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Hunderttausende verunglückte Fledermäuse an Windrädern kommen aus Nord- u.Osteuropa

"Bei verunglückten Fledermäuse an Windrädern ist das Innere meist eine blutige Masse“, ergab eine Untersuchung am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin. Weil sich die Spitzen der Rotorblätter mit einem Tempo von ca. 300 kmh bewegen, schwankt der Luftdruck dahinter stark und zerfetzt die Lungen und weitere innere Organe der Fledermäuse, schon wenn sie in die Nähe von Windrädern kommen. Mindestens 300.000 Tiere verlieren an Windrädern jedes Jahr ihr Leben.

Unter Windkraftanlagen an der Mecklenburgischen Seenplatte, in Brandenburg, in der Lüneburger Heide und wurden die Kadaver verunglückter Tiere gesammelt. „Im Durchschnitt fand man unter einem Windrad zehn Fledermäuse im Jahr“. Bei jetzt 30.000 Windkraftanlagen in Deutschland wären das min. 300.000 tote Tiere pro Jahr. Die Zahl dürfte höher liegen, weil viele Opfer im Magen anderer Tiere landen, bevor sie gefunden werden.

„Die meisten verunglückten Fledermäuse kommen nicht aus der Umgebung der Anlagen, sondern aus Osteuropa und aus Skandinavien“, ist das Ergebnis der Untersuchung, die in der Online-Ausgabe von „Biological Conservation“ veröffentlicht wurde. Was aber noch genauer untersucht werden muß. Weil Fledermäuse viele Schadinsekten vertilgen, verursachen Windräder für diese Länder vermutlich enorme Schäden in der Agrar- und Forstwirtschaft.

Von diesen toten Fledermäuse haben die Forscher die Wasserstoff-Atome im Fell analysiert. Bei diesem Element gibt es zwei Isotope. Je weiter man in Europa nach Norden kommt, desto höher liegt der Anteil des leichteren Wasserstoff-Isotops in der Natur. Fledermäuse bauen diese Isotope entsprechend der Verhältnisse im Wasser ihres Lebensraums ins Haar ein. Die Wasserstoff-Isotope in den Haaren verraten dann, ungefähr die Region, in der die verunglückten Fledermäuse in den vorran gegangenen Monaten lebten.

Einzig die Zwergfledermäuse kamen nach dieser Isotopenanalyse aus der weiteren Umgebung der Windräder. „Die Rauhautfledermäuse dagegen hatten in den Monaten vor ihrem Tod in Weißrussland und im Baltikum gelebt“. Die untersuchten Großen Abendsegler stammten überwiegend aus Skandinavien.

Dort können diese Arten kaum überwintern, weil sie bei den starken Frösten in ihren Baumhöhlen erfrieren würden. Daher ziehen sie im August und September wie Vögel in mildere Regionen und suchen sich im Westen Europas Winterquartiere. Diese Arten fliegen viele Meter über den Baumwipfeln und geraten besonders in die Druckschwankungen der Rotorblattspitzen der Windkraftanlagen.
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3 Kommentare
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Elena Sabasch aus Hohenahr | 08.09.2012 | 00:22  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 08.09.2012 | 01:00  
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D. Schlegel aus Wunstorf | 09.09.2012 | 00:59  
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