Reinhold Messner – Idealist, Kulturmensch und Pragmatiker

Reinhold Messner ist ein Weltstar. Wo auch immer der berühmteste Bergsteiger der Gegenwart auftaucht, drehen die Menschen sich um, bitten um ein Autogramm oder machen Selfies. Und der Südtiroler hat deutlich mehr drauf, als auf Gipfel zu klettern. Reinhold Messner ist Umweltschützer, Politiker und Kulturmensch. 2015 hat er bereits das sechste Museum eröffnet. (Foto: Thomas Schneider/mid – Nachrichtenagentur Global Press.)
(TRD/mid) Er ist ein Weltstar. Wo auch immer der berühmteste Bergsteiger der Gegenwart auftaucht, drehen die Menschen sich um, bitten um ein Autogramm oder machen Selfies. Und der Südtiroler hat deutlich mehr drauf, als auf Gipfel von Achttausendern zu klettern. Reinhold Messner ist Umweltschützer und war fünf Jahre Abgeordneter im EU-Parlament. Und er ist ein Kulturmensch: 2015 hat er bereits das sechste Museum eröffnet und betreibt es wie die übrigen auf eigene Kosten. Am jüngsten Standort Corones auf dem 2.275 Meter hohen Kronplatz gibt der Abenteurer einen Einblick in das, was ihn Zeit seines Leben bewegt hat.Das Projekt „Messner Mountain Museum“ (MMM) hat aber nichts mit Selbstbeweihräucherung zu tun. Nicht Messner selbst steht hier im Mittelpunkt, sondern es sind Themen wie „Mythos Berg“, „Skilauf, Eisklettern, Arktis und Antarktis“ oder „Fels, Klettern und Bergsteigen“. Diese Schaufenster – teils an historisch bedeutsamen Stätten wie dem mehr als 1.000 Jahre alten Schloss Sigmundskron beheimatet – bilden nach seinem Verständnis eine Einheit. „Das Haupthaus in Bozen und die fünf Satelliten sind wie ein Mosaik“, sagt Messner. „Wer mein Museum wirklich erleben will, muss sie alle sehen.“

Wichtig ist ihm dabei die Authentizität. Vor der Eröffnung der Zentrale in Bozen hat Reinhold Messner die Ruine des Schlosses Sigmundskron wiederaufbauen lassen, damit es in die Umgebung passt. Und genau das war auch beim Standort Corones die Vorgabe. Das von der aus dem Irak stammenden Star-Designerin Zaha entworfene und umgesetzte Gebäude selbst ist bereits ein Kunstwerk. Es ist nach dem Vorbild einer Moräne – also eines natürlichen von einem Gletscher gebildeten Abhang – gestaltet und auf wichtige Berge ausgerichtet. „Die Museen sind so gebaut, dass die Aussichtspunkte die Welt draußen mit einschließen – wie ein großes Bild“, erklärt der stolze Betreiber.

Das Innere von Corones erzählt chronologisch die Geschichte des Bergsteigens. Dafür hat der heute 71-Jährige etliche Bergsteiger-Devotionalien sowie unzählige Plastiken und Bilder zusammengetragen. Letztere zeigen berühmte und berüchtigte Berge und Aufstiege wie den Nanga Parbat oder den Mount Everest. Reinhold Messner hat sie höchstpersönlich den Berg hinaufgefahren – unterstützt von Autobauer Opel, mit dem der Südtiroler schon seit den 1980ern zusammenarbeitet. Im Anschluss an einen für die Rüsselsheimer gedrehten Werbespot für den Transporter Vivaro – den er mit einem Sherpa der Länge nach „durchquert“ hat – nahm Messner diesen gerne in seinen „Fuhrpark“ auf. „Damit habe ich dann den kompletten Frühling die riesigen Gemälde zum Museum gekarrt, und der Wagen hat tapfer durchgehalten.“

Da kommt der Praktiker in Messner durch, denn in Bezug auf Autos ist er ganz Rationalist – im Gegensatz übrigens zu seiner Leidenschaft. Wenn es um die Kultur des Bergsteigens geht, philosophiert er gerne über die Anfänge nach der Industrialisierung und Aufklärung und den Sinn dahinter. Beim Auto aber ist im Gegensatz dazu einzig das Ankommen das Ziel, am besten komfortabel, aber vor allem zuverlässig. Und in dieser Beziehung vertraut er, der 70.000 bis 80.000 Kilometer im Jahr auf vier Rädern unterwegs ist, schon seit langem auf Opel. „Der Vivaro ist mittlerweile unser Flickwagen fürs Museum. Sonst fahre ich einen Insignia Sports Tourer“, sagt der Vielfahrer. Und der hat ihn auch nie im Stich gelassen. „Ich halte viele Vorträge. Seit Jahren bin ich nicht mehr zu spät gekommen, weil ich unterwegs nie liegen geblieben bin.“

Und wie passt das viele Autofahren zu dem Nachhaltigkeits-Anspruch des Umweltschützers? „Es geht eben einfach nicht ohne“, sagt er pragmatisch. „Ich kann ja nicht mit Gepäck in einen Bus steigen und auf den Berg fahren.“ Auf dem Land wird das Auto seiner Meinung nach daher noch lange alternativlos sein und auch Elektroautos – die er grundsätzlich befürwortet – kämen dort an ihre Grenzen. Die E-Mobilität werde nicht konsequent genug umgesetzt. Der „goldene Schritt“ fehlt noch, könnte man ihm mit einiger Berechtigung in den Mund legen. Der steht für Reinhold Messner für „die große Kunst im Leben, eine gute Idee auch Realität werden zu lassen“ – ganz wie bei seinen Expeditionen. Dieser Schritt werde in Bezug auf die E-Mobilität aber wohl erst dann gemacht, „wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Dann wird die Technik da sein.“ Ob das dann Elektroautos mit Batterien oder aber mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge sind, ist seiner Ansicht nach noch offen und auch zweitrangig.

Und noch eine weitere Parallele lässt sich zwischen der Entwicklung beim Bergsteigen und beim Automobil ziehen: Die Hilfestellungen Kletterer und Autofahrer werden immer weitreichender. Aus einfachen Haken sind bei Bergsteigern heute Hightech-Geräte geworden. Den Mount Everest können inzwischen prinzipiell auch völlige Laien mit etwas Kondition besteigen – wenn ihnen die Sherpas an schwierigen Stellen einfach Leitern aufstellen. Bei modernen Autos übernehmen Assistenz-Systeme diese Rolle, und das ist laut Messner richtig und wichtig. Das autonome Fahren sieht er aber auch kritisch: „Ich glaube schon, dass es dadurch weniger Unfälle geben würde, aber wenn dann mal was passiert, wird es schwierig.“ Daher dürfe man das Heft des Handelns nicht völlig aus der Hand geben – genau wie beim Bergsteigen.
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