Fußball anno dazumal

  Angelburg: SSV Schwalbe 1913 | Einer der ältesten Fußballvereine des ehemaligen Landkreises Biedenkopf, der SSV Schwalbe Lixfeld wurde schon im Jahre 1913 gegründet und kann in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern.

Es sind immerhin 100 Jahre her.

Am Anfang war es noch ein kleiner Verein von 25 jungen Männern, die sich für den Fußballsport begeisterten.
Es gab die ersten ernsthaften Ballberührungen und eine im Hinterland noch fast unbekannte neue Sportart mit den zugehörigen Fußballspielregeln musste unter schwierigen Bedingungen eingeführt werden.

Die Gründer des Vereins leben nicht mehr und keiner kann mehr von den damaligen Schwierigkeiten in den ersten Jahren berichten - zumal alle schriftlichen Unterlagen bzw. Protokolle der Gründerzeit sehr wahrscheinlich den Kriegswirren beider Weltkriege zum Opfer gefallen sind.

Damals gab es noch kein Auto und immer ging es zu Fuß und im Gleichschritt vom Vereinsheim zum Sportplatz, spielbereit mit Trikot und schweren Fußballschuhen bekleidet (immerhin etwa 1,5 km).

Auch bei den Auswärtsspielen wurden die Spielplätze der Gastgeber oft zu Fuß, bestenfalls mit dem Fahrrad erreicht. Bei den wenigen Vereinen damals wurden anfangs meist nur Freundschaftsspiele ausgeführt.

Dann kam der große Krieg und viele hoffnungsvolle Spieler wurden eingezogen.
Der gerade in Gang gekommene Spielbetrieb mußte wieder eingestellt werden.

Die vielen Termine der 100-Jahrfeier des SSV Schwalbe Lixfeld 1913 rufen bei den "Alten" auch Erinnerungen wach, Erinnerungen an das Spielgeschehen der 40er- und 50er-Jahre.

Hier kam unsere Zeit, die Zeit nach dem Krieg, wo es anfangs in vielen Dörfern nur 2 Vereine gab, den Männergesangverein und den Fußballverein. Die meisten von uns erwarben die Mitgliedschaft in beiden Vereinen trotz armer Zeit.

Nach dem Kriegsende 1945 wurde noch im gleichen Jahr - schon im August - der Verein erneut gegründet und ebenfalls der Spielbetrieb wieder aufgenommen.

Auch während des Krieges und kurz danach wurde Fußball gespielt.

Trainingsspiele ohne Trainer gab es bei allen Wetterlagen fast täglich nachdem die Wiesen gemäht waren hinter Ortmanns Saal in dem damals noch freien Wiesengrund, in Ortmanns Wieschen, dem heutigen Parkplatz oder auch auf weniger gut geeigneten Flächen außerhalb des Dorfes.

Sonntagmorgens trafen sich viele Fußballbegeisterte auf dem Nistenberg, ein steiler Berg, der bei " Luggutz" hochführte "Auf dem Gleichen" - um dort den geliebten Fußballsport auszuüben.

Die Tore wurden grob abgemessen und mit ausgezogenen Klamotten in der Breite markiert aber die Höhe wurde mehr oder weniger erstritten je nach Größe des Tormannes.

In den Anfängen waren die offiziellen Tore nur aus Balken aufgestellt, die obere Querlatte hatte meistens in der Mitte einen Durchhänger. Das Tornetz kam erst viel später und "Phantomtore" wurden nur nach harter Diskussion hingenommen.

Die Worte "Ablösungssumme" und "Spielerentgelte" kannte man überhaupt noch nicht - dagegen aber Kameradschaft und örtliche "Vereinstreue".

In unseren Fußballanfängen gab es noch keine mit Trainer festgelegten Trainingstunden - aber es wurde häufig und in der Woche mehrmals Fußball gespielt "gebolzt", auf dorfnahen Wiesen und immer eine gegen die andere Mannschaft, wobei auch häufig mit weniger als 11 Leuten pro Seite "geknobbelt" wurde.

Aus den vorhanden Interessierten mußten die 2 Besten ihre Mitspieler abwechselnd ziehen bis alle aufgeteilt waren und das ergab dann die beiden Mannschaften.
Die später kommenden wurden dann abwechselnd verteilt.

Das kostbarste war aber der Fußball, eine Lederhülle, in dessen Innerem sich eine aufpumpbare Gummiblase befand und mit Lederriemen (wie beim Schuh) verschnürt war.

Das war ein kostbares Utensil, welches oft repariert werden musste - einmal waren es die Ledernähte, welche aufgegangen und vom Schuster wieder neu genäht werden mussten oder ein anderes Mal hatte die Gummiblase ein Loch und musste geflickt werden wie beim Fahrradreifen.

Im Anschluss daran wurde dann die Flickstelle auf Dichtheit geprüft in einer mit Wasser gefüllten Wanne.

Oft war die Gummiblase vorwitzig und drückte sich als Bläschen - wenig später als dicke Blase zwischen geplatzten Ledernähten hindurch und es wurde trotzdem weitergekickt, oft bis zum endgültigen" Aus". Nach dem Platzen der Blase gab es dann einige Tage Ruhe.

Bei dieser Art von Fußbällen waren Balldicke und Gewicht noch nicht genormt, aber Kopfbälle gefürchtet; denn ein Zusammentreffen von Schnürnaht und Kopf
bei nassem, schweren Ball verursachte oft einen gewaltigen Schmerz.

Auch damals gab es schon harte Fouls ( zumal die Fußballschuhe mit Stahlkappen versehen waren ), wenn z.B.dem Gegner ein Bein gestellt wurde und der purzelte. Nur das Um- und Wegstoßen wie heute gab es weniger.

Der offizielle Spielpatz des SSV Schwalbe befand sich lange Jahre am Hatzenrod, weit außerhalb Lixfelds und war von der Gemeinde erbaut worden.

Ursprünglich gab es einen Schulspielplatz "am Loh", einen Trainingsplatz "Auf dem Gleichen" und erst in 1967 wurde der Hartplatz zwischen Lixfeld und Frechenhausen erstellt.

Damals gab es eine Spielgemeinschaft mit Frechenhausen, während man heute in einer Gemeinschaft mit dem Nachbar- und Fliegerdorf - Hirzenhain sein Glück versucht.


Harry Clemens
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Weiterveröffentlichungen:

Hinterland extra | Erschienen am 13.11.2013
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