des Museums zu bestaunen gibt.

mh bayern: Freiluftveranstaltungen stehen und fallen mit dem Wetter. Bisher meinte es der Wettergott gut mit der kulturina. Abgesehen von unwetterartigen Sintfluten, welche anderen Katastrophen fürchten Sie und welche Gegenmaßnahmen werden bereits im Vorfeld getroffen?

Knauth: Die einzig nichtplanbare Komponente ist und bleibt das Wetter, alles andere haben wir im Griff. Übrigens blicken auch wir nach vier Jahren kulturina auf den einen oder anderen Regenschauer zurück. Allerdings scheint das Besondere bei unseren Besuchern zu sein, dass sie sich von einem Sommerschauer nicht gleich unterkriegen lassen und vor allem beim ersten einsetzenden Sonnenstrahl sofort wieder auf das Festivalgelände strömen. Das macht uns schon ein bisschen stolz.

mh bayern: Bürgermeister Michael Wörle ist ebenfalls ein großer kulturina-Freund und will das Fest eventuell räumlich ausdehnen. Was schwebt Ihnen für das erweiterte Gelände vor und was hielten Sie von einer zeitlichen Ausdehnung?

Olita: Wir lieben Veränderungen, denn die halten die kulturina auf lange Sicht hin lebendig. Allerdings werden wir solche Entscheidungen stets mit Bedacht treffen, denn die kulturina ist und bleibt ein rein ehrenamtliches Projekt, übrigens auch für die unzähligen teilnehmenden Vereine. Eine räumliche Ausdehnung ist nicht geplant, es fehlt aktuell auch schlicht an geeigneten Flächen. Eine dauerhafte zeitliche Ausweitung macht unseres Erachtens ebenfalls wenig Sinn. Der typische kulturina-Gänger ist Wiederholungstäter und somit ohnehin mehrmals vor Ort. Des Weiteren wollen wir auch bestmöglich Rücksicht auf die Anliegen der Anwohner im Stadtzentrum nehmen.

mh bayern: Dieses Jahr gab es keinen Faschingsumzug in Gersthofen. Auch die Narrenhalle, die unter Ihrer Federführung auf dem Rathausplatz errichtet wurde, gab es heuer nicht mehr. Werden Sie künftig dennoch einen Versuch unternehmen der einstigen Faschingshochburg Gersthofen zum alten Glanz zu verhelfen?

Knauth: Wir machen uns ständig Gedanken über neue Aktionen unseres Vereins und natürlich spielt der Fasching speziell für uns Gersthofer eine wichtige Rolle. Leider hat auch unser Tag nur 24 Stunden und ein Großteil der Mannschaft ist in der fünften Jahreszeit ohnehin bei der Kol-la im Einsatz, was die Möglichkeiten zusätzlich schmälert. Langfristig wollen wir uns aber auf jeden Fall für ein modernes Nachfolgekonzept starkmachen.

mh bayern: Leerstände sind unattraktiv und sind auch in Gersthofen ein Thema. Wo liegt aus Ihrer Sicht das Problem und haben Sie auch einen Lösungsansatz parat? Welche Geschäfte vermissen die Gersthofer?

Olita: Im Gersthofer Stadtzentrum gibt es schöne und weniger schöne Orte, wirkliche Schandflecke erkennen wir aktuell nicht. Allerdings gibt es unzählige Chancen, unsere Innenstadt deutlich aufzuwerten, das öffentliche Leben soll hier schließlich nicht nur während ein paar Stunden Stadtmarkt stattfinden. Die Steigerung der Aufenthaltsqualität muss oberste Priorität genießen, auch deshalb unterstützen wir mit Nachdruck Ansätze wie Shared Space, neue öffentliche Plätze und eine zusätzliche Tiefgarage. Auch einen zentralen Spielplatz samt Wasserelementen im Sommer oder eine kleine Kulturbühne auf dem Rathausplatz können wir uns sehr gut vorstellen.
mh bayern: Die Gestaltung der Gersthofer Stadtmitte wird immer noch vieldiskutiert. Wie lebendig Ist Ihrer Meinung nach Gersthofens Innenstadt am Ende des Jahres 2014? Können Sie zu folgenden „heißen“ Themen ein kurzes Fazit ziehen?

Poppe: Wir sehen noch viel Luft nach oben, Ziel muss es sein, das gesellschaftliche Leben durch verschiedenste Maßnahmen wieder zurück ins Stadtzentrum zu holen.

Bahnhofstraße: Sie ist und bleibt Hauptverkehrsader, allerdings kann durch eine bauliche Umgestaltung vor allem in den Abendstunden und am Wochenende eine deutliche Aufwertung für das Zentrum erfolgen.

Gersthofer Loch: Gefragt ist die beste Lösung für Gersthofen, nicht die schnellste. Die Stadt sollte den Gesamtkontext im Fokus behalten, denn das Areal hat großen Einfluss auf die zukünftige Stadtmitte.

City-Center: Es ist zu wünschen, dass die Eigentümerin am Standort festhält und nach über 20 Jahren des Bestehens eine Modernisierung angestrebt wird. Die Stadt sollte hierzu Möglichkeiten aktiv anbieten.

mh bayern: Vielen Dank für das Interview!
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin gersthofer | Erschienen am 18.12.2014
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