Ein Blick hinter Gitter

Die SPD zu Besuch im Gefängnis in Gablingen. Mit dabei waren (von links): Armin Bergmann, Annette Luckner, Petra Fischer, Erna Stegherr-Haußmann, Fabian Wamser, Thomas Weigel, Andrea Collisi, Anna Wessinger, Gregor Birle, Harald Güller, Roland Mair, Janine Hendriks, Walter Trettwer, Michael Zambelli Gat und Peter Allenfort.
Gablingen: Justizvollzugsanstalt |

Von oben erinnert sie tatsächlich ein bisschen an einen Flughafen – ohne Landebahn – und die Adresse lautet auch „Am Fliegerhorst“, Personenkontrollen finden ebenfalls statt, aber der Andrang ist dann doch nicht so groß wie am Flughafen. Die Rede ist von der Justizvollzugsanstalt (JVA) Augsburg-Gablingen. Was sich hinter den hohen Mauern verbirgt, haben sich die SPD-Kreistagsfraktion und der SPD-Unterbezirk Augsburg-Land angeschaut.

Wer hinein will, muss sich anmelden: Vorname, Name, Geburtsdatum. Das Handy kommt während des Besuches ins Schließfach und es herrscht striktes Alkoholverbot auf dem Gelände. Erster Eindruck: das Gelände ist weit zu überblicken und es gibt keine Hecken oder Bäume. Sollen sich Gefangene auf der Flucht nicht verstecken können? In den vergangenen vier Jahren gelang jedenfalls keine Flucht aus einem bayerischen Gefängnis, hören die SPD-Politiker auf ihrem Rundgang. Hohe Mauern, Stacheldraht und dann noch 450 Kameras, Herzschlagdetektor, Rauschgiftspürhund, Hochgeschwindigkeitswärmebildkameras – fast die Hälfte der über 100 Millionen Euro Kosten wurden in die Sicherheit gesteckt.

Im Inneren riecht es noch ganz neu, der Gebäudeteil, den die Besucher betreten, ist noch nicht belegt, die über 600 Inhaftierten, die bei voller Belegung von über 200 Vollzugsbeamten bewacht und betreut werden, sind noch nicht alle da. „Trist sind die langen Gänge nicht, die Regenbogenfarben sorgen vielleicht für ein bisschen gute Laune“, vermutet der Unterbezirksvorsitzende Roland Mair. Sie dienen aber auch als Leitsystem, erfahren die Besucher. Nicht alle, die hier einsitzen müssen, sprechen gut Deutsch und können gut lesen, wird bei der Führung erklärt.

Leben in sozialer Verantwortung lernen


Was erwartet die Häftlinge außerhalb ihrer Zellen? Die meisten arbeiten, sie sollen lernen, ein geordnetes Leben zu führen, ihr Geld zu verdienen. 1,80 Euro beträgt der Stundenlohn. „Warum gibt es keinen Mindestlohn“, fragt sofort Kreisrätin Annette Luckner. Weil die Gefangenen freie Kost und Logis haben. Ein Teil des verdienten Geldes ist für Genussmittel, die sie im Gefängnis kaufen dürfen, ein Teil wird als Entlassungsrücklage angespart. Rund 86 Euro kostet ein Gefangener den Freistaat pro Tag, diese Summe wird mit der Arbeit zum Teil refinanziert.

Die Rückführung des Häftlings in ein Leben in sozialer Verantwortung, das Lernen und Einhalten von Regeln, Normen und Werten ist ein wichtiger Bestandteil der Haft. Gelernt wird das zum Beispiel auch beim Sport in der modernen lichtdurchfluteten Turnhalle und im Fitnessbereich nebenan. „Wir hoffen, dass die Gablinger diesen Sportbereich ebenfalls nutzen können“, erzählt der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Walter Trettwer.

Harald Güller, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der Kreistagsfraktion, ist als Anstaltsbeirat immer wieder in Gablingen und kennt sich als Jurist im bayerischen Strafvollzug gut aus. Er weiß um die Bedingungen für die Justizbeamten, die dort arbeiten: „Es fehlt in allen Haftanstalten Personal. Die Überlastung macht die Beamten krank und die Kollegen müssen dann noch mehr Dienste schieben. Das kann so nicht bleiben.“ Die Beamten, die als Entlastung versprochen worden sind, werden nicht reichen, auch nicht in Bayerns derzeit modernster Justizvollzugsanstalt in Gablingen.

Die Technik allein kann Beamte nicht ersetzen, schließlich ist auch der Kontakt zu Menschen für die Insassen des Gefängnisses wichtig, denn kaum einer von ihnen ist wirklich gefährlich für seine Mitgefangenen oder für die Justizbeamten und schon gar nicht für die Nachbarschaft. Viele haben einen schweren Fehler begangen, für den sie büßen und der ihnen zu schaffen macht. Sie brauchen Hilfe, um wieder Fuß fassen zu können und dazu braucht man Menschen, die sie in ein Leben nach ihrer Haft begleiten. Sicherheitssysteme allein reichen nicht.
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