Das Bayr. Fernsehen diskutiert in einer LIVE- Sendung über das Thema Stromtrassen

BürgerForum LIVE in Niederschönenfeld
   
Moderator Tilmann Schöberl
Bis auf den letzten Platz war das Bürgerhaus in Niederschönenfeld am 21.01.15 zur LIVE Übertragung von "BürgerForum Live" ausgebucht. Viele hätten noch eine Karte für die Veranstaltung gewollt, mußten dann aber vor ihrem TV Platz nehmen. Bürgerinitiativen aus Niederschönenfeld, Rennertshofen, Burgheim, Münster, Oberndorf, Rain, Eichstätt, Oberhausen und Nordendorf waren gekommen, um ihre Meinung zum Thema Stromtrasse und Energiewende kund zu tun. Als Vertreter der Politik hatte Moderator Tilmann Schöberl, Frau Natascha Kohnen von der Bayern SPD und Erwin Huber von der CSU eingeladen. Außerdem war Landrat Weigert, viele Bürgermeister aus der Region, Vertreter der Gewerkschaft, der LEW, der Solarbranche und dem Bund Naturschutz gekommen. Als Experte war Prof. Sterner anwesend. Die zentrale Frage, die Tilmann Schöberl zu Beginn stellte war: Kann man den Strom für die Bürger und die Industrie auch ohne ungeliebte Stromtrassen günstig produzieren und verteilen? Keiner will die Trassen vor der eigenen Haustüre, doch geht es auch Ohne? Als Überraschungsnachricht hatte es eine Meldung von Frau Aigner gegeben, die "nur" noch eine Trasse für notwendig hält. Heute ist es eine Trasse, morgen Zwei und übermorgen vielleicht wieder Drei? Peter Mahl, Bürgermeister von Niederschönenfeld meinte dazu nur, solange er nichts Schwarz auf Weiß hätte, glaube er nichts mehr. Er forderte die sofortige Einstellung des Trassenprojekts per Gesetztesbeschluß. Auch Bürgermeister Georg Hirschbeck schloß sich dem an und sagte, daß Baugebiete nicht mehr verkäuflich wären, solange nicht gesetzliche Klarheit geschaffen wäre. Ein Bürger dessen Haus im Planungskorridor liegt berichtete, daß er sein Grundstück von einem Gutachter hätte schätzen lassen und dieser von mind. 50% Wertverlust bis hin zur Unverkäuflichkeit gesprochen hatte. Wegziehen könne er mit seiner Familie nicht, da sie ja immer noch Monat für Monat die Raten für´s Haus bezahlen müssen. Auch die fehlenden Mindestabstände zur Wohnbebauung konnten viele nicht nachvollziehen. Eine Kindergärtnerin stellte die berechtigte Frage, ob sie mit den Kindern noch unbeschwert draußen spielen könnte, schließlich seinen Kinder viel sensibler. Auch Martin Hofmann begab zu Bedenken, daß es sich bei der HGÜ um eine relativ unerforschte Technik in einem so eng besiedelten Gebiet wie Deutschland handle. In anderen Ländern gebe es zwar solche Trassen, doch würde da Weit und Breit niemand wohnen. Pilotprojekt Stromtrasse? Sollen wir etwa alle zu Versuchskaninchen werden? Wie hoch wäre der sozialwirtschaftliche Schaden, durch Enteignungen und gesundheitliche Auswirkungen? Wurde das in die Kostenrechnung der Trassen miteinkalkuliert? Herr Huber sagte, daß er die Bürger gut verstehen könne, da er selber in einem Ort wohne, wo solch eine Trasse verläuft. " Schön ist es nicht" meinte er, doch wir bräuchten günstigen und sauberen Strom, da wir die zweithöchsten Industriestrompreise in Europa hätten. Diese Aussage ist richtig, aber betrachtet man das Ganze etwas genauer, so müßte man sagen, daß sich die Wettbewerbssituation für große und stromintensive Industriekunden seit 2007 sogar verbessert hat (FÖS-Kurzanalyse im Auftrag der Bundesfraktion Bündnis 90/Die Grünen). Auch ein Vertreter der Gewerkschaft forderte günstige wettbewerbsfähige Strompreise für Alle, damit keine Arbeitsplätze in Gefahr seien. Ob mit oder ohne Stromtrasse, das ist relativ egal, hauptsache billig. Hat die Industrie sich eigentlich schon einmal überlegt, welches Potential in den Erneuerbaren steckt? Wie viele