Nostalgie: Die Rallye mit rarer Reifenote

Audi 80 und Porsche spielen bei der Histo-Tour in der gleichen Liga. (Foto: Foto: Lars Wallerang/mid)
 
Schöne Autos werden mit dem Alter attraktiver – wie guter Wein und alte Männer. Im berühmten Riesling-Städtchen Bernkastel-Kues an der Mosel trafen nun rund 50 Fahrzeuge aus den 1950er bis 70er Jahren ein. Sie machten einen Zwischenstopp auf der „Histo-Tour“ – einst bekannt als „Helden-Tour“. (Foto: Foto: Lars Wallerang/mid)
(TRD/MID) Im berühmten Riesling-Städtchen Bernkastel-Kues an der Mosel trafen nun rund 50 Fahrzeuge aus den 1950er bis 70er Jahren ein. Sie machten einen Zwischenstopp auf der „Histo-Tour“ – einst bekannt als „Helden-Tour“. Das Besondere an dieser Rallye: Alle möglichen Oldies können daran teilnehmen – ob Ford oder Ferrari.Alle Wagen eint und adelt die Reifenote sowie die Existenz als Rarität. Da besteht vor dem Blick eines Oldtimer-Kenners neben einem älteren Porsche souverän auch ein Audi 80 GTE von 1972. „Die Autos findet man heute nicht mehr“, betont Norbert Schroeder, Experte für historische Fahrzeuge beim TÜV Rheinland, der gemeinsam mit dem Automobilclub von Deutschland (AvD) die Histo-Tour unterstützt.

Warum eigentlich die Namensänderung der Rallye in „Histo-Tour“? Das klinge neutraler, erklärt Wolfram Mansky, Leiter Sportsponsoring beim AvD auf Nachfrage des mid. Man habe intern eine Weile diskutiert. „Der Name Helden-Tour ließ sich nach Meinung vieler etwas zu sehr ins Lächerliche ziehen“, berichtet Mansky.

So richtig alte Schätzchen sind auf der „Histo-Tour“ zwar nicht anzutreffen, dafür schätzen Besucher und Fahrer, dass sie die Autos noch aus ihrer „aktiven Zeit“ kennen. Für so manchen bedeutet das einen visuellen Ausflug in die eigene Kindheit und Jugend. Die Beliebtheit solcher Touren biete großes Erweiterungspotenzial, sagt Mansky. Demnächst könnte es durchaus bis zu 70 Teilnehmer geben. Doch noch größere Teilnehmerzahlen strebe man gar nicht an. Mansky: „Während einer Tour all die Strecken zu fahren – das geht nicht mit 200 Leuten.“

Der landschaftliche Abwechslungsreichtum gehört zur Besonderheit der Rallye. Es geht durch Eifel, Ardennen, Rhein- und Moseltal. Höhepunkte sind die sportlichen Herausforderungen auf den Rennstrecken von Zolder, Spa-Francorchamps und Nürburgring (Grand-Prix-Kurs und Nordschleife). Als letztes Detail konnte der Hauptveranstalter AvD noch eine weitere Gleichmäßigkeitsbewertung fixieren. Ausgetragen wird sie auf der Bergstrecke Veldenz an der Mosel.

Zu den begeisterten Besuchern gehört Prof. Dr. Jürgen Brauckmann, Executive Vice President TÜV Rheinland. „Es freut mich, dass es in Deutschland wieder einen etablierten Langstreckenklassiker für historische GT-Fahrzeuge und Tourenwagen gibt“, sagt Brauckmann. Die Neuauflage der Histo-Tour lasse eine Ära aufleben, in der die Männer hinterm Volant demonstrieren, wie sie ihren Boliden ohne elektronische Helfer sicher beherrschten.

Prominente Fahrer steuern hierbei Autos der Allerweltsmarken Ford und Opel, aber eben keine Allerwelts-Modelle. Am Steuer eines Ford Mustang aus den 60ern sitzt Rallyefahrer Josef Ossenbach. „Hier lebt der alte Geist wieder auf“, schwärmt der Auto-Fan. Nun sei er gespannt, wie sich sein Mustang schlägt, so der erfahrene Porsche-Pilot. Am Start ist auch der Ex-Rennfahrer und frühere Opel-Motorsportchef Volker Strycek. Der Deutsche Tourenwagen-Meister von 1984 gewann nach Ende der Rennsport-Karriere 2003 noch einmal das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Jetzt steigt er in einen leuchtend orangefarbenen Opel GT von 1972. Das der amerikanischen Corvette nachempfundene Coupé bringt es auf für damalige Verhältnisse stolze 90 PS. Über derartige Leistungsdaten mag mancher heutige Kleinwagenfahrer lächeln, doch das Fahrgefühl in den sportlichen Autos vergangener Jahrzehnte wollen echte Liebhaber nicht missen.
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