Rückkehr des Jägers mit den Pinselohren ist von vielen Faktoren abhängig

Der Wildbiologe Dr. Marco Heurich gilt als einer der renommiertesten Luchs-Experten. Seit 1996 forscht er im Nationalpark Bayerischer Wald, wo er sich mit den Themen Wald- und Wildtierökologie beschäftigt.
 
Auge in Augen mit dem Luchs. Ein präpariertes Tier hatte der Wildbiologe Dr. Marco Heurich bei seinem sehr gut besuchten Vortrag im Erbendorfer Kolpinghaus dabei. Wir er erläuterte handelte es sich dabei um ein Weibchen, das im Freigehege im Nationalpark einen natürlichen Tod gestorben sei.
Nur wenn die Jäger mitmachen hat der Luchs eine Chance

Erbendorf. Dr. Marco Heurich wird noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, um dafür zu werben den Luchs wieder als einen Teil unserer heimischen Natur zu akzeptieren. Zwar wünschen sich viele Menschen, dass der scheue Jäger mit den Pinselohren wieder zurückkehrt. Andere aber fürchten sich vor ihm und tun alles um die Rückkehr der Raubkatze zu verhindern. Eine völlig unberechtigte Angst wie sich bei dem Vortrag herausstellte. Auf Einladung des Vereins „Unser Hessenreuther Wald“ gab der renommierte Luchsexperte einen spannenden und interessanten Einblick in die Arbeit eines Wildtierforschers und konnte so viel Wissenswertes über den Luchs vermitteln. Der promovierte Wildbiologe versuchte erst gar nicht in seinem Vortrag dem Luchs ein positives „Mitzekatzen-Image“ zu verpassen, sondern berichtete von den Ergebnissen seiner Forschungsarbeit im Nationalpark Bayerischer Wald. Der Luchs ist zum Jagen geboren und daher ein natürlicher Konkurrent der Jägerschaft.

Im Straßenverkehr werden mehr Rehe getötet


Von seinem Körperbau her ist er nicht auf lange Verfolgungsjagden ausgerichtet: Lauern, Anpirschen, ein kurzer Sprint, ein weiter Satz - das ist die für den Luchs typische Jagdweise. Eine Hetzjagd wie Hund oder Wolf steht der Luchs nicht durch. Ein Luchsweibchen mit zwei Jungtieren reißt rund 75 Rehe im Jahr. Ein Männchen oder wie er unter Jägern heißt ein Kuder holt sich bis zu 45 Rehe aus dem Wald. Neben dem Rehwild steht auch noch das Rotwild auf dem Speiseplan der Luchse. Diese Fakten sorgten bei den Zuhörern zunächst für großes Staunen. Der Wildbiologe konnte die Zahlen jedoch gleich ins rechte Licht rücken. Denn ein Luchs durchstreift ein riesiges Jagdgebiet. Auf die Fläche umgerechnet reißt sich der Luchs im Durchschnitt 0,9 Rehe pro 100 Hektar. Allein durch den Straßenverkehr werden weit mehr Rehe getötet.

Dr. Marco Heurich vermittelte sehr spannende Einblicke in sein Projekt zum Schutz und der Erforschung von Wildtieren in den Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava vor. Mit modernster Technik werden hier das Verhalten und die Lebensweise von Luchs, Reh und Rothirsch erforscht. Forschergruppen aus beiden Nationalparken arbeiten dabei grenzüberschreitend eng zusammen. Die hier gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen den Luchs wieder als einen Teil unserer heimischen Natur zu verstehen.

Luchs greift Menschen niemals an


So konnte Dr. Marco Heurich auch viele Vorurteile ausräumen. Der Luchs ist für den Menschen absolut ungefährlich. Es sei kein einziger Zwischenfall bekannt, wo ein Luchs einen Menschen angriffen hätte. Umgekehrt ist aber der Mensch der größte Feind der Raubkatze. In jüngster Zeit sind zwei Luchse jämmerlich verendet weil sie vergiftet wurden oder von Schrotkugeln getroffen waren. Für den Wildtierforscher steht deshalb die Information der Betroffenen an erster Stelle. Ohne der Mithilfe der Jäger werde es nicht gelingen den Luchs wieder anzusiedeln. Neben der Akzeptanz der Jägerschaft und der Waldbesitzer ist der Luchs auch auf eine funktionierende Vernetzung der Lebensräume angewiesen.

Luchs als Werbeträger


Es sei schon allein eine ethische Verpflichtung dem Luchs wieder seinen Lebensraum zurück geben, so die Überzeugung von Dr. Heurich. Doch gibt es auch genügend handfeste Gründe um den Jäger mit den Pinselohren wieder anzusiedeln. Der Luchs sei eine der Schlüsselarten für ein großflächiges naturnahes Ökosystem. Wo der Luchs in freier Wildbahn lebt ist das Ökosystem Wald noch in Ordnung. Das wiederum könnte ein entscheidender Aspekt für einen Imagegewinn einer ganzen Region sein. Im Bayerischen Wald habe sich der Luchs bereits zu einem Sympathieträger bei Einheimischen und Touristen entwickelt. Am Ende seines Vortrages richtete Dr. Marco Heurich einen leidenschaftlichen Appell an alle Zuhörer dieser faszinierenden Tierart ein Existenzrecht einzuräumen und den Luchs wieder als Teil unserer heimischen Natur zu akzeptieren. „Setzen wir uns alle dafür ein, dass der Luchs in Zukunft wieder bei uns überleben kann!“

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