Schwarz-weis-rot, von Tag und Nacht, vom Leben und vom Tod

Diedorf: haus der kulturen | Schwarz wie das edle Holz der schiffförmig aufgebäumten Häuser - die Holzkohle der Feuer - Geborgenheit der Nacht,

Weiß wie die Gesichtsfarbe der Verstorbenen - wie der Kalk an den Häusern- Asche am Morgen,

Rotorange, wie das Blut in den Adern - Leben - Liebe - Feuer am Himmel - neuerdings der Rost auf den Wellblechdächern.

Diese drei Farben sind nicht nur hier in Sumatra die Prinzipien des Lebens, nein auch in Afrika und im Frühen Europa spielen sie immer wieder die gleiche Rolle im Leben der Menschen.

Ein Schiff wird gebaut aus stabilem dunklen Holz, Bahnen aus weißer Baumwolle fangen den Wind und führen das Schiff weiter, am Schiffsboden auf einer Schieferplatte brennt ein Feuer, rote Fische gaben ihr Leben, damit die Familie satt wird.

Viele der Stämme Sumatras haben lange vom Meer und auf dem Meer gelebt, bevor sie hier sesshaft wurden. So wie die Batak in der Nähe des Toba-sees, die Karo im Norden und die Similan-batak im Süden. Im großen schiffförmigen Haus werden die Kinder geboren, lebt die Familie, sterben die Alten. Ihre in wertvolle Tücher gewickelten Körper bleiben im Haus, oben unter dem Dach liebevoll streichelnd umspielt vom heißen Wind, der durch die Mattenwände kühlend und trocken hindurch bläst. Es kostet viel Geld, bis ein schiffförmiger Sarkophag aus Stein für den Toten gekauft ist. Auch will sich der Tote nur langsam vom Kreis der Familie trennen. Lang noch wird sein Rat gefragt sein in einer Kultur, wo es weder das Internet noch das geschriebene Wort gibt. Die Alten sind das gesammelte Wissen eines Stammes. So will man den verdienstvollen Toten aber auch nicht leer hinüber gehen lassen in die andere Welt. Mit ihm gehen sollen 10 oder 20 Wasserbüffel oder Zeburinder, denen mit einem einzigen Schwerthieb bei der Beerdigungsfeier der Hals durchtrennt wird. Wären es weniger, würde man den Verstorbenen im Jenseits nicht die im zugehörige Position zu gestehen, ja man würde ihn und seine Verwandten im Diesseits verlachen.
So nimmt man hohe Schulden auf sich, um den Verstorbenen zu ehren. Stolz werden an Grab und Haus die am Pfahl übereinander montierten Hörner der Büffel gezeigt. Überall glotzen die Köpfe geschnitzter und schwarz-weiss-rot bemalter Büffel aus der Architektur heraus. Überall muss die im Relief geschnitzte und dreifarbig gemusterte Oberfläche wie ein Netz alles Böse vom Hause abhalten.
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