Arbeitsplätze könnten langfristig in diesem Sektor geschaffen werden? So sah es auch Rudi Schubert vom Bund Naturschutz, der die Regierung zu mehr Mut in Sachen Energiewende aufforderte. Die Förderung von Kraftwärmekopplung und Windgas müßten von der Regierung angepackt werden. Dem schloß sich auch Anita Dieminger von der BI Megatrasse-VG-Nordendorf an. Sie sagte, daß das Thema Speicher viel zu kurz käme. Immer würde nur über Trassenbau gesprochen werden, um das zuviel an Strom abtransportieren zu können. Keiner spricht von unserem gut ausgebauten Gasnetz, das einen idealen Speicher darstellt und den es schon gibt. Warum kann man nicht Vorhandenes nutzen? Sie klagte auch die Politik an, die ihrer Meinung nach viel zu wenig Willen für eine echte Energiewende aufbringe. Ohne geeignete politische Rahmenbedingungen wird das Ziel, die Erneuerbaren zügig auszubauen, scheitern. Schon jetzt stagniert der Ausbau von Solar und Windenergie, weil die finanziellen Anreize, vor allem für die Bürger fehlen. Kein Investor, egal ob von der Industrie oder dem kleinen Bürger vor Ort investiert, wenn es sich nicht rechnet und eine gewisse Planungssicherheit vorhanden ist. Prof. Sterner bestätigte, daß es auch ohne Trassen möglich sei, die Energiewende umzusetzen-die technischen Gegebenheiten sind vorhanden. Speicher würden auch seiner Meinung nach zu wenig berücksichtigt. Er sieht die Trassen trotzdem als notwendig und prophezeite, daß sie früher oder später doch kommen würden-die Frage sei nur wann. Soll das etwa heißen, wir bauen jetzt erstmal Eine und in ein paar Jahren die Nächste? Ist das etwa eine Hinhaltetaktik um die BI´s ruhig zu stellen? Auch Frau Kohnen sagte, daß es ohne neuen Trassen nicht gehen würde. Man könne schließlich die fehlenden Strommengen nicht durch PV-Anlagen auf den Dächern decken. Hat die SPD eigentlich schon einmal etwas von Power to gas oder Redox flow und Co gehört? Otto Kuffer gab zu Bedenken, daß unsere jetzigen, gut ausgebauten Stromnetze große Versorgungssicherheit leisteten und durch den Bau der Thüringer Strombrücke die Versorgung über 2023 hinaus sichergestellt ist. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage gestellt, warum man bestehende Netze nicht ausbaut, so wie es auch Prof. Hirschhausen für ausreichend hält. Herr Loderer vom Energiebündel Eichstätt gab zu bedenken, daß die geplanten Stromtrassen überlastet wären, wenn sich der Anteil der Erneuerbaren maßgeblich erhöht und unsere Nachbarn ihre Ökostromanteile erhöhen und die Grenzen abregeln. Michaela Herrman stellte die berechtigte Frage, ob man aus der Kernenergie aussteigt, um in die Kohleindustrie einzusteigen? Im Vordergrund standen immer wieder die Kosten. Stromtrassen seien günstiger als andere Alternativen. Dazu sagte eine Gemeinderätin aus Oberndorf: Wie können die Erneuerbaren zu teuer sein, wenn wir die Entsorgung von Atommüll vor unserer Brust haben? Ein Herr aus der Solarbranche brachte sich in die Diskussion ein und forderte, die regionale Wertschöpfung vor Ort müsse gefördert werden, schließlich haben die Bürger 85% aller Investitionen der Erneuerbaren getragen. Er konnte auch nicht verstehen, warum Offshore mit 19 Cent und Photovoltaik nur noch mit 10-12 Cent gefördert wird. Dadurch werden ganz klar wieder zentrale Strukturen aufrecht erhalten, aber nicht die Bürgerenergie vor Ort. Inge Hofgärtner hatte das letzte Wort, sie kritisierte die Rendite von über 9% für die Großinvestoren und wünschte sich mehr Ehrlichkeit von den Politikern!

Hier in der Mediathek kann man sich´s nochmal anschauen:
www.br.de/mediathek/video/sendungen/buergerforum-live/buergersendung-buergerforum-live-124.html
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