Schwäbische Weihnacht in Donauwörth

Rudolf Weber (Bildmitte) trug in der Heilig-Kreuz-Kirche die von ihm in nordschwäbische Mundart angepasste "Schwäbische Weihnacht" von A.M. Miller vor. Das Bläserensemble der Trachtenkapelle Oberndorf (links), die Walbacher Saitenmusik (vorne) und der Frauenkreischor St. Johannes Rain am Lech (rechts) umrahmten die stimmungsvolle Veranstaltung.
 
Rudolf Weber trug die von ihm bearbeitete "Schwäbische Weihnacht" von A.M. Miller vor.
Donauwörth: Heilig-Kreuz-Kirche | Mit der öffentlichen Krippenausstellung, der uraufgeführten „Donauwerther Weihnachtsg’schicht“ und der vermutlich erstmals in Donauwörth dargebotenen „Schwäbischen Weihnacht“ von Arthur Maximilian Miller bot der Krippenverein Donauwörth eine Veranstaltungs-Trilogie, die in ihren unterschiedlichen Darbietungen die „stade Zeit“ bereicherten. Auch die Flusskrippe in der Wörnitz trägt dazu ihren Anteil bei. Dem rührigen Verein ist es außergewöhnlich gut gelungen, abseits des vorweihnachtlichen Rummels und mancher Showveranstaltung für Gäste und Krippenfreunde den Heimatbegriff anrührend und besinnlich zu vermitteln.
In der im Altarraum abgedunkelten Heilig-Kreuz-Kirche hatten Rudolf Weber als Sprecher, das Bläserensemble der Trachtenkapelle Oberdorf, die Walbacher Saitenmusik und der Frauenkreischor St. Johannes Rain am Lech Aufstellung genommen. Kaum war der Glockenklang verstummt, erfüllten die Bläser mit Schall und Echo nach einer Intrada von Johann Pezel eindrucksvoll das Kirchenschiff. Friederike Rieger vertrat den Vorsitzenden des Krippenvereins Pater Anton Karg bei Gruß- und Dankesworten vor den zahlreichen Zuhörern.
Nun ist ja die „Schwäbische Weihnacht“ von Arthur Maximilian Miller keine unbekannte Weihnachtsliteratur. Allerdings lebte der Schriftsteller im Allgäu und dementsprechend sind Text und Vortrag mundartlich eingefärbt. Weil gerade Krippen die weitverbreitete, menschliche Sehnsucht unterstreichen, das Weihnachtsgeschehen von Betlehem in die heimische Umgebung zu verlegen sah es Rudolf Weber, der ehemalige Rektor der Realschule St. Ursula, für die Veranstaltung als verpflichtend an, den Text in den eben hier beheimateten schwäbische Dialekt zu bearbeiten. Und das ist ihm vortrefflich gelungen. Sensibel oder derb, geschliffen oder kantig, schmunzelnd oder forsch, eben halt „ganz schwäbisch“ gestaltete sich die tiefgehende menschliche Botschaft in der Lesung von Rudolf Weber. Den Vortragsteilen ging eine Einführung voraus. Nach der Verkündigung des Engels wanderte Maria zur Base Elisabeth, ehe Josef nach ihrer Rückkehr in Gewissensnöte kam, um aber dann die Vorbereitungen dazu und die eigentliche Reise nach Bethlehem anzutreten. Josef sah sich vom Magistrat schikaniert, ausgerechnet zur nahenden Winterszeit sich auf den Weg machen zu müssen, aber es blieb ihm keine andere Wahl. Und dann konnten die aufmerksamen Zuhörer sinnbildlich den Weg nach Bethlehem „auf schwäbisch“ mitgehen. Mit dem „feierlichen Marsch“ von Leonhard Peischer leiteten die sechs Oberndorfer Blechbläser musikalisch zur Geburt Jesu über.
Rudolf Weber rezitierte die Geburt des göttlichen Kindes feinsinnig, ehe sich die Weihnachtslesung nach der Verkündung an die Hirten bis zum Besuch beim Jesuskind steigerte. „Seng a Liad“ diese Aufforderung von Elisabeth übernahm zu jedem der vorgetragenen Kapitel der Frauenkreischor St. Johannes der Täufer aus Rain am Lech unter Leitung von Brigitte Marb. Die Chorleiterin hatte die vom Bruder des Schriftstellers Robert Maximilian Miller komponierte Vertonung der Weihnachtsgeschichte für dreistimmigen Frauenchor umgeschrieben. Auch den im Dialekt bayrisch beeinflussten Sängerinnen gelang der gesangliche Spagat ins schwäbische vortrefflich und somit bildeten Vortrag und Gesang eben wieder eine „schwäbische Einheit“. Dezent umrahmte mit Zither, Hackbrett und Gitarre das Quartett der Walbacher Saitenmusik die stimmungsvolle Veranstaltung.
